Da freut man sich auf die schöne neue Wohnung – wäre bloss nicht diese beschwerliche Zügelei! Passt das Ungetüm von Wohnwand überhaupt in den Transporter? Mühselig auch die ewige Sucherei nach dem nötigen Werkzeug, um alles fachgerecht zu zerlegen und am neuen Ort wieder aufzubauen. Viele Menschen möchten unbeschwerter die Adresse wechseln können, speziell die häufig umziehenden «Stadtnomaden». Diesem Wunsch kommen kreative Hersteller und Designer mit Multifunktionsmöbeln nach. Aus dem wachsenden Angebot in diesem Segment hier eine subjektive Auswahl, die verschiedene Bedürfnisse abdeckt.

Das bewegliche Bett

Als Designklassiker gilt das Scherenbett der Aargauer Firma Thut Möbel. Die Konstruktion gleicht einem Pfannen­untersatz, der sich je nach Bedarf stauchen und dehnen lässt. Zugleich kommt das Scherenbett der Reduktion auf das Wesentliche gleich: Es lässt sich nicht nur einfach transportieren, sondern passt praktisch unter jede Matratze von 80 bis 180 Zentimetern Breite. In der einfachsten, unlackierten Ausführung zur Selbstmontage kostet es 1272 Franken. Von der gleichen Philosophie zeugen weitere Entwürfe aus dem Hause Thut, etwa der Folienschrank. Ein leichtes Segeltuch umspannt die Tragstruktur aus Holz.

Schraubenlos

Mit einer kreativen Kollektion macht der deutsche Designer Nils Holger Moormann von sich reden. «Mobilität im Entwurf ist mir sehr wichtig, weil das ein Spiegel unserer Gesellschaft ist», sagt er. «Man zieht öfter um, also braucht man zwangsläufig andere Möbel.» Beispiel dafür sind seine Steckbetten, die sich ohne Schrauben aufbauen und zusammensetzen lassen. Das Modell «Siebenschläfer» misst 90 mal 200 Zentimeter. Der Schreibtisch «Egon» ist eine Hommage an den Klassiker von Egon Eiermann, einem Avantgardisten im praktischen Design.

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Mitwachsende Kindermöbel

In Kinderzimmern sind bestimmte Sujets, Farben und Accessoires schnell wieder out. Deshalb fällt die Wahl vieler Eltern zunehmend auf eine zeitlose ­Einrichtung und anpassbare Möbel wie etwa das Bett «Flexa» von Micasa. Das Möbel weist die Normalmasse 90 auf 200 Zentimeter auf. Solange das Kind noch klein ist, stellt man es auf niedere Stützen und montiert die Absturzbretter. Später kann es einfach zum Hochbett umgebaut und angepasst werden. Sobald der Sohn oder die Tochter der Kleinkindphase entwachsen ist, lassen sich je nach Bedarf Leiter, Rutschbahn und farbige Sujets entfernen.

Nicht nur für den Moment

Aussergewöhnliche Beiträge gibt es auch vom Zürcher Möbelhersteller Mini­möbl. Dort stand zunächst die Auseinandersetzung mit Kindermöbeln im Vordergrund. «Uns fiel auf, dass es lange kaum altersunabhängige, anpassbare Möbel gab», sagt die Produktdesignerin Nicole Bürgi. Ein Resultat dieser Konzept- und Gestaltungsarbeit ist unter anderem ein Kinderbett in den Standardmassen 90 auf 200 Zentimeter, das aus- und umbaufähig ist. Das robuste Teil aus Massivholzplatten lässt sich fast beliebig umfunktionieren: zum Einzel-, Hoch-, Kajüten- und später zum Jugend- und Gästebett. Zur Kollektion gehört auch ein Schrank oder eine anpassbare Wickelkommode. Das Kinderbett gibt es ab rund 1200 Franken.

Nicole Bürgi sagt dazu: «Nebst der Anpassbarkeit ist uns der Gedanke der Wertigkeit sehr wichtig.» Natürlich sind Möbel immer auch Gebrauchsgegenstände, aber wer sich qualitativ hoch­stehende Stücke anschafft, wird sie auch beim nächsten Umzug mitnehmen. Mehr noch: Die Möbel sollen auch der nächsten Generation dienen.

Regale im Baukastensystem

Zeitlos wie werthaltig sind die Regale von USM Haller. Ärzte, Anwälte oder Konzernchefs stellen sie gern in ihre ­Büros, immer mehr kommen sie aber auch in Wohnungen zum Einsatz. Das nach dem Baukastenprinzip zusammenstellbare Stahlrohrmöbel besticht durch die vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Dank unzähligen Einzelteilen sind Tausende von Kombinationen möglich. Einziger Nachteil: Das Label ist nicht ganz billig. So kostet etwa ein ­Sideboard, 150 Zentimeter lang und 74 Zentimeter hoch, rund 850 Franken.

Architekten, Künstler und Designer ­haben deshalb schon vor Jahren eine preisgünstige Alternative entdeckt: das Errex-Regal. Hinter dem Namen versteckt sich ein vor gut 40 Jahren in Frank­reich entwickeltes Regalsystem für Lagerräume aus verzinktem Stahlblech. Es lässt sich einfach zusammensetzen und leicht neuen Gegebenheiten anpassen. Längst hat Errex nicht nur den Weg von der Lagerhalle in die Büros gefunden, sondern ist schon in Wohnzimmer und Küchen eingezogen. Das System ist im Lauf der Zeit durch Schubladen und Türen aus farbigem Metall, Glas oder Holz ergänzt worden. Das gibt dem Lagerregal eine wohnliche Note.

«Mobile ­Gastfreundschaft»

Nicht im Handel erhältlich sind die Entwürfe der beiden polni­schen Designer Ania Rosinke und Maciej Chmara. Ihre Arbeit ist zwischen Design, Architektur und Kunst angesiedelt und kombiniert funktionelle und gesellschaftliche Aspekte. Ihr Entwurf «mobile Gastfreundschaft» wurde 2012 mit dem Design Award Neue Wiener Werkstätte (NWW) ­ausgezeichnet.

Den Gedanken vom Mobiliar, das den Besitzer überallhin begleitet, hat das Designerduo in aller Konsequenz zu Ende gedacht. In ihrer mobilen Küche hat man immer alles dabei – Geschirr, Abwaschbecken, Gaskocher, Schubladen. Dieses Möbel hat ausschiebbare Elemente und lässt sich zu Fuss oder per Auto leicht transportieren. Das Wasser für den Abwasch kommt von der Fusspumpe.

Die «mobile Gastfreundschaft» ist für Stadtnomaden, fürs ­Garten- oder fürs Ferienhaus – überall, wo es sich ergibt, lässt sich Gastfreundschaft ­geniessen. So hat der moderne Mensch weder einen festen Wohnsitz noch einen fixen ­Eintrag im Adressbuch seiner Freunde. Aber die Stadtnomaden von heute führen ohnehin keine solchen Listen mehr.

Informationen zum Preis unter www.nww-designaward.org