Beobachter: Mindert ein Sabbatical die Chancen bei der Jobsuche?
Bert Höhn: Die Personalverantwortlichen reagieren da unterschiedlich. Sehr wichtig scheint mir jedenfalls, ein solches Jahr gut vorzubereiten und nicht unkommentiert im Lebenslauf aufzuführen. Besonders vorteilhaft ist es deshalb, wenn das Sabbatical in irgendeiner Form mit dem Job in Verbindung gebracht werden kann.

Beobachter: Viele nutzen das Sabbaticaljahr für längere Reisen. Ist das keine gute Idee?
Höhn: Doch, absolut. Nicht nur Weiterbildungen, die am Ende zu einem Diplom führen, können für den Job nützlich sein. Im Gegenteil: Längere Reisen können das interkulturelle Verständnis fördern, man kann so neue Erfahrungen und Werte sammeln.

Beobachter: Es ist also alles möglich, vorausgesetzt, man verkauft es gut?
Höhn: In der Tat hat es zu einem wesentlichen Teil mit «Gut verkaufen» zu tun. Ich glaube allerdings, dass eine solche Auszeit einen Menschen tatsächlich weiterbringt, ihn formt. Ein Sabbatical schafft zudem Distanz zwischen der Firma und dem Arbeitnehmer. Der Mitarbeiter kann sich anders entfalten. Das ermöglicht einen erweiterten Blick auf die berufliche Funktion.

Beobachter: Gutes Marketing in eigener Sache allein reicht also doch nicht?
Höhn: Entscheidend ist, dass irgendeine Energie hinter dem Vorhaben spürbar ist. Sobald der Eindruck entsteht, man wolle nur ein wenig rumhängen, wirds deshalb kritisch.

Beobachter: Aber wenn man einfach mal genug hat und für eine Weile nichts tun will?
Höhn: Es ist absolut unproblematisch, zu Beginn des Sabbaticals einfach mal nichts zu tun.

Beobachter: Wie lange darf man denn getrost nichts tun?
Höhn: Diese Grenze ist sehr subjektiv. Im besten Fall macht man in diesem Jahr verschiedene Erfahrungen – eine davon darf auch das Nichtstun sein.

Beobachter: Was ist mit jenen, die nur eine Auszeit vom Alltag wollen?
Höhn: Wenn jemand für ein Jahr aus dem Berufsleben aussteigt und später exakt am selben Ort wieder einsteigen will, könnte das bei Personalverantwortlichen tatsächlich den Eindruck erwecken, man sei mit dem Alltag nicht mehr zurecht­gekommen und habe deshalb eine Auszeit benötigt.

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Beobachter: Kann ein Sabbatical auch zur Burn-out-Vorbeugung dienen?
Höhn: Wenn man sich früh genug entscheidet, kann es das tatsächlich. Es setzt aber ­voraus, dass der Betroffene noch ausreichend Energie hat, seine Auszeit zu planen und davon zu profitieren. Wer bereits unter einem Burn-out leidet, ­sollte nicht einfach aussteigen.

«Sobald der Eindruck entsteht, man wolle nur ein wenig rumhängen, wirds kritisch.» Bert Höhn, Laufbahnexperte

Quelle: private Aufnahme