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Zeitungsverträger Frühzusteller kämpfen für mehr Lohn

Die Schwächsten im Postkonzern wehren sich: Ein neuer Gesamtarbeitsvertrag soll den Zeitungsverträgern bessere Bedingungen bieten.

Ein neuer Gesamtarbeitsvertrag soll Zeitungsverträger besser stellen.
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aktualisiert am 22. Mai 2017

Frühmorgens raus, bei Wind und Wetter und dürftiger Entschädigung – Zeitungen austragen ist kein Zuckerschlecken. Und viele Frühzusteller klagen, die effektive Arbeitszeit liege mitunter deutlich über dem, was vergütet werde. Auch die Spesen seien nicht gedeckt. Im nächsten Frühjahr läuft der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Verträger der Presto AG aus. Nun soll gleich ein übergeordneter Rahmen-GAV geschaffen werden, der für drei Zustellorganisationen gilt: Presto, Epsilon und DMC. Alle drei sind Subunternehmen der Post, die damit ein Quasimonopol aufgebaut hat. Allein die Presto AG deckt gemäss eigenen Schätzungen drei Viertel des Zeitungsmarkts ab.

Bisher waren es 17.50 Franken pro Stunde

«Der Rahmenvertrag wird Mindeststandards setzen», sagt Sheila Winkler, Zentralsekretärin der Gewerkschaft Syndicom, die zusammen mit Transfair mit dem Postkonzern verhandelt. Der bisherige Mindestlohn lag bei brutto CHF 17.50 pro Stunde – 13. Monatslohn inklusive. «Das ist sehr tief. Umso wichtiger ist es, dass er angehoben und die effektive Arbeitszeit erfasst wird», fordert Winkler. Auch die Spesen sollen vollumfänglich vergütet werden. 

Die Post bestätigt lediglich, man habe entsprechende Verhandlungen aufgenommen. Weshalb haben die Presto-Leute nicht die gleichen Bedingungen wie die Pöstler mit ihrem deutlich arbeitnehmerfreundlicheren Post-GAV? «Die Arbeiten, die Ausbildung und der Verantwortungsbereich eines gelernten Postzustellers sind mit denjenigen eines ein bis zwei Stunden pro Tag tätigen Frühzustellers nicht vergleichbar», sagt die Post.

Den Kostendruck weitergegeben

Das Geschäft schrumpft: Es gibt kontinuierlich weniger gedruckte Zeitungen und Printwerbung. Das drückt auf die Einnahmen der Zustellorganisationen. Sie stehen in harten Verhandlungen mit den Verlagen, die nicht mehr als unbedingt nötig für die Zustellung ihrer Produkte bezahlen wollen. Dieser Kostendruck werde letztlich an sie als die Schwächsten dieses Systems weitergegeben, argumentieren die Frühzusteller. 

Warum engagiert sich die Post in einem solchen Marktumfeld trotzdem so stark mit Subunternehmen? «Die Sendungszustellung auf der letzten Meile ist das Kerngeschäft der Post», argumentiert ein Sprecher. Gewerkschafterin Winkler vermutet, dass es der Post bei der Auslagerung ums Sparen geht – die Bedingungen unter dem Post-GAV kämen teurer zu stehen.

Das Ringen um die künftigen Anstellungsbedingungen der Frühzusteller beginnt im Juni – es wird um jeden Rappen, jeden Meter und jede Minute gehen.