Mücken tanzen über gemischtem Kraut, Blumen strecken sich der Sonne entgegen. Doch nicht im wilden Jura befinden wir uns, sondern mitten im Zürcher Kreis 4. «Hier hat es ganz viele wertvolle Pflanzen», sagt Kiki Velychko fröhlich und blickt über den üppigen Labyrinthgarten in der Alten Kaserne. «Die Artenvielfalt bei den Wildbienen in der Stadt Zürich ist unglaublich hoch. 194 der schweizweit über 600 Arten leben hier, das ist einfach genial», sagt der Insektenforscher André Rey.

Städte sind wichtige Refugien für Wildbienen. Diese mögen das warme, trockene Klima. Zudem gibt es hier Pollen und Nistplätze, wie sie im Umland wegen der landwirtschaftlichen Monokulturen immer mehr verloren gehen.

Doch auch in der Stadt verschwindet pro Jahr mehr als eine Art Insekten Das stille Sterben . «Wildbienen sind für die Bestäubung und das Ökosystem viel wichtiger als Honigbienen. Doch sie werden viel weniger beachtet und gefördert», sagt Experte Rey.

Geistesblitz in luftiger Höhe

Das will Kiki Velychko ändern. «Alles begann, als wir vor ein paar Monaten bei Peter ­Meyers Alphütte im Berner Oberland einen Naturgarten anlegten und viel über Biodiversität nachdachten», erzählt sie. Sie kamen auf eine einfache, aber geniale Idee – eine Internetanwendung zur Förderung von Wildbienen.

Velychkos Recherchen zeigten, dass es wenig braucht, um Wildbienen in urbanen Gebieten zu fördern Nisthilfen für Wildbienen Tierschützer kritisieren Insektenhotels : Lieblingspflanzen. «Viele Wildbienen sind von bestimmten Pflanzenarten abhängig, im Extremfall von einer einzigen», erklärt sie. Zudem muss die Pollenquelle in der Nähe des Nistplatzes sein.

Zuvor war Kiki Velychko für das Flüchtlingshilfswerk Together for Better Days tätig gewesen, das sie mitgegründet hat. Sie interessierte sich aber schon immer für die Natur. Wie Peter Meyer, der mit seiner Firma nachhaltige Outdoorprodukte entwickelt.

«Ein blühendes Netzwerk.»

Kurzum liessen sie und Meyer die Webanwendung Futureplanter.ch programmieren. Seit dem 27. Mai ist sie online. Stadtbewohner erfahren, welche Wildbienenarten in ihrer Umgebung zu Hause sind und mit welchen Pflanzen auf Balkon, Terrasse oder im Garten Garten und Balkon So punkten Sie bei der Natur sie diese gezielt fördern können. Der Fokus liegt auf spezialisierten Arten. Die empfohlenen Pflanzen unterstützen aber auch viele weitere Bienenarten, die weniger wählerisch sind. «So schaffen die Städter ein blühendes, lebenspendendes Netz­werk für Wildbienen», sagt Velychko.

Am Bienenexperten André Rey liegt es, die wissenschaftlichen Daten aufzubereiten, die Biene und Blume zusammenbringen sollen. «Man weiss zwar genau, welche Biene welche Pflanzen mag», sagt er. Doch die Informationen, wo welche Art zu Hause ist, sind vie­ler­orts veraltet oder lückenhaft. Konkrete Empfehlungen erhalten in der ersten Phase darum zunächst Bewohner von Zürich, Zug, Cham und Schaff­hausen. Alle anderen erfahren, welche Pflanzen für Wildbienen generell gut sind.

 

«Die Artenvielfalt bei den Wildbienen in der Stadt Zürich ist unglaublich hoch. 194 der schweizweit über 600 Arten leben hier, das ist einfach genial.»

André Rey, Insektenforscher

 

Später sollen auch Nistplätze ge­fördert werden. «Wir Menschen haben den Drang, unsere Umgebung aufzuräumen», sagt Velychko. So entfernen wir oft wichtige Lebensräume wie alte Mäuerchen oder planieren lockere ­Böden. Zudem kann man simpel willkommene Unterkünfte schaffen, etwa mit einem Holzhaufen in einem Innenhof. Stören würden die Wildbienen den Menschen kaum: Die meisten stechen Insektenstiche Schmerzhafte Begegnungen nicht und leben nicht in Schwärmen.

Der kostenlose Webservice wird ­finanziert durch die gemeinnützige Stiftung Green Advance, die Meyer und Velychko derzeit gründen. Dafür hat Peter Meyer unter anderem seine Alphütte verkauft. «Für mich sind die Stiftung und das Projekt eine Herzenssache», sagt Meyer. «Die Natur bereichert mich in so vielem, nun will ich etwas zurückgeben.»

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Julia Hofer, Redaktorin

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