Das kleine, stromsparende Leuchtmittel in der Stehlampe verbreitet ein ideal streuendes Licht und soll eine gefühlte Ewigkeit brennen: 50'000 Stunden oder mehr. Es sieht aus wie eine auswechselbare kleine Halogenlampe, ist aber ein LED-Licht.

Das Problem zeigt sich, als die Lampe nach einem letzten kurzen Aufleuchten ihren Dienst einstellt. Das 12-Volt-LED-Leuchtelement lässt sich einfach nicht herausziehen. Erst die Nachrecherche ergibt: Der LED-Strahler ist fest im Gerät verbaut. Ihrer Funktion beraubt, ragt die kaum vierjährige Stehleuchte in den Raum wie ein Menetekel für den Konsum von Wegwerfprodukten. 

Ist das die schöne neue und angeblich ökologischere Lichtwelt? Tatsache ist: Wenn heute eine LED-Leuchte ihren Dienst versagt, bleiben Kundinnen und Kunden oft ratlos zurück. Gibt es überhaupt eine Ersatzbirne? Oder muss man gleich das ganze Gerät ersetzen? 

Angesichts der rasanten Entwicklung in der Lichttechnik sind die Unsicherheiten über die Vor- und Nachteile der Kunstlichter gross. Besonders deutlich zeigt sich dies bei LED-Lampen, dem leuchtenden Wunderprodukt des Kunstlichtmarkts. 

Fehlende Standards

Auf den ersten Blick überwiegen die Vorteile klar. Mit der LED-Technik lässt sich jedes Beleuchtungsproblem lösen. Die kleinen Leuchtdioden brauchen 80 bis 90 Prozent weniger Energie als die veralteten Halogen- und Glühlampen. Und jedes Jahr verdoppelt sich die Leistung der Leuchtmittel aufgrund des technischen Fortschritts.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Noch immer fehlen einheitliche Standards. Schon bei Netzgeräten gibt es unterschiedlichste Stecker für die Leuchtmittel, und die benötigten Spannungen unterscheiden sich von Gerät zu Gerät. 

Lampe statt Leuchtmittel ersetzen

Die Produkte auf ihre ökologische Nachhaltigkeit einzuschätzen, ist für Konsumentinnen kaum möglich. Der Energieverbrauch allein sagt nicht, wie nachhaltig das Gerät ist. Es kommt auch auf die Technik an. Vor allem aber sind rund 80 Prozent der LED-Leuchtmittel fest in den Leuchten verbaut und können nicht ersetzt werden.

Die Folge: Es werden LED-Lampen verkauft, die im Falle eines Defekts meistens gleich ganz entsorgt werden müssen. Silvia Schaller von der Stiftung Lichtrecycling Schweiz schreibt auf Anfrage: «LED-Leuchtmittel werden aktuell noch nicht separat gesammelt.» Man gehe aber von einer Menge «von etwa zehn Tonnen pro Jahr» aus. Die Lampen mit fest verbauten LEDs landen allerdings in der Sammelstelle für Elektro- und Elektronikabfall. 

Unklar bleibt auch, wie viele Leuchtmittel im Hauskehricht landen. Die letzte Analyse des Bundesamts für Umwelt stammt aus dem Jahr 2012. 

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sagt: «Es kommen immer mehr nicht reparierbare Produkte auf den Markt. Wir plädieren grundsätzlich dafür, dass alle neuen Produkte so designt werden müssen, dass sie modular zusammengesetzt sind und repariert werden können.» Mindestens aber müsste klar deklariert werden, ob bei einer Lampe das LED-Leuchtmittel ersetzt werden kann oder nicht. Doch auch das ist oft nicht der Fall. Bestenfalls finden sich diese Informationen im Kleingedruckten.

Mangelhafte Angaben

Das Möbelhaus Ikea schreibt dazu auf Anfrage, man sei sich der Thematik bewusst und liefere heute schon zu jeder Lampe die Information mit, ob das Leuchtmittel ausgetauscht werden könne. Man werde aber anregen, «die direkte Produktinformation noch zu verbessern». Weiter sagt Mediensprecherin Simona Crivelli: Defekte oder alte Lampen würden jederzeit entgegengenommen für ein sauberes Recycling.

Derweil fluten die Hersteller den Markt mit fest verbauten Lichtspendern. Die Gründe: Sie versprechen eine Lebensdauer von zigtausend bis 100'000 Stunden. Fest verbaute LEDs könnten optimal auf die Lampe und ihre Bauteile abgestimmt werden, was eine bessere Leuchtcharakteristik und eine längere Lebensdauer ermöglicht, heisst es in Fachbroschüren. 

Weniger langlebig

Doch gerade günstigere Leuchten mit fest verbauten LEDs gehen nicht selten deutlich früher kaputt als erwartet. Denn laut den aktuellen EU-Bestimmungen genügt es bereits, wenn die angeblich langlebigen Lampen im Test mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Brenndauer von 6000 Stunden erreichen.

Wenn die Lampe vorher dunkel bleibt, ist das einfach Pech.

Was tun? Für Laien ist es kaum möglich, nachzuvollziehen, wo der Fehler liegt. Es kann das LED-Bauteil sein, das versagt, aber auch ein anderes Teil, das verbaut wurde. Daniel Savi vom Büro für Umweltchemie, das sich spezialisiert hat auf Expertenberatung für Elektro-Recycling, sagt dazu: «In der Lampe könnte es beispielsweise das Vorschaltgerät sein, das 220-Volt-Wechselstrom in Niedrig-Volt-Gleichstrom umwandelt, oder einfach der mechanische Ein-aus-Schalter.»

Es bleibt die Möglichkeit, die Lampe zur Reparatur zu bringen und zu hoffen, dass sie sich mit vertretbarem Aufwand reparieren lässt. Oder aber man entsorgt das Gerät einfach komplett als Elektroschrott – was wohl in den meisten Fällen passiert. 

Was dies für die Ökobilanz der Sparlampen bedeutet, ist bisher nicht klar. Denn die Bilanz hängt laut Savi auch «von der Lebensdauer der LED-Lampen unter realen Bedingungen» ab, und dazu liegen noch keine belastbaren Daten vor.

Komplexes Recycling

Fest steht allerdings: Für die Leuchtmittelrecycler in der Schweiz wird die Aufgabe immer komplexer. Zwar bleiben die Mengen seit rund zehn Jahren in etwa stabil, weil die meisten Produkte leichter wurden. Aber der Entsorgungsaufwand nahm allein im letzten Jahr um knapp 13 Prozent zu. 

Kommt eine LED-Lampe in die Entsorgung, werden schadstoffhaltige Bauteile entfernt. In einem mechanischen Prozess wird die Leuchte zerlegt und nach Materialien sortiert. Dabei können rund 90 Prozent der Metalle zurückgewonnen werden. Bei den Kunststoffen liegt der Anteil aber «weit unter 50 Prozent», so Experte Savi. Die LEDs selber sind Bauteile aus sehr dünnen Halbleiterschichten, die in Kunststoff vergossen sind. «Sie können im Wesentlichen nicht rezykliert werden», sagt Savi. 

So fällt die Gesamtbilanz zwiespältig aus. Der Tipp von Savi: «Für kleine Leuchten im Privatbereich halte ich LEDs als Nachrüstung persönlich nach wie vor für die beste Lösung.» Immerhin: Auf September 2021 tritt eine neue EU-Verordnung dazu in Kraft. Sie verlangt von den Herstellern, wo immer möglich ersetzbare LED-Leuchtmittel einzubauen, und eine bessere Deklaration.

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Dominique Strebel, Chefredaktor

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