«Es ging mir immer um Nächsten­liebe», sagt der katholische Pfarrer der Liebfrauenkirche in Zürich. Vor Gericht fand sein christliches Argument kein Gehör. Es verurteilte den 59-Jäh­rigen diesen Sommer zu einer Busse von 5250 Franken.

Das Vergehen: Karber hatte von 2011 bis 2018 einer Armenierin Kirchenasyl gewährt, die sich illegal in der Schweiz aufhielt. Die heute 54-Jährige lebte in ­einem Zimmer im Pfarrhaus. Vor einem Jahr geriet sie in eine Polizeikontrolle und konnte sich nicht ausweisen.

Er habe die Frau nicht versteckt, sagt Karber heute. Dass sie eine Sans-Papiers war, will er nicht gewusst haben. «Mich interessiert der Mensch, nicht die Aufenthaltsbewilligung.»

Als er sie zum ersten Mal traf, hatte die Armenierin gerade eine Krebsoperation hinter sich. Ihr Mann, ein Krimineller, bedrohte sie in ihrer Heimat. Die Frau habe dringend eine sichere Bleibe benötigt, wo sie gesund werden konnte, sagt Karber. «Sie hat mir leid getan.»

Bei der Verkündung des Urteils bat der Richter den Pfarrer um Verständnis. Er sei bloss Hüter weltlicher Gesetze: «Man kann sich auch aus Liebe strafbar machen.» Am Ende bedankte sich der Richter ausdrücklich für das Engagement des Pfarrers.

Die Armenierin wohnt heute wieder in der Notwohnung. Inzwischen aber mit einer Aufenthaltsbewilligung.

Dass er für den Prix Courage nominiert ist, löst bei Karber gemischte Gefühle aus. «Es geht mir um das Tun. Nicht um die Aufmerksamkeit, die ich dafür bekomme.»

 

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Prix Courage 2019 – Die Nominierten im Porträt

  • Robin Justine Schönbeck
    ... kämpft für Menschen mit chronischen Krankheiten.
     
  • Josef Karber
    ... nahm eine Bedürftige auf und wurde dafür bestraft.
     
  • Gaby Igual
    ... stoppte eine Millionenabzocke der Krankenkassen.
     
  • Christian Marti
    ... deckte auf, wie ein Arzt systematisch abkassierte.
     
  • Iluska Grass
    ... beschützte einen orthodoxen Juden vor Neonazis.
     
  • Markus Ramser
    ... bildet auf seinem Hof Flüchtlinge aus Eritrea aus.

 

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Die Stimmen der Beobachter-Lesenden und jene der Prix-Courage-Jury werden zu je 50 Prozent gewichtet. Bis Sonntag, 20. Oktober 2019, können Sie für Ihre Favoritin oder Ihren Favoriten abstimmen.

Der oder die Gewinnerin des Prix Courage wird am 1. November 2019 anlässlich einer Gala in Zürich bekanntgegeben.

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Der diesjährige Prix Courage «Lifetime Award» geht an...

... Carla del Ponte!

Carla Del Ponte brachte Mafiosi und Kriegsverbrecher hinter Gitter. Dafür ehrt sie der Beobachter mit dem «Prix Courage Lifetime Award».

zum Porträt

Carla del Ponte wird 2019 mit dem Prix Courage Lifetime Award ausgezeichnet
Quelle: Christian Schnur

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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