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NachbarschaftVielen ist es Zuhause zu laut

Was nervt Schweizerinnen und Schweizer an ihren Nachbarn? Vieles, wie eine neue Comparis-Umfrage zeigt.

Sie rechts hat Spass, jene links ärgern sich: Bei solchen Nachbarschaftskonflikten gilt es, das Gespräch zu suchen.
von aktualisiert am 20. Oktober 2017

Jeder von uns hat Nachbarn. Manche von ihnen kennen wir besser, weil auf ein sympathisches Gespräch im Treppenhaus eine Einladung zum Wein folgte. Von manchen wissen wir dagegen nur den Nachnamen – sofern uns die Klingelschilder an der Eingangstür überhaupt interessieren.

Und mit manchen Nachbarn haben wir immer mal wieder so unsere Probleme. Zum Beispiel, weil der Herr aus dem 1. Stock jedes Mal die Waschküche besetzt, obwohl man sie selber ganz dringend braucht. Oder weil der Zigarettenrauch von der Frau im Stock darunter schon wieder ins Schlafzimmer dringt. Oder einfach nur, weil die Kinder der Familie nebenan jeden Abend eine Stunde schreien wie am Spiess.

Zwei von drei Schweizerinnen und Schweizer nerven sich über ihre Nachbarn – so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis. Weitaus am häufigsten, bei 28 Prozent der Befragten, sorgt Lärm für Ärger. Häufig beklagt werden laute Gespräche ebenso wie Kindergeschrei, Getrampel, zu laute Musik, Handwerksarbeiten wie Bohren oder Partylärm. Immerhin: An Sexgeräuschen stören sich nur knapp 9 Prozent der Befragten.

Die zweithäufigste Quelle für nachbarschaftlichen Ärger ist Unfreundlichkeit: 16 Prozent der Befragten ärgern sich, wenn die Nachbarn nicht grüssen oder abweisend sind. Auf Platz 3 folgt Zigarettenrauch. Damit ist das Rauchen sowohl auf dem Balkon wie auch im Treppenhaus oder vor der Wohnungstüre gemeint. Ebenfalls häufig drücken Konflikte rund um die gemeinsame Waschküche oder unangebrachte Neugierde auf die nachbarschaftliche Stimmung.

Überraschend: In fast allen Punkten sind es Personen bis 35 Jahre, die sich häufiger ärgern als Menschen über 35. Vor allem bei Lärm, Unfreundlichkeit und Neugierde sind junge Menschen offenbar viel empfindlicher als ältere. Diese Erkenntnis widerspricht dem Klischee, wonach vor allem ältere Menschen mühsame Nachbarn seien.

Zurückhaltende Deutschschweizer

Was tun, wenn die Nachbarn nerven? Die beliebteste – und auch sinnvollste – Massnahme ist, die entsprechende Person freundlich auf die Störung aufmerksam zu machen. 31 Prozent der Befragten wählen diesen Weg der Konfliktbeseitigung. Telefoniert der Nachbar nämlich schon zum dritten Mal hintereinander um Mitternacht draussen auf dem Balkon, so darf man ihn gerne daran erinnern, dass das stört. Kontraproduktiv ist es, ihm zu drohen, ihn zu beschimpfen oder gar die Polizei zu rufen.

27 Prozent der Befragten geben an, in der Regel gar nichts zu unternehmen. Diese Menschen hoffen einfach darauf, dass der Ärger bald und von alleine vorbeigehen möge. Dabei zeigt sich ein frappanter Unterschied in den Landesteilen: Fast jeder dritte Deutschschweizer gibt an, nichts zu unternehmen – im Tessin beispielsweise sind es nur 15 Prozent.

Interessant sind die Taktiken «Selbstschutz» (angewendet von 6 Prozent der Befragten) und «Wie Du mir, so ich Dir» (angewendet von 4 Prozent). Von beiden Reaktionen ist grundsätzlich abzuraten. Wer sich gegen des Nachbars Lärm jede Nacht mit Ohropax schützt, der tut sich und seiner Lebensqualität keinen Gefallen. Und wer beschliesst, fortan in jeder Nacht genauso laut zu sein wie der Nachbar, erreicht damit vermutlich ebenso keinen Frieden in der Siedlung. Deshalb gilt auch hier: freundlich, aber bestimmt das Gespräch suchen.

Die sechs Grundpfeiler guter Nachbarschaft

Massgeblich für das Zusammenleben ist die jeweilige Hausordnung. Im Mietrecht, das im Obligationenrecht geregelt ist, steht unter Artikel 257f lediglich, dass Mieter auf ihre Hausbewohner und Nachbarn «Rücksicht nehmen müssen». Auf Lärm bezogen bedeutet dies, dass die Mieter das Ruhebedürfnis und die Privatsphäre ihrer Nachbarn respektieren müssen. Ganz allgemein darf ein korrektes und anständiges Verhalten erwartet werden. Wo aber die Grenze zur Rücksichtslosigkeit be­ginnt, sagt das Gesetz nicht.

Aus der langjährigen Erfahrung des Beobachter-Beratungszentrums ergeben sich sechs Grundpfeiler für eine gute Nachbarschaftspflege:

  1. Natürlichkeit: Geben Sie sich gegenüber den Nachbarn von Anfang an so, wie Sie wirklich sind. Verstellen Sie sich nicht: Wenn Sie bei einem späteren Knatsch Ihre Fassade ablegen, birgt das zusätzliches Konfliktpotential.
  2. Offenheit: Seien Sie interessiert und offen für Anliegen Ihrer Nachbarn. Sie sind später auch froh, wenn Sie mit Ihren Anliegen auf offene Ohren stossen.
  3. Diskretion: Üben Sie auch Zurückhaltung und überfordern Sie Ihre Nachbarn nicht mit übertriebener Nächstenliebe. Ein gut gemeinter, aber ungefragter Ratschlag kann falsche Signale setzen oder gar als Beschwerde interpretiert werden.
  4. Direktheit: Sprechen Sie Probleme oder Dinge, die Sie stören, frühzeitig an. Es nützt nichts, wenn Sie so lange «die Zähne zusammenbeissen», bis Sie explodieren. Vor allem werden Ihre Nachbarn diese plötzliche heftige Reaktion dann nicht nachvollziehen können.
  5. Rücksicht: Denken Sie bei der Nutzung Ihres Grundstücks an Ihre Umgebung – vor allem dann, wenn es zu störenden Immissionen wie Lärm oder Rauch kommen kann. Die Faustregel lautet: Vermeiden Sie alles, was Sie selber auch beim Nachbarn stören würde.
  6. Toleranz: Lassen Sie fünf auch einmal gerade sein – vor allem wenn es bei Ihrem Nachbarn zu vorübergehenden Immissionen kommt. Sie sind ihm dankbar, wenn er bei Ihrem nächsten ausgiebigen Fest auch ein Auge oder sogar beide zudrückt.


Doch selbst wenn Sie alle diese Ratschläge beherzigen: Ein allgemeingültiges Patentrezept für gute Nachbarschaft gibt es leider trotzdem nicht.

 


Zum Schluss noch drei Tipps von Beobachter-Expertin Norina Meyer zum Umgang mit Partylärm:

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Mehr zu Lärmbelastung in der Nachbarschaft bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Lärm in der Nachbarschaft, verursacht durch Kindergeschrei, feiernde Partygäste oder Baumaschinen, führt sehr häufig zu Konflikten. Auf Guider erfahren Mitglieder, was ihre Rechte sind und wie sie sich wehren können.