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MehrwertsteuerSwisscom & Co. kassieren Millionen fürs Nichtstun

Handy-Nutzer profitieren nicht vom tieferen Mehrwertsteuersatz.
 Den grossen Reibach machen die Telekom-Anbieter.

Kunden von Swisscom, Salt und Sunrise haben nichts vom tieferen Mehrwertsteuersatz.
von aktualisiert am 12. März 2018

Zum Jahreswechsel sank der Mehrwertsteuersatz von 8 auf 7,7 Prozent. Für Swisscom-Kunde Martin Villiger* kein Grund zur Freude. Auf seiner Januar-Rechnung steht zwar, dass der Betrag für die Mehrwertsteuer neu 4.27 Franken beträgt, also 10 Rappen weniger als noch im Dezember. Dennoch bleibt der Preis für sein Abo gleich: 59 Franken. «Es geht mir nicht um die 10 Rappen, sondern ums Prinzip!», sagt Villiger. Das sei doch ein «Bschiss».  

«Was sind schon 10 Rappen?», könnte man jetzt einwenden. Dafür gab es früher am Kiosk gerade mal einen 10er-Mocken. Aufs Jahr gerechnet sind es aber bereits 1.20 Franken - eine Stunde Parkieren in der Wiler Zentrumsrandzone. Und multipliziert man die 1.20 mit den rund 6 Millionen Anschlüssen, kommt man schnell auf einen stattlichen Betrag, den die Swisscom im 2018 zusätzlich einfahren wird. Einfach so, den Gegebenheiten sei Dank.  

Swisscom sieht darin kein Problem: «Bei den letzten beiden Erhöhungen des Mehrwertsteuersatzes haben wir die Preise ebenfalls nicht angepasst», sagt Sprecherin Annina Merk. So hätten die Kunden stets profitiert. «Gerade für Privatkunden geht es um wenige Rappen.» Der Aufwand für eine Preisanpassung sei unverhältnismässig gross. Zudem sei die Festlegung von Preisen nicht willkürlich, so Merk weiter, sondern werde auch nach marketingrelevanten Gesichtspunkten getroffen.

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«Kleinvieh macht auch Mist»

Konsumentenschützerin Sara Stalder ärgert sich über diese Haltung. Auch wenn die Senkung für den einzelnen Kunden wenig ausmache: «Kleinvieh macht auch Mist.» Alle möglichen Gründe für Preiserhöhungen würden sofort genutzt und die Preise jeweils umgehend angepasst oder aufgerundet. Bei Preissenkungen aber würden sich die Anbieter diese Mühe nicht nehmen. «Die Konzerne sacken so einen Mehrgewinn ein, für den sie keinen Finger rühren müssen.»  

Neben Swisscom verzichtet übrigens auch die Konkurrenz auf eine Anpassung der Abo-Preise gegen unten. Salt-Sprecher Benjamin Petrzilka schreibt: «Mehrwertsteuer-Anpassungen sind mit einem erheblichen technischen Aufwand verbunden. Salt zieht es vor, seine Anstrengungen auf die kontinuierliche Verbesserung des Netzes, die Bereitstellung von attraktiven Angeboten und einen guten Kundenservice zu legen.» Und auf der Webseite von Sunrise heisst es: «Sunrise gibt diese Senkung nicht an die Kunden weiter, da es bei der Mehrwertsteuer immer wieder zu Bewegungen in beide Richtungen kommt.»   

 

*Name geändert

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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