Manch ein Autofahrer überlegt sich derzeit, ob er seinen Wagen durch ein neues Modell ersetzen soll. Schliesslich sind nach dem diesjährigen Autosalon Genf die umweltfreundlichen Hybridmotoren und Elektrofahrzeuge in aller Munde.

Allerdings sind die energie­effizienten Modelle der neusten Genera­tion nicht gerade günstig. Der Toyota Prius 1.8 Hybrid zum Beispiel kostet rund 40'000 Franken, der Honda Insight Hybrid rund 30'000 Fran­ken. Und will man die Umwelt schonen, sollten auch noch einige andere Faktoren berücksichtigt werden – etwa der Energieverbrauch bei der Herstellung. Diese sogenannte «graue Energie» macht bei einem durchschnittlichen Auto der Golf-Klasse rund zwölf Prozent der Umwelt-
belastungen aus.

Wer seine vermeintliche Dreckschleuder zum Schrottplatz fährt, handelt also nicht in jedem Fall ökologisch, denn die bei der Herstellung verbrauchte Energie sollte optimal genutzt werden. Nach aktuellen Berechnungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) gilt: Ist ein Auto noch zwei Jahre lang oder für rund 30'000 Kilometer ohne zusätzlichen Materialaufwand fahrtüchtig, sollte es weiter im Einsatz bleiben.

Trügerische Ökotests

Vorsicht ist auch geboten, wenn Hersteller mit dem Argument des geringen Benzinverbrauchs werben. Gemäss dem «ÖkoGlobe»-Institut der Universität Duisburg-Essen liegt der Verbrauch im Durchschnitt 27 Prozent oder 2,4 Liter über den Herstellerangaben. Zur Bestimmung des Spritverbrauchs werden die Fahrzeuge zwar einem strengen Test unterzogen, doch dieser hat wenig mit Autofahren im Alltag zu tun. Die meisten Elektrogeräte wie Sitzheizung oder CD-Player bleiben während der Messung ausgeschaltet. Und wenn man bedenkt, dass laut «ÖkoGlobe» allein die Klimaanlage den Verbrauch um bis zu 1,5 Liter pro Stunde erhöht, kommt mit Licht und übrigem Zubehör einiges zusammen. Zudem ist das Testmodell jeweils auf Minimalausstattung abgespeckt. In der Praxis steigt das Gewicht aber schnell mal um 100 Kilogramm, was pro 100 Kilometer einen Mehrverbrauch von rund 0,4 Litern ausmacht.

Will man also das neue mit dem alten Auto vergleichen, sollte man stets mit den gleichen Werten rechnen. Das heisst: die  Angaben des Herstellers nicht mit den ­eigenen Erfahrungswerten mischen.

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Millionen Liter Benzin verpuffen

Vielen Autofahrern ist nicht bewusst, dass auch ihr altes Fahrzeug Sparpotential hat. Mit geeigneten Massnahmen und einem angepassten Fahrstil lässt sich der Benzinverbrauch um 10 bis 15 Prozent verringern. Quality Alliance Eco-Drive, ein breit abgestützter Zusammenschluss von Kurs­anbietern, Verkehrsverbänden und Bundesstellen, zeigt, wie es funktioniert.

Es lohnt sich zum Beispiel, das Auto zu entrümpeln. Wer braucht schon Schneeketten im Sommer, den Picknickkorb im Winter oder die Hobbykiste zum Pendeln? Zur Verdeutlichung: Würden sämtliche Schweizer zehn Kilogramm Ballastaus ihrem Auto entfernen, könnten hierzulande jährlich 26 Millionen Liter Benzin einge­spart werden. Auch der Dachträger sollte bei Nichtgebrauch weggeschraubt werden – so lässt sich nicht nur das Gewicht, sondern auch der Luftwiderstand verringern. «Bei einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde kann der Treibstoff­verbrauch mit einem Dachträger um bis zu 39 Prozent höher sein als ohne», sagt Peter Koch, Geschäftsführer des Kursanbieters Driving Center Schweiz in Safenwil.

Verbessern lässt sich die Ökobilanz auch mit dem richtigen Reifendruck. Es empfiehlt sich, 0,5 bar mehr Druck in die Pneus zu pumpen als vom Hersteller angegeben. Das ist im Gegensatz zu einem Unterdruck nicht gefährlich. So lassen sich rund drei Prozent Treibstoff sparen. Gemäss Eco-Drive fahren rund 90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nicht mit dem optimalen Druck. Würden sie ihre Reifen regelmässig kontrollieren und richtig pumpen, liessen sich jährlich 133 Millionen Liter Benzin respektive 306'000 Tonnen CO2 einsparen.

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Wie das Auto kann auch der Fahrstil optimiert werden. «Einen guten Anfang macht, wer das Gaspedal gedanklich durch das Tretpedal des Velos ersetzt – und sich vorstellt, man müsste die Räder mit der ­eigenen Muskelkraft zum Rollen bringen», rät Experte Koch. So fährt man automatisch ökonomi­scher und lässt das Auto zum Beispiel vor der Kreuzung ausrollen, statt vom Gas- gleich aufs Bremspedal zu wechseln. Auf diese Weise nutzt man nicht nur den Schwung optimal, sondern vermeidet oft auch einen vollständigen Stopp. Dazu muss man wissen: Anfahren verbraucht überdurchschnittlich viel Energie und sollte darum durch eine vorausschauende Fahrweise vermieden werden.

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Bei Rotlicht Motor abstellen

Einmal im Stillstand, lohnt es sich, den ­Motor auszuschalten, wenn die Pause länger als zehn Sekunden dauert. Die Mär, dass das Anlassen viel Benzin verbraucht, stammt aus Oldtimer-Zeiten, als man beim Starten des Motors aufs Gas drücken musste – das gilt heute nicht mehr. Beim Anfahren sollte man bereits nach einer Wagenlänge in den zweiten Gang schalten. Denn je kleiner die Drehzahl, desto weniger Energie verbraucht der Motor. Dieselmotoren lassen sich bereits ab 1500 Umdrehungen pro Minute in den nächsthöhe­ren Gang schalten, Benziner bei 2500.

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Mit dieser Schalttechnik ist man bei ­einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde bereits im fünften Gang. Das ist selbst auf einer Strecke mit Kurven kein Problem. Vor dem Einlenken einfach frühzeitig vom Gas gehen, wenn nötig etwas bremsen – und aus der Kurve wieder beschleunigen. Das lohnt sich, denn fährt man im fünften Gang konstant 50 Kilometer pro Stunde, lassen sich im Vergleich zur Fahrt im dritten Gang bis zu 38 Prozent Treibstoff sparen. Und übrigens: Niedertouriges Fahren schadet einem modernen Motor keineswegs, da die Technik in den vergangenen Jahrzehnten massive Fortschritte gemacht hat. 

Bei Bergfahrten sollte man sich vor ­Augen halten, wie heutige Benzinmotoren funktionieren. Tritt man aufs Gaspedal, wird nicht nur die Benzinmenge erhöht, sondern vor allem die Luftzufuhr – was den Motor wirksamer arbeiten lässt. Darum darf man am Berg ruhig mal etwas mehr Gas geben. Als Faustregel gilt: den Gang wählen, bei dem der Motor mit einem zu drei Vierteln durchgedrückten Pedal ohne Stottern läuft.

Anders als vielleicht noch in der Fahrschule gelernt, sollte man möglichst nicht mit dem Motor bremsen. Als Regel gilt: Bergabwärts hat man den richtigen Gang gewählt, wenn man hin und wieder korrigierend aufs Bremspedal treten muss.

Viel Sprit spart auch, wer nicht zu schnell unterwegs ist. Denn mit zunehmender Geschwindigkeit steigen Luft- und Rollwiderstand exponentiell an – und so auch der Treibstoffverbrauch. Das heisst, wer 20 Stundenkilometer schneller fährt, braucht nicht bloss 20 Prozent mehr Energie, sondern ein Vielfaches davon.

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Warmlaufen lassen ist verboten

Und last but not least: Kurze Strecken legt man am besten zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurück. Denn das Aus- und Einparken des Autos verbraucht wie das Anfahren überdurchschnittlich viel Energie. Ausserdem produzieren kalte Motoren mehr Schadstoffe. Schädliche Abgase lassen sich auch nicht verhindern, wenn man den Antrieb vor der Fahrt warmlaufen lässt. Im Gegenteil: Das ist laut Verkehrsregelnverordnung verboten und verschlechtert die Energiebilanz, da der Motor auch im Leerlauf Benzin verbrennt.

Spartipps: Neun Gebote schonenden Fahrens

  • Energiefresser ausschalten: Heckheizung und Klimaanlage ausschalten, wenn sie nicht gebraucht werden.

  • Ballast vermeiden: Je schwerer ­ein Vehikel ist, desto mehr Energie verbraucht es.

  • Roll- und Luftwiderstand ­verringern: Reifen optimal pumpen und Dachträger abmontieren.

  • Vorausschauend fahren: Bremsen und Beschleunigen brauchen sehr viel Energie. Deshalb gleichmässig rollen und frühzeitig vom Gas gehen.

  • Früh hochschalten: Je kleiner die Drehzahl, desto weniger Energie verbraucht der Motor.

  • Motor abstellen: Auch im Leerlauf verbrennt der Motor Benzin.

  • Bei Bergfahrten Gas geben: Am ökonomischsten fährt man mit einem zu drei Vierteln durchgedrückten Gaspedal.

  • Nicht mit dem Motor bremsen: Bergab ist man im richtigen Gang, wenn man hin und wieder korrigierend aufs Bremspedal treten muss.

  • Nicht zu schnell fahren: Geschwindigkeit und Energieverbrauch steigen nicht eins zu eins an, sondern exponentiell. Darum fährt gemässigt, wer ökologisch denkt.

Weitere Infos

Zahlen und Fakten rund um sparsames Fahren: www.eco-drive.ch

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