StudiumWer soll das bezahlen?

Geld drucken ist keine gute Idee – es gibt aber andere Möglichkeiten, um das Studium zu finanzieren. Bild: Cortis & Sonderegger

Studenten haben oft Geldprobleme. Wie finanziert man heute die Ausbildung? Wir besprechen fünf unterschiedliche Möglichkeiten.

von Claudia Imfeldaktualisiert am 2017 M07 03

Rund 1960 Franken. So viel brauchen Studierende durchschnittlich während des Semesters pro Monat zum Leben. Die Handyrechnung will bezahlt sein, der Ausgang mit Freunden und das Essen in der Mensa, für Semestergebühren sollte man Geld zur Seite legen – und wer nicht mehr daheim wohnt, muss nicht nur zwischendurch den Kühlschrank selbst füllen, sondern auch die Miete zahlen. In einer eigenen Bleibe steigen die monatlichen Ausgaben schnell auf etwa 2300 Franken. Wer daheim bleibt, fährt deutlich günstiger: Im Schnitt 1380 Franken geben die Studierenden da aus, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

Wenn es darum geht, diese Kosten zu decken, tun sich viele Studenten schwer. 17 Prozent haben starke oder sehr starke finanzielle Probleme, zeigt die Erhebung des Bundes. Gut jeder Zweite spricht von kleineren oder mittleren Schwierigkeiten. Unerwartete Rechnungen bringen das überschaubare Budget durcheinander; Ferien wären zwar schön, sind aber leider zu teuer.

Studium Lebenshaltungskosten
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1. Geld der Eltern

Allerdings können vier von fünf Studenten auf ihre Eltern zählen. Deren Zustupf deckt im Durchschnitt etwa die Hälfte der Ausgaben. Die Höhe des Betrags sorgt aber oft für heftige Diskussionen. «Gerade wenn es darum geht, dass der Nachwuchs ausziehen möchte oder muss, prallen nicht selten verschiedene Ansichten und Bedürfnisse aufeinander», sagt Pia Thormann von der Beratungsstelle der Berner Hochschulen.

Rechtlich gesehen haben Mütter und Väter die Pflicht, ihre Kinder ­während des Studiums finanziell zu unterstützen – und zwar selbst dann noch, wenn der Nachwuchs über 25 ist. Allerdings gilt das nur für die Erstausbildung: das erste Studium an ETH/Universität und üblicherweise auch an einer Fachhochschule.

An den Fachhochschulen ist allerdings umstritten, ob nur das Bachelorstudium oder aber Bachelor und Master als Erstausbildung durchgehen. Für die Diskussion mit den Eltern rät Thormann: «Man sollte sich möglichst schon vor dem Studium zusammensetzen und darüber sprechen, was finanziell drinliegt.» Als Diskussions­basis kann eine Aufstellung der vermuteten Ausgaben helfen.

2. Kantonale Stipendien

Wenn die Eltern finanziell nicht in der Lage sind, einen Beitrag zu leisten, aber auch, wenn sie mehrere Kinder unterstützen müssen, sind kantonale Stipendien eine Option. Zuständig dafür ist in der Regel die kantonale Stipendienstelle am Wohnort der Eltern; auf den entsprechenden Websites finden sich Informationen zu den Krite­rien für einen Ausbildungsbeitrag.

Diese Kriterien variieren von Kanton zu Kanton – ebenso wie die Höhe der ausbezahlten Beträge. In den Kantonen Waadt oder Zürich gibt es rund zweieinhalbmal so viel wie im Kanton Neuenburg.

Ob jemand Anspruch auf Stipen­dien hat, lässt sich nicht so einfach feststellen. Dass Eltern Wohneigentum besitzen, bedeutet nicht, dass ein Stipendiengesuch aussichtslos ist. Dasselbe gilt für eigene Erwerbstätigkeit – da kommt es auf die Höhe des Einkommens an. Eine erste Einschätzung können die Stipendienrechner geben, die mehrere Kantone im Internet anbieten. Sicherheit, ob und wie viel Ausbildungsbeiträge man zugut hat, gibt aber nur ein Gesuch.

Und um dieses sollte man sich möglichst früh kümmern: Die Stipendienstellen brauchen meist mehrere Monate für die Behandlung. Manchmal dauert es gar bis zu einem Jahr, bis Beiträge ausbezahlt werden. Sicher für das erste Semester muss man sich also eine Alternative überlegen, um den Alltag zu finanzieren. Manche ­Stipendienstellen bearbeiten nur vollständige Dossiers, bei anderen kann man Basisdokumente wie die Steuererklärung der Eltern früh einreichen und die Studienbestätigung oder Lohnabrechnungen später.

3. Private Stiftungen und Fonds

Neben den kantonalen Stipendien gibt es solche von Gemeinden, privaten Stiftungen und Fonds – wie etwa die Pestalozzi-Stiftung oder die Schweizerische Studienstiftung. Diese machen eine Unterstützung abhängig vom Wohnort, vom Einkommen oder von weiteren Kriterien. Unterstützt werden etwa alleinerziehende Studentinnen, Maturanden mit herausragenden Leistungen oder Waisen. Studierende können Anträge gleichzeitig an mehrere Stellen versenden. Wer zusätzlich zum kantonalen Stipendium Unterstützung erhält, muss das melden.

4. Darlehen

Wer keine Stipendien erhält, hat eventuell Chancen auf ein kantonales Darlehen. Anders als Stipendien muss man Darlehen nach dem Studium zurückzahlen. Dafür gewähren die Kantone allerdings normalerweise meh­rere Jahre Zeit. Der Zinssatz, der nach Studienabschluss zu laufen beginnt, liegt oft unter fünf Prozent.

Kredite nehmen Schweizer Studierende sehr selten auf – gerade zwei Prozent geben an, ihr Studium auf diese Weise zu finanzieren. Anders als in den USA, wo das aufgrund der hohen Studiengebühren weit verbreitet ist und viele mit hohen Schulden ins Berufsleben starten.

5. Arbeiten

Drei von vier Studentinnen und Studenten gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Gut die Hälfte steht zwischen ­einem halben Tag und zwei Tagen pro Woche ausserhalb der Hochschule im Einsatz.

Viele wollen arbeiten – selbst wenn sie nicht müssten. Das beobachtet ­Stefan Gerig von der Berufsberatungsstelle BIZ in Oerlikon. «Sie wollen den Eltern nicht auf dem Portemonnaie liegen, sondern eigenes Geld verdienen.» Laut Gerig wird Arbeitserfahrung während des Studiums immer wichtiger – «vor allem bei Studienrichtungen, die nicht direkt auf einen Beruf hinführen». Besonders fachspezifische Erfahrung sei für spätere Bewerbungen nützlich: «Wer im Marketing arbeiten möchte, sucht idealerweise in diesem Bereich einen Nebenjob. Auch wenn es vielleicht nur eine einfache Tätigkeit ist.» Aber auch die Arbeit in einem Restaurant oder an der Kinokasse sage etwas aus. «Man zeigt, dass man mit der Doppelbelastung Stu­dium und Job klarkommt», so Gerig. Er rät jedoch zur Vorsicht: «Ob und wie viel man arbeiten kann, hängt stark von der Studienrichtung und von der Belastbarkeit des Einzelnen ab.»

Jene, die ihre Belastbarkeit überschätzen, sieht Pia Thormann von der Beratungsstelle der Berner Hochschulen regelmässig in ihrem Büro. «Sie kommen häufig aufgrund von Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Motivationsproblemen.» Im Gespräch zeige sich, dass die Gesamt­belastung von Studium und – zum Teil mehreren – Jobs zu gross sei und es an Erholungszeit fehle. Was laut Thormann viele vergessen: «Fünfmal 20 Prozent arbeiten ist viel anstrengender als einmal 100. Das dauernde Wechseln zwischen Studieren und Lohn­arbeit ist energieraubend.»

Oft gehe es darum, die Lohnarbeit – zumindest kurzfristig – zu reduzieren und andere Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen, etwa private. Eltern oder Verwandte anzufragen falle aber gerade Studierenden, die ihr Geld grösstenteils selbst verdienen, oft schwer. «Aber wenn die Gotte erwähnt hat, dass sie helfen würde – dann darf man das auch ansprechen.»

Weitere Informationen

  • An den Hochschulen helfen Beratungsstellen
  • Stipendienstellen der Kantone: www.ausbildungsbeitraege.ch
  • Studien- und Laufbahnberatungsstellen der Kantone geben Ratschläge zum Studium und zur Arbeit daneben.
  • Beratung zum Umgang mit Geld: www.budgetberatung.ch

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