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Endlich verständlichWas man über Mikroplastik wissen muss

Was ist Mikroplastik? Woher kommt es eigentlich und ist es gefährlich? Was Sie als Konsument wissen müssen und wie Sie Mikroplastik vermeiden können.

Mikroplastik in unterschiedlichsten Grössen ist überall – im Hausstaub und fernab jeglicher Zivilisation.
von aktualisiert am 06. Dezember 2018

Was ist Mikroplastik?

Unter Mikroplastik versteht man nicht lösliche Plastikteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Dabei muss zwischen zwei verschiedenen Sorten Mikroplastik unterschieden werden: Einerseits gibt es Teilchen, die extra in dieser Grösse angefertigt werden und zum Beispiel in Kosmetik- und Hygieneprodukten zum Einsatz kommen. Sie werden Peelings, Duschgels Haarpflege Bye-bye, Shampoo! oder Zahnpasta hinzugefügt, um eine reinigende Wirkung zu erzielen. Solche Partikel bezeichnet man als primäres Mikroplastik.

Andererseits entsteht Mikroplastik in der Umwelt als Bruchstück von ursprünglich grösseren Plastikteilen, zum Beispiel beim Waschen von synthetischen Textilien oder wenn etwa Müll durch Wind, Wetter und UV-Strahlung in viel kleinere Fragmente zerfällt. Solche Partikel gelten als sekundäres Mikroplastik. 

Wo gibt es überall Mikroplastik?

Mikroplastik gelangt zu einem grossen Teil durch synthetische Fasern Waschmaschinen Wie Kleider das Wasser verschmutzen übers Abwasser und durch Pneu-Abrieb in die Umwelt. Aber auch durch Verwitterung von Plastikabfällen, Farbanstriche und industrielle Prozesse. Es findet sich überall – vom Hausstaub bis zu den Polregionen fernab der Zivilisation.

Das Oekotoxzentrum berichtet beispielsweise von geschätzten 10 Kilogramm Mikroplastik, die täglich durch die Rhone nach Frankreich fliessen. Im Zürichsee haben sich rund 8 Billionen Mikroplastikpartikel angesammelt, was einem Gewicht von 141 Kilogramm entspricht, wie das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL des Kantons Zürich schreibt. Dies obwohl Kläranlagen über 90 Prozent des Mikroplastiks bereits aus dem Abwasser gefischt haben. Man muss aber relativieren: im Zürichsee entspricht diese Menge etwa 0,01 Prozent der vorhandenen Partikel (Algen, Zooplankton), also einem Bruchteil der natürlich dort lebenden Biomasse.

Laut Bernd Nowack von der Empa ist das nicht überraschend. «Plastikfasern sind überall Plastikmüll Hier steckt am meisten Mikroplastik drin , wir atmen sie ein und das schon lange. Man kann davon ausgehen, dass diese Verschmutzung seit den 1960er-Jahren stetig zugenommen hat und wir dem schon seit einigen Jahrzehnten ausgesetzt sind.»

Kann Mikroplastik direkt über die Verpackung in die Nahrung gelangen?

Die meisten Lebensmittel werden in Plastikverpackungen verkauft. Kann Mikroplastik zum Beispiel aus der Cola-Flasche oder von der Gurkenverpackung in die Nahrungsmittel gelangen? Nein, Mikroplastik wird dort nicht frei. Allerdings können sich chemische Inhaltsstoffe von der Verpackung lösen und in die Nahrung gelangen. Weitere Informationen finden Sie bei der Stiftung Food Packaging Forum.

Ist Mikroplastik gefährlich?

Zahlreiche Fälle, bei denen Tiere grössere Plastikstücke versehentlich als Nahrungsmittel aufnahmen und daraufhin unter diversen Problemen litten, von Entzündungen bis hin zum Verhungern, sorgten in den letzten Jahren für Aufmerksamkeit und eine wachsende Sensibilisierung bezüglich Plastikmüll in der Umwelt Kunststoffabfall Der alte Müll und das Meer .

Mikroplastik wird von Kleinstlebewesen, Würmern, Muscheln und Fische aufgenommen und gelangt über die Nahrungskette auf den Teller. Einerseits können die Mini-Plastikpartikel auch bei Kleinstlebewesen im Verdauungstrakt zu Entzündungen und wegen Scheinsättigung zum Tod führen. Wegen den chemischen und physikalischen Eigenschaften der Mikroplastik-Oberfläche reichern sich dort giftige Schadstoffe, Bakterien oder Pilze an, die bei Fischen beispielsweise zu Leberschäden führen können. Plastik an sich enthält auch bedenkliche Zusatzstoffe, die etwa hormonaktiv sein können.

In den letzten Jahren nahm die Erforschung der Wirkung von Mikroplastik stark zu, einen Konsens über die Auswirkungen auf Organismen gibt es aber nicht. Genauso sind die möglichen Effekte auf die menschliche Gesundheit heute noch umstritten. Während Umweltschützer vor möglichen gravierenden Schäden warnen, relativiert der Empa-Forscher Nowack: «In der Konzentration, die man in den Gewässern vorfindet hat Mikroplastik bei jetzigem Wissensstand mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen Effekt». Plastik an sich sei nicht schädlich für den Menschen, betont er. Allerdings tauche es als Verschmutzung der Umwelt auf und werde deshalb als Problem wahrgenommen. Ein klares Fazit lässt sich also noch nicht ziehen.

Wie kann man als Konsument vorgehen, wenn man Mikroplastik vermeiden will?

  1. Produkte beim Kauf auf Mikroplastik überprüfen: Wenn Sie den Konsum von Mikroplastik vermeiden wollen, sollten Sie beim Einkauf auf die Inhaltsstoffe achten. Dies ist jedoch nicht immer ganz einfach, denn Mikroplastik versteckt sich hinter komplizierten Bezeichnungen wie Polyethylene glycol, Acrylate Copolymer oder Siloxane.

    Um ohne chemisches Fachwissen mikroplastikfrei einzukaufen, können Sie auf Hilfsmittel wie Smartphone-Apps zurückgreifen. Zum Beispiel «Code Check» oder «Beat the Microbead». Damit können Sie den Strichcode von Produkten fotografieren und erhalten Informationen darüber, ob diese Nanopartikel oder Mikroplastik enthalten. Für viele Produkte gibt es natürliche Alternativen. Es gibt auch Einkaufsratgeber mit umfassenden Angaben zu Produkten, wie beispielsweise vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

     
  2. Kleidung aus synthetischem Material meiden: Über die Wäsche von Textilien gelangen Fasern von synthetischem Material als Mikroplastik ins Abwasser. Sie können entweder vermehrt auf Kleidung aus natürlichen Fasern setzen oder alternativ die Textilien in einem speziellen Waschbeutel waschen, beispielsweise von «Guppy Friend». 

     
  3. Plastikverbrauch minimieren: Je weniger Plastik Sie verwenden, desto weniger gelangt sekundäres Mikroplastik überhaupt erst in die Umwelt. Zahlreiche Organisationen, Initiativen und Blogs bieten Tipps, wie man möglichst plastikfrei leben kann.

     
  4. Korrekt entsorgen: Wenn Sie trotzdem Kunststoffe verwenden, achten Sie auf die korrekte Entsorgung Recycling Das gehört nicht in den «Güsel» , damit kein Plastik oder sonstige Fremdkörper zum Beispiel im Biodünger landet. Informationen dazu gibt es zum Beispiel bei Swiss Recycling.

Was macht die Politik?

Einige Länder wie die USA, Schweden oder Kanada haben Mikroplastik in Kosmetika verboten, die UNO führt eine internationale Kampagne gegen Plastikverschmutzung. Auch die EU hat jüngst ein Verbot von bestimmten Einweg-Plastikartikeln beschlossen. In der Schweiz will man derzeit noch nichts davon wissen und setzt auf Eigenverantwortung und freiwillige Massnahmen der Industrie, trotz zahlreichen Vorstössen im Parlament.

In einer Stellungnahme zu einer Interpellation im Nationalrat schrieb der Bundesrat, dass derzeit sowohl internationale Studien wie auch von der Regierung beauftragte nationale Studien sich mit dem Thema beschäftigen. Sobald Resultate vorlägen, würde man über weiter gehende Massnahmen entscheiden.
 

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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1 Kommentar

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georg stamm
Viel sog. Mikroplastik entsteht durch Pneuabrieb. Wer also einen "Kavaliersstart" hinlegt (der gar nicht kavaliersmässig ist) und eine blaue Wolke hinter dem Fahrzeug produziert, sorgt für viel feinen Gummiabrieb, der jahrzehntelang in der Natur verbleibt. Ein ganz grosser Sünder ist da die Formel 1, aber auch der Flugverkehr. Ein landendes Flugzeug produziert eine riesige blaue Abriebwolke. Leider wird so ein Verhalten gelegentlich noch als "geil" dargestellt. Und zum explodierenden Fliegen muss man ja bezüglich Umwelt nichts mehr weiter sagen ...

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