Das Ehepaar Städeli* war auf dem Heimweg in die Ostschweiz, als die Verbrauchsanzeige ihres BMW i3 signalisierte: Ganz nach Hause reicht der Akku nicht. Die Städelis verbanden das Nützliche mit dem Angenehmen, legten beim Schloss Laufen eine Ladepause ein und schauten sich den Rheinfall an.

1 Stunde und 40 Minuten hing der i3 am Strom. Der Akku zog dabei maximal 40 Kilowattstunden. Die genaue Strommenge steht nicht auf der Rechnung, dafür der Preis: 50.49 Franken. Macht rund 1.25 Franken pro Kilowattstunde. Wenn das Paar sein Fahrzeug zu Hause lädt, kostet die Kilowattstunde rund 20 Rappen. «Diese Akkuladung hat uns mehr gekostet als die entsprechende Benzinmenge für einen Verbrennungsmotor», sagt Robert Städeli.

Die Ladestation beim Schloss Laufen gehört dem Zürcher Energiedienstleister Energie 360°. «Die Städelis nutzten eine Schnellladestation. Unsere Preise sind marktüblich, an Schnellladestationen aufgrund der höheren Leistung allerdings höher als an langsameren Elektrotankstellen Solarstrom fürs Elektroauto So amortisieren Sie Ihre Fotovoltaikanlage », heisst es dort. Schnellladestationen seien darauf ausgerichtet, in möglichst kurzer Zeit viel Strom zu liefern. Längeres Parkieren sei an diesen Stationen nicht vorgesehen.

«Gerade weil wir Neulinge sind, haben wir uns vor Ort gut umgesehen. Aber diese Information haben wir nicht entdeckt», sagt Robert Städeli. Einzig in der zugehörigen App war sie sichtbar.

Kilowattstunden, Zeit oder Fixbetrag: Wildwuchs bei Anbietern

Bei Angeboten und Preisen der über 100 Ladeanbieter herrscht ein riesiges Durcheinander. Manche verrechnen nach Kilowattstunden, andere nach Zeit, wieder andere einen Fixbetrag. Zudem gibt es Dienstleister ohne eigene Ladestationen, die bloss eine Vermittlerrolle übernehmen. Ähnlich wie beim Mobilfunk fallen Roaming-Gebühren Roaming-Gebühren bei Salt Teure Daten auf der Fähre an, wenn Kunden in einem fremden Netz Strom beziehen.

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«In den vergangenen Jahren herrschte eine Art Goldgräberstimmung», sagt Claudio Pfister vom Branchenverband Electrosuisse. Die Betreiber von Ladestationen seien teils von zu optimistischen Geschäftsmodellen ausgegangen. «Eine Schnellladestation stellt eine Investition von rund 100'000 Franken dar, bei einer langsamen sind es immer noch 10'000 Franken. Letztere werden im Schnitt nur jeden zweiten Tag einmal benutzt. Wenn man die Investition in drei Jahren hereinholen will, ergibt sich ein Preis von 20 Franken pro Ladung zuzüglich Energie- und Betriebskosten», so Pfister. Doch langsam drehe sich der Wind. Die Anbieter hätten gemerkt, dass die Nutzer nicht jeden Preis bezahlen.

Preis muss angegeben werden

Beim Staatssekretariat für Wirtschaft arbeitet man derzeit an einem Infoblatt für Betreiber: «Für Elektro-Ladestationen gilt die Preisbekanntgabeverordnung Preisdeklaration Alles hat seinen Preis . Deshalb muss der tatsächlich zu bezahlende Preis am Ort des Angebots bekannt gegeben werden.» Werde das Laden mit Handy, Badge oder Chipkarte gestartet, könne die Preisbekanntgabe auf dem Handy erfolgen. Die Verordnung enthalte aber keine Regelung zur Höhe der Preise.

«Die Preistransparenz muss besser werden», sagt Krispin Romang, Geschäftsführer des Elektromobilitätsverbands Swiss E-Mobility. Vor allem bei Schnellladestationen spiele aber nicht bloss die bezogene Menge eine Rolle, sondern auch die Ladedauer. «Wenn die Station an einer Autobahnraststätte den Akku in wenigen Minuten auflädt, ist das klar die höherwertigere Dienstleistung, als wenn es wie an der Heimladestation Solarstrom fürs Elektroauto So amortisieren Sie Ihre Fotovoltaikanlage Stunden dauert.»


* Name geändert

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Andres Büchi, Chefredaktor

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