Mutlosigkeit und Resignation sind bei älteren Angestellten weit verbreitet. Schon knapp 40-Jährige fühlen sich auf dem Arbeitsmarkt ohne Chance. Ein Blick in die Stellenanzeiger scheint ihnen Recht zu geben: Gefragt sind vor allem Leute bis etwa 38.

Was können ältere Stellensuchende tun, um ihre Chancen zu verbessern? Für den Winterthurer Berufs- und Laufbahnberater Rolf Lutz gilt die Faustregel: «Je älter ein Bewerber ist, umso besser muss er ins Stellenprofil passen und umso gezielter muss er sich bewerben.» Wenn sie die nötigen Qualifikationen mitbringen, hätten auch reifere Kandidaten intakte Chancen. Auf keinen Fall aber darf man vorgängig telefonisch anfragen, ob man trotz seinem Jahrgang noch in Frage kommt.

Um sich gezielt bewerben zu können, ist eine Standortbestimmung unerlässlich. Nur wer seine Fähigkeiten und Stärken kennt, kann sich erfolgreich präsentieren. «Dabei ist wichtig, dass man alles zusammenträgt, was man einmal geleistet und erreicht hat», betont Berufs- und Laufbahnberaterin Claire Barmettler. «Auch neben- und ehrenamtliche Tätigkeiten sind von Bedeutung. Bei den meisten älteren Leuten kommt da erstaunlich viel zusammen. Je nach Stelle, für die man sich bewirbt, kann man dann spezielle Schwerpunkte setzen.»

Entscheidend sei weiter, dass sich ein Bewerber eingehend mit der ausgeschriebenen Stelle auseinandersetzt, so Barmettler. «Für die Personalverantwortlichen, die die Bewerbung lesen, soll der Eindruck entstehen: Diese Person hat sich überlegt, was wir brauchen, und kann uns das auch liefern.»

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Reden statt sich verkriechen

Erfahrene Berufsleute verfügen in der Regel über ein Netzwerk, das bei der Stellensuche sehr wertvoll ist: Vermittlung durch Bekannte ist eine der häufigsten Arten, einen Job zu finden. Wenn Sie auf Arbeitssuche sind, dürfen Sie sich daher nicht verkriechen. Möglichst viele Leute müssen wissen, dass Sie an einer neuen Herausforderung interessiert sind. Scheuen Sie sich nicht, gezielt Leute darauf anzusprechen.

Auch Initiativbewerbungen auf gut Glück eignen sich gut, um mit Firmen in Kontakt zu kommen, ohne dass man in einer Flut von Mitbewerbern untergeht. «Ein Streuversand mit Schemabriefen ist allerdings sinnlos», warnt Rolf Lutz. «Das merken die Verantwortlichen sofort, und die Bewerbung wandert auf den Absagestapel.»

Auch bei spontanen Bewerbungen ist Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg: Prüfen Sie, welche Firmen in Frage kommen. Begründen Sie im Bewerbungsbrief, weshalb Sie dort arbeiten wollen, und zeigen Sie auf, was Sie zu bieten haben.

Über 50: So bewerben Sie sich richtig

  • Ihr Bewerbungsauftritt muss frisch und modern sein. Holen Sie Rat, wenn Sie sich lange nicht mehr bewerben mussten.
  • Beziehen Sie sich im Bewerbungsbrief auf die konkrete Stelle und erläutern Sie kurz und präzis, warum Sie die richtige Person sind – trotz oder gerade wegen Ihres Alters.
  • Achten Sie auf eine ansprechende Gestaltung Ihres Lebenslaufs: Nehmen Sie als Blickfang ein professionelles Passfoto, auf dem Sie sympathisch und jugendlich wirken.
  • Nennen Sie beim beruflichen Werdegang die letzte Tätigkeit zuerst. Weisen Sie auf Leistungen und Erfolge hin.
  • Zeigen Sie eine optimistische, selbstbewusste Haltung.
Rechtsratgeber
Checklisten zur Stellensuche

Beobachter-Mitglieder erhalten mit zusätzlichen Checklisten noch mehr Tipps für die Stellensuche – zum Beispiel wie sie ihr persönliches Netzwerk aufbauen können und was in eine vollständige Bewerbungsmappe gehört.

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