Der FC Porto spielt nicht jeden Tag in Bern. Das Europa-League-Spiel von YB gegen den grossen portugiesischen Klub ist denn auch seit Wochen ausverkauft.

Für ein paar Glückliche ist am 28. November im Stade de Suisse trotzdem noch ein Plätzchen frei, ein exklusives obendrein: Die Swiss Football League und YB laden «ausgewählte Stakeholder aus Behörden und Politik» ein, das Spiel im VIP-Bereich zu verfolgen. Vor- und Hauptspeise gibt es vor dem Match, das Dessert kann man sich in der Pause vom Buffet holen, nach dem Abpfiff trifft man sich an der Bar – alles inklusive, versteht sich. Das Paket hat gemäss YB-Website einen Wert von 450 Franken.

Die Absicht hinter der exklusiven Einladung: «Neben dem Spiel möchten wir in einem ungezwungenen Rahmen und deshalb ohne fixe Agenda über sicherheitsrelevante Themen diskutieren.» Nach diversen Vorfällen mit randalierenden Fussballfans Fankultur Blut, Schweiss und Schläge ist man offensichtlich bemüht, für die eigene Position zu werben.

«Sehr problematisch»

Die Einladung ging auch an Mitglieder des National- und des Ständerats. Alex Biscaro, stellvertretender Geschäftsführer der Antikorruptionsorganisation Transparency International Schweiz, hält das für sehr problematisch. Bereits der erhebliche Geldwert der Einladung sei korruptionsrechtlich heikel, sagt er. «Hinzu kommt der exklusive, privilegierte Zugang zu einem ausverkauften Event Tickets zu Wucher-Preisen Das Prinzip Viagogo . Damit ist das im Gesetz definierte ‹geringfügige, sozial übliche Mass› unseres Erachtens klar überschritten.»

Die Einladung sei deshalb aus Sicht der Korruptionsbekämpfung «zumindest im tief orangen Bereich» anzusiedeln. Bundesangestellte dürften die Einladung nicht annehmen. Für sie gilt eine fixe Obergrenze von 200 Franken für solche Präsente.

Der «Code of Conduct»

Bei der Swiss Football League vermag man an der Einladung nichts Anrüchiges zu erkennen. «Aus unserer Sicht ist das unproblematisch», heisst es. Da man die Einladung zusammen mit YB ausrichte, komme sie auch billiger zu stehen als 450 Franken.

Die Football League hat solche Einladungen in ihrem «Code of Conduct» geregelt: «Wir nehmen und bieten Geschenke nur an, wenn (…) sie einen üblichen und geringfügigen Wert nicht überschreiten.» Worüber sich im vorliegenden Fall trefflich streiten lässt.

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Thomas Angeli, Redaktor

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