Maras dunkle Augen leuchten im Sonnenlicht. Ihre Beine schlenkern etwas unkoordiniert − und jetzt fällt sie auch noch auf die Nase. ­Eigentlich ist Mara ein Büsi, aber gerade jetzt ein Murmeltier. Ein Murmeltier auf der Suche nach Artgenossen, die sich in den Erdlöchern verstecken. Mara ist ausserdem das Lieblingsplüschtier der sechsjährigen Yael, die zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Lian und den Eltern im Bergell auf einer Wanderung zur Albigna-Hütte des SAC ist, wo sie auch übernachten werden. «Immer wenn ich von irgendwo ein Pfeifen höre, stelle ich mir vor, dass mir ein Murmeli auf den Kopf springt und wir beste Freunde werden», erzählt Yael ihrem Papi aufgeregt.

Natürlich kann es auf einer Wanderung mit Kindern auch mal anders tönen: «Mag nüm!» «Isch s no wiit?» «Mir tüend d Füess wee!» Die Nöte von Kindern auf Wanderungen kennt Bruno Lüthi, Leiter Marketing und Kommunikation Hütten beim Schweizer Alpen-Club (SAC): «Nur tschumple fägt nöd.» Wichtig sei, dass der Weg abwechslungsreich und spannend ist − die Wanderung selbst solle zum Erlebnis gemacht werden.

Denn für Kinder ist weder die Hütte, geschweige denn der Gipfel das Ziel. Damit eine Wanderung mit Kindern zu einem positiven Erlebnis für alle wird, ist es wichtig, genügend Pausen einzuplanen − mindes­tens stündlich. Und man muss offen für unplanmässige, von den Kindern initiierte Intermezzos sein. Eltern planen am besten mit der doppelten Gehzeit, als jeweils angegeben ist. Auch die Schwierigkeit des Weges zur Hütte ist zu beachten und der Kondition und dem Können des Kindes anzupassen. Die Bergwanderskala des SAC ist hier hilfreich (siehe Tabelle PDF, 401 kb).

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Quelle: Bernard van Dierendonck, ZVG

SAC-Hütten sind keine Hotels

Aber auch die Wahl der richtigen Hütte trägt zu einem gelungenen Wanderausflug bei. Denn eins sollten sich Familien bewusst sein: SAC-Hütten waren ursprünglich den Erwachsenen, den «richtigen» Berggängern, vorbehalten. Wanderer und Familien sind eher neuere Gäste und noch nicht überall gleich willkommen. In der vom SAC und der CSS-Versicherung herausgegebenen Broschüre «Höhenflüge − familienfreundliche SAC-Hütten» (siehe Link zum Download) aber sind wirklich nur solche vertreten, bei denen die Hüttenverantwortlichen ihr Einverständnis zum Prädikat «familienfreundlich» gegeben haben. Oder wie es Lüthi vom SAC ausdrückt: «Dort ist die dafür nötige Dienstleistungsbereitschaft vorhanden.»

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Gemeint ist, dass beispielsweise dafür geschaut wird, dass eine Familie ein eigenes Zimmer erhält oder sich mit einer anderen Familie ein Zimmer teilen kann. Und auch auf kindergerechtes Essen wird Wert gelegt — so gut wie eben möglich. Denn SAC-Hütten sind keine Hotels. So werden aus Kosten- und Umweltschutzgründen beispielsweise die Duvets höchstens einmal wöchentlich gewaschen. Es ist deshalb empfehlenswert, eigene Leintuchschlafsäcke mitzubringen. Und da es die in der Hütte obligatorischen Hüttenfinken meist nur in Erwachsenengrösse gibt, sollten für die Kinder eigene Finken eingepackt werden.

Wenn der Bergsee zum Ozean wird

In den Rucksack der Eltern oder der Kinder, der nicht schwerer als zehn Prozent des Körpergewichts sein sollte, gehört zudem das Lieblings-Kuscheltier oder das Lieblingsspiel der Kinder. «Eine SAC-Hütte ist für Kinder ja etwas Ungewohntes, da kann es hilfreich sein, etwas Vertrautes dabeizuhaben», erklärt SAC-Mann Lüthi und relativiert das Gesagte gleich wieder: «Für viele ist aber das Zusammensein und eben oft gerade die ungewohnte Umgebung Inspiration genug.»

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Denn was die Kinder rund um die SAC-Hütten finden, ist ein Spielplatz à gogo. Nachdem sie mit ihren Eltern die Umgebung um die Hütte erkundet, Gefahren erkannt und Regeln vereinbart haben, kann das Hüttenabenteuer losgehen. Dann wird für Yael die Wiese zum Feengärtlein und für ihren Bruder Lian das kleine Bergseelein zum grossen Ozean und das Baumrindenstück zum Piratenschiff. 

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Broschüre «Höhenflüge — familienfreundliche SAC-Hütten»: www.sac-cas.ch