Das Unheil begann nach einem gemütlichen Fernsehabend im Mai 2020. Heiri Müller* (Name geändert) hatte gerade einen Beitrag über Kryptowährungen gesehen, setzte sich an seinen Laptop und googelte «Bitcoin». Auf einer Site lachte ihm Roger Federer entgegen: «Eine gute Sache!» Müller machte den verhängnisvollen Klick und kaufte drei Bitcoins für 24'000 Franken.

Wenn er den Namen des Portals gegoogelt hätte, wäre dem Rentner wohl klar geworden, dass mit RoyalsFX etwas nicht stimmt. Die Firma ohne Handelsregistereintrag steht auf der Warnliste der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). An der Firmenadresse in Genf befindet sich der Sitz des Roten Kreuzes. Unzählige User warnen in Foren vor einem Investment. Es gehe bei RoyalsFX um Betrug.

Auf Müllers Bildschirm sah es aber zunächst gut aus. Aus den 24'000 Franken wurden innert kurzer Zeit 40'000, der Bitcoin-Kurs ging nach einem Knick im Frühling durch die Decke. Heiri Müller freute sich – und erhöhte seinen Einsatz. Als sein virtueller Kontostand 200'000 Franken betrug, wollte er sich die Hälfte auszahlen lassen.

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Das war der Moment, als die Abzocke im ganz grossen Stil begann. Erst hiess es, Müller müsse eine «englische Steuer» bezahlen. Dann sollte er dem Broker dessen Verdienst überweisen. Man könne diese Beträge nicht direkt vom vermeintlichen Gewinn Müllers abbuchen. Das sei gegen das Gesetz. Müller überwies weiter Geld auf diverse Konten. Am Schluss war sein gesamtes Vermögen weg: 160'000 Franken.

Strafanzeige eingereicht

Heiri Müller schämte sich, vertraute sich aber seinem Sohn an. Der riet ihm zu einer Strafanzeige. Seither kümmert sich eine erfahrene deutsche Kanzlei um den Fall. In der Anzeige, im Dezember bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis eingereicht, werden der RoyalsFX banden- und gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Hehlerei vorgeworfen. Die Kanzlei nennt 13 Personen, die sie verdächtigt, beim Bitcoin-Betrug eine Rolle zu spielen.

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Heiri Müller rechnet nicht damit, sein gesamtes Vermögen zurückzubekommen: «Das Geld ist wohl futsch.» Immerhin: Eine Bank in Saudi-Arabien, die mit Gaunern nichts zu tun haben will, hat ihm kürzlich 16'000 Franken zurückbezahlt.

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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