Dann war plötzlich der Bildschirm schwarz. Der Tesla Model S von Claudio Pfister fuhr zwar noch, aber alle intelligenten Systeme waren futsch. Darunter auch die Ladefunktion – prekär bei einer Restreichweite von 150 Kilometern. «Der Pannendienst kam und wechselte die Zwölf-Volt-Batterie. Genützt hat das aber nichts», so Pfister.

Ähnlich erging es Markus Stettbacher (Name geändert). Sein Model S steht seit fünf Wochen defekt im Service-Center. Einen konkreten Reparaturtermin kann Tesla nicht angeben. «Das kann es doch nicht sein bei einem Fahrzeug, das über 100'000 Franken gekostet hat», ärgert sich Stettbacher.

Media Control Unit (MCU) ist schuld

Bei beiden Teslas liegt der Grund für die Panne bei der sogenannten Media Control Unit (MCU). Dieser interne Rechner speichert fortlaufend wichtige Fahrzeugdaten. Doch durch die häufigen Schreib- und Löschvorgänge verliert der Speicherchip an Kapazität, bis schliesslich das ganze System ausfällt. Der Chip ist zu klein dimensioniert.

Betroffen sind weltweit bis zu 159'000 Teslas. Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters hat die zivile US-Bundesbehörde für Strassenverkehrssicherheit eine Untersuchung eingeleitet, weil ihr so häufig vorzeitige Ausfälle wegen des MCU-Rechners gemeldet wurden.

Wenig Hoffnung

Tesla hat auf die Anfrage des Beobachters nicht geantwortet. Der Hersteller scheint auch seine Kunden alleinzulassen. «Ich konnte telefonisch nie jemanden von Tesla Schweiz erreichen», sagt Stettbacher. Pfister, eigentlich als Leiter der Fachgesellschaft e-mobile ein Fan von Elektroautos, plant im Herbst eine Reise in die Niederlande. Dort hat er einen IT-Crack gefunden, der ihm den Austausch der MCU für 800 Franken offeriert hat. Tesla verlangt mehr als doppelt so viel.

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Gibt es für Fahrer von Model S und X bessere Lösungen? Beobachter-Beraterin Katharina Siegrist kann nicht viel Hoffnung machen: «Für Konstruktionsfehler gelten die im Vertrag festgehaltenen Garantiebestimmungen. Wenn Tesla Reparaturarbeiten verschleppt, bleiben Kundinnen und Kunden am besten hartnäckig und versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Andere Möglichkeiten, wie einen Dritten beauftragen oder klagen, bringen faktisch nichts – schon gar keinen Zeitgewinn.»

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Andres Büchi, Chefredaktor

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