«Das ging schnell», dachte Anita Binks, als sie auf das Mail klickte. Am Abend ­zuvor hatte die St. Gallerin ein Inserat für ihren alten Marmortisch auf www.tutti.ch veröffentlicht. Nun hatte ein Mann aus Portugal geschrieben – er wollte ihr den Tisch samt Stühlen für 1500 Franken abkaufen. Nach mehreren E-Mails wurde Binks skeptisch: «Er war sehr schnell einverstanden und wollte nicht viel über den Tisch wissen», erinnert sie sich. Der Mann habe vorgeschlagen, über Paypal zu zahlen. «Ich dachte, das sei sicher.» Wenige Tage später schrieb ihr der Portugiese, er habe mit Paypal 2150 Franken überwiesen – 650 Franken seien für den Transport des Tischs nach Portugal gedacht. Er bat sie, die Summe per Western Union einer ­Logistikfirma in den USA zu zahlen. Fast zeitgleich erhielt Anita Binks ein Mail mit dem Absender service@paypal.com: Die Firma ­bestätigte darin die Zahlung des Portugiesen und forderte sie auf, die Transportkosten zu begleichen. Bei Binks schrillte die Alarmglocke. Sie rief ­Paypal an: «Sie warnten mich, das Mail sei eine Fälschung.» Es sei kein Geld auf dem Konto eingetroffen.

«Internetkriminelle gehen immer professioneller vor»

Später erhielt Binks erneut ein Mail. Falls sie nicht innert 24 Stunden zahle, gehe Paypal gerichtlich gegen sie vor. «Ich ­reagierte nicht», erzählt Binks. «Aber ich fürchte, andere fallen auf diesen dreisten Trick herein.» Laut Paypal gehen Internetkriminelle immer professioneller vor. «Heute sind die gefälschten E-Mails kaum noch von echten zu unterscheiden», sagt Mediensprecherin Sabrina Winter. Sie empfiehlt, bei verdächtigen E-Mails nie auf Links zu klicken. Man solle sich auf der Paypal-Webseite in sein Konto einloggen und dieses auf verdächtige Aktionen ­prüfen.