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SchuleEltern müssen auch mitmachen

Wenn ein Kind in die Schule kommt, beginnt auch für seine Eltern ein anderes Regime. Dieser Überblick zeigt, welche Pflichten sie nun haben.

Eltern sind dafür verantwortlich, dass ihr Kind den Unterricht regelmässig und ausgeruht besucht.
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aktualisiert am 14. August 2018

Johann-Christoph Rudin sagt es deutlich: «Wenn Lehrer weniger empfindlich wären Schule «Die meiste Kritik an Lehrern ist völlig berechtigt» und Eltern schwierige Situationen aushielten, statt sofort in den Kampfmodus zu wechseln, wäre das Klima an den Schulen viel besser.»

Der 54-jährige Jurist berät Schulbehörden und Schulleitungen in Konfliktsituationen. In einer kürzlich erfolgten gesamtschweizerischen Befragung aller Schulleiter gab knapp die Hälfte an, öfter Probleme in der Kommunikation mit Eltern zu haben. «Es fehlt an Strategien, wie mit angriffigen Eltern umzugehen ist», so Rudin. Er bietet deshalb Kurse unter dem Titel «Anspruchsvolle Eltern, anspruchsvolle Gespräche» an. «Wir müssen die Ressourcen der Lehrpersonen im Umgang mit den Eltern stärken», so Rudin. Für viele Lehrer würden die Eltern immer öfter zum Feindbild, was zu Fehlhandlungen und zu einer Negativspirale führe.

Im Schweizer Schulsystem haben Eltern mehr Pflichten als Rechte. Weil dies vielen nicht bewusst ist, gibt es zwischen Eltern und Lehrpersonen immer wieder Probleme.

1. Recht auf Bildung

Artikel 19 der Bundesverfassung hält fest: «Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht ist gewährleistet.» Weiter steht in der Verfassung: «Der Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht.»

Eltern wünschen sich eine optimale Förderung ihres Nachwuchses, nicht bloss eine «ausreichende». Doch der Staat kann keinen optimalen Unterricht für jedes Kind garantieren.

Das Ziel der Volksschule ist es, die Jugendlichen für die Berufsausbildung fit zu machen. Schwierigkeiten gibt es sowohl mit Eltern von sehr begabten Kindern Frühförderung Wie man Kinder auf den richtigen Weg bringt als auch mit Eltern, deren Kinder eine Behinderung haben. Beide finden, ihr Nachwuchs werde nicht genügend gefördert.

2. Passende Kleider

Lehrpersonen können verlangen, dass Schülerinnen und Schüler für den Turnunterricht oder für Ausflüge passend gekleidet sind. Ausser bei religiösen Symbolen sind Vorschriften zulässig, wenn damit der Schulfrieden gesichert wird. Aufreizende Kleidungsstücke oder solche mit rassistischen Prints sind nicht erlaubt. Für die Einhaltung der Kleiderordnung sind die Eltern zuständig. Lehrer dürfen Kleider verbieten, die den Unterricht behindern oder stören können. Etwa Dächlikappen, bauchfreie Oberteile oder T-Shirts mit politischen Slogans.

3. Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus

Schule und Eltern gehen laut Gesetz ein partnerschaftliches Verhältnis ein. Diese Prämisse ist ein Etikettenschwindel. Im Schweizer Schulrecht sind die Eltern «Bürger in einem Sonderstatusverhältnis». Das heisst, es gilt ein Über- und Unterordnungsverhältnis.

Konkret: Wenn es hart auf hart kommt, bestimmt die Schule. Für 95 Prozent aller Eltern ist das kein Problem, Ärger verursachen nur die restlichen fünf Prozent. Zum Beispiel darf man in der Schweiz nicht einfach die Ferien verlängern oder die Schule für seine Kinder auswählen. Für viele Menschen, insbesondere für solche mit Migrationshintergrund, ist das schwer zu verstehen. In Deutschland zum Beispiel gilt teilweise die freie Schulwahl, ebenso in Spanien. Wegen der grossen Nachfrage nach halböffentlichen Schulen entscheidet dort aber ein strenges Punktsystem darüber, wer den Platz seiner Wahl bekommt.

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4. Pflichten der Eltern

Eltern müssen darum bekümmert sein, dass ihr Kind den Unterricht regelmässig und ausgeruht besucht und dass es genug Zeit für das Erledigen der Hausaufgaben hat. Bei den Hausaufgaben sind Eltern nicht dafür verantwortlich, dass das Kind sie macht. Sie müssen jedoch für einen geeigneten Lern- und Arbeitsplatz daheim sorgen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele Kinder kommen unpünktlich zur Schule, sind nicht ausgeschlafen und haben die Hausaufgaben nicht gemacht.

Lehrer und Lehrerinnen müssen sich vor Augen halten: Kinder zu erziehen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, und nicht alle Eltern schaffen dies in ausreichendem Mass. Wenn es Probleme gibt, liegt meist kein böser Wille zugrunde.

5. Getrennte Eltern

Sorgeberechtigte Eltern Gemeinsames Sorgerecht Was bedeutet «gemeinsames Sorgerecht»? müssen sich absprechen, bevor sie mit der Lehrperson kommunizieren. Beide Elternteile müssen zu Entscheiden ihre Zustimmung geben. Lediglich in alltäglichen Angelegenheiten darf der betreuende Elternteil allein entscheiden. Nicht sorgeberechtigte Eltern haben nur Anspruch darauf, über «Zustand und Entwicklung in der Schule» informiert zu werden, sie dürfen nichts entscheiden oder kontrollieren.

Einschränkungen dieser Rechte gibt es nur bei formellem Entzug des Sorgerechts durch die Kesb (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) oder ein Gericht. Anweisungen eines Elternteils allein sind nicht massgebend. Im Scheidungsverfahren versuchen Eltern oft, Lehrer zu instrumentalisieren. Sie dürfen nicht zwischen die Fronten geraten, Abgrenzung ist nötig. Lehrer sind weder Mediatoren noch Schiedsrichter. Man darf nicht verlangen, dass sie das Kind vom anderen Elternteil abschirmen.

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6. Verordneter Kontakt

Eltern und Schule müssen zusammenarbeiten. Die Schule kann Mütter und Väter verpflichten, an einem Gespräch teilzunehmen, ebenso an Veranstaltungen wie Eltern- oder Infoabenden zu digitalen Medien. In einer fünften Klasse wurden Schüler, die nicht die «richtigen» Markenkleider trugen, von anderen Kindern bestraft Mobbing Wenn Kinder einander fertigmachen . Ein betroffenes Elternpaar weigerte sich, an dem dazu einberufenen Elterngespräch teilzunehmen. Nachdem die Eltern auch danach wiederholt nicht zu den anberaumten Gesprächen erschienen waren, wurden ihnen 2000 Franken Bussen und Gebühren auferlegt.

7. Wer worüber informieren muss

Die Schule muss die Eltern vor den Sommerferien über die Klassenzuteilung und den neuen Stundenplan informieren. Zudem muss sie via Zeugnis regelmässig über Leistung und Verhalten der Schüler Auskunft geben und Ereignisse wie Schulreisen und Klassenlager rechtzeitig ankündigen.

Die Eltern müssen die Schule bei Schwierigkeiten, Trennungen oder Todesfällen informieren, die Einfluss auf das schulische Verhalten des Kindes haben können. Die Lehrperson darf Eltern persönliche Fragen stellen, wenn es um das Kindswohl geht und Spannungen im Elternhaus zu schlechteren Leistungen oder merkwürdigem Verhalten des Kindes führen können. Die Lehrerin darf also fragen: «Was ist bei Ihnen zu Hause los? Streiten Sie viel?» Umgekehrt muss die Lehrperson über ihre persönlichen Verhältnisse keine Auskunft geben.

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8. Pflichten der Lehrer

Wenn ein Schüler nicht zum Unterricht erscheint, muss die Lehrperson die Eltern anrufen. Anrufversuche genügen, falls die Eltern nicht erreichbar sind. Dank Handy können die Lehrer beweisen, dass sie sich bemüht haben, die Eltern zu kontaktieren. Mehr muss die Lehrperson in der Regel nicht unternehmen, wenn sie ein Kind sucht. Die Lehrerinnen müssen die Schülerinnen und Schüler – angepasst an deren Alter, Entwicklung und Situation – angemessen beaufsichtigen. Das ist vor allem bei Ausflügen und Schullagern wichtig.

Ein Lehrer, der mit seiner sechsten Klasse auf einer Bergwanderung Bergunfall Wenn Alpinisten verunglücken am Hohen Kasten im Alpstein unterwegs gewesen war, wurde vom Bundesgericht schuldig gesprochen. Er hatte die Aufsichtspflicht verletzt, weil er mit seinen Schülern ungesichert ein steiles Schneefeld überquert hatte. Ein bergunerfahrener Schüler stürzte ab und verletzte sich tödlich. Der Lehrer hätte mit der Klasse umkehren oder aber jedes Kind ans Seil nehmen müssen. Lehrpersonen machen heutzutage weniger Ausflüge, weil sie sich der Gefahren und der Rechtslage bewusst sind.

9. Wann Eltern nicht eingreifen dürfen

Eltern dürfen bei Personal-, bei methodisch-didaktischen Entscheiden und bei der Notengebung und Schülerbeurteilung nicht eingreifen. Wenn Eltern einen Lehrer absetzen und etwa öffentlich gegen ihn demonstrieren wollen, befinden sie sich ausserhalb ihrer Mitsprachemöglichkeiten. Personalentscheide sind Sache der Schulleitung beziehungsweise der Schulbehörden. Beschwerden müssen an diese Stellen gerichtet werden.

10. Ins Lager – oder ins Schulzimmer

Die Teilnahme an Klassenlagern Schulgesetz Muss mein Kind ins Klassenlager? und auswärtiges Übernachten sind nicht immer obligatorisch. Falls das Kind nicht ins Lager geht, muss es während dieser Zeit den Unterricht in einer anderen Klasse besuchen. Wenn ein Kind nicht am Klassenlager teilnimmt, müssen seine Eltern dafür keinen Grund angeben. Sie sollten aber bedenken, dass die Lagerwochen
für die Entwicklung der Kinder wichtig sind.

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1 Kommentar

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casi
Primär ist zu sagen, dass sich die Gesellschafts-Normen in der Schweiz veränderten. Prioritäten haben sich verändert. Fast jede Frau, welche Mutter von Kindern wurde, arbeitet mindestens teilzeit. Zu viele Eltern, haben keine adäqate Regelung betreffend Kinderbetreuung. Viele Kinder werden mit "Spielsachen" eingedeckt, welche sie zwar "beschäftigen" - Eltern/Betreuende "entlasten" -, nicht aber förderlich sind für ihre geistige und mentale Entwicklung! Weniger geht es um effektive Lebensqualität und Erholungs-Zeit für sich und Ruhe bei vielen Menschen. Es geht vielmehr um Statussymbole und Konsumation. Damit hat auch der Egoismus zugenommen....und entsprechende Vorbilder für die Jungen geschaffen. All dies wird natürlich auch den Kindern vermittelt. Kinder wachsen vielfach ohne, oder mit wenig Begleitung der Eltern auf. Die notwendige Erziehung, Vermittlung von wichtigen Werten und Normen für ein Leben in der Gesellschaft, fehlt vielen Kindern. Auch die Migrations-Anforderungen haben sich sehr geändert. Als mein Vater in jungen Jahren aus Italien in die Schweiz migrierte, gab es klare Anforderungen von Staates wegen: wer sich nicht selbständig integrierte/"anpasste", Arbeit suchte und für den eigenen Lebensunterhalt arbeitete, wurde dahin zurückgeschickt, woher er/sie kam! Das ist weltweit so usus bis heute...! Heute wird Volks-Steuergeld in die Migration gesteckt - die Frage ist nur weshalb eigentlich? Ausländer müssen sich nicht mehr selbständig integrieren/"anpassen". Die Schweiz passt sich an... AsylantenInnen und MigrantenInnen, welche über keine Arbeit verfügen - auch nicht gerne arbeiten wollen -, werden auf Volks-Steuerzahlerkosten unterhalten! Kinder werden in die Welt gesetzt - die Schweiz übernimmt vielfach auch die gesamten Gesundheits- und Bildungskosten. Das Sonderschul-Wesen ist seit Jahren voller Kinder und Jugendlichen von Asylanten-Migranten-Familien, welche sich nicht integrierten/integrieren wollen! Das ist die Situation und damit sind/waren Probleme im gesamten Billdungswesen vorprogrammiert. Im MigrationsBereich muss endlich gehandelt werden! Es gibt viel zu viel unfähige, ungeeignete "Schwachstellen" in Migrations-und Sozial-Wesen, welche auch für diesen "Schlamassel" verantwortlich sind. Lehrpersonen haben eine klaren Bildungsausftrag und sind nicht für die "Erziehung" von Kindern und Jugendlichen zuständig. Computer, Natel und Co, machen es den Lehrpersonen nicht einfacher. Wobei Natel in der Schule verboten bleiben sollten (unkontrollierbare Ablenkung, da viel Privates vorhanden ist - Facebook, Twitter und Co...). Freundliche Grüsse Denise Casagrande

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