Unsere Recherche zur Schweizer Klimapolitik ist nominiert
Weil Tina Berg bei den Schweizer Klimaprojekten im Ausland nicht lockerliess, musste der Bund sein Scheitern zugeben. Ihre Arbeit ist für eine der renommiertesten Auszeichnungen des Schweizer Journalismus nominiert.
Veröffentlicht am 17. April 2026 - 15:32 Uhr

Recherchiert seit Jahren zu Klimapolitik: Beobachter-Journalistin Tina Berg
Um ihre Klimaziele zu erreichen, verlässt sich die Schweiz auf Projekte im fernen Ausland. Alles scheint nach Plan zu laufen. Bis jemand ganz genau nachrechnet. Die Beobachter-Redaktorin Tina Berg hat das getan. Sie zeigte in ihrer zweiteiligen internationalen Recherche auf, wie spektakulär die Auslandsstrategie der Schweizer Klimapolitik scheitert (Teil 1 und Teil 2).
Erreicht waren im September 2025 erst 0,04 Prozent der bis 2030 nötigen 34 Millionen Tonnen CO₂-Einsparungen – durch E-Busse in Thailand und Kochöfen in Ghana. Tina Berg zog für ihre Recherche den ghanaischen Journalisten Emmanuel K. Dogbevi und den niederländischen Journalisten Hans Ariëns bei, die sie vor Ort unterstützten. Erreichen könnte die Schweiz ihre Ziele nur, wenn weitere Projekte im Ausland in den nächsten vier Jahren die restlichen 99,96 Prozent stemmen. Realistisch scheint das nicht.
Guter Journalismus bringt unbequeme Wahrheiten ans Licht. Der Artikel löste im Parlament Diskussionen und Vorstösse aus. Der oberste Klimabeamte des Bundes bestätigte die Zahlen des Beobachters. Er räumte ein, dass die Schweiz das Ziel nach jetzigem Stand «massiv verfehlen» werde. In einer dringlichen Klimadebatte in der Wintersession 2025 musste Umweltminister Albert Rösti im Parlament zugeben: «Ich bin mir nicht sicher, ob die Schweiz ihre Klimaziele bis 2030 erreichen kann.» Es brauche zusätzliche Investitionen.
Unsere Autorin Tina Berg blieb hartnäckig. Eine neue Auswertung ergab im April 2026 kaum Besserung. Berg zeigte, dass inzwischen 0,19 Prozent der 34 Millionen Tonnen eingespart sind, die der Bundesrat sich vorgenommen hat. Die Debatte über die Schweizer Klimapolitik ist neu lanciert.
Der grosse Einsatz von Tina Berg erhält nun Anerkennung. Eine siebenköpfige Jury nominierte die Recherche für den renommierten Zürcher Journalistenpreis. Sie wählte Bergs Text aus gut 200 Einsendungen aus. Prämiert werden Texte, «die über den Tag hinaus in Erinnerung bleiben und für herausragenden Journalismus stehen».
Am 12. Mai 2026 erfahren wir, ob Tina Berg die Auszeichnung gewinnt. Doch der wichtigste Gewinn ist ein anderer. Sie als Leserinnen und Leser profitieren direkt von der Transparenz, die Journalistinnen und Journalisten wie Berg schaffen. Der Beobachter fordert weiter Dokumente an, die die Behörden lieber unter dem Deckel behalten. Und rechnet genau nach, wenn in Bern nach aussen hin alles reibungslos und nach Plan zu laufen scheint.
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Zürcher Journalistenpreis: Die Nominierten 2026








