Ein Mittwochabend Mitte März. Die Uhr an der Tramhaltestelle Letzigraben in Zürich zeigt ein paar Minuten nach 22 Uhr, und der FC Basel ist um die Illusion ärmer, ungeschlagen Meister zu werden. Daniel Gygax, 22 Jahre jung, der Held der Rückrunde, hat für den FC Zürich das einzige Tor der Partie geschossen. Es war kein grosser Match, kein Spiel der überbordenden Emotionen und – trotz dem unerwarteten Sieger – kaum viel mehr als Alltag in der Super League, der höchsten Schweizer Fussballliga.

Doch es liegt etwas in der Frühlingsluft, als die Zuschauer sich vom Letzigrund-Stadion auf den Heimweg machen. Ein Flimmern, eine nervöse Spannung. Väter nehmen ihre Kinder an die Hand. Feierabendkicker mit FCZ-Schal und Anzug suchen nach dem Autoschlüssel und laufen schneller. Polizisten in Kampfmontur klappen die Visiere ihrer Helme herunter.

Dann geht alles sehr schnell. Beim Eingang zur Südkurve rennen zwei Gruppen junger Männer aufeinander los. Die Spannung entlädt sich in einer heftigen Eruption. Fäuste fliegen, treffen auf Augen, Backenknochen, Lippen. Eine kurze, blinde, wütende Raserei. Einer packt seinen Gegner und schmettert ihn mit dem Oberkörper auf einen Betonblock am Strassenrand. Der Geschlagene bleibt liegen, der Sieger sucht sich ein neues Opfer. Unbeteiligte Fans und Gaffer stieben auseinander, ein Wasserwerfer der Polizei fährt ein – der Kampf der Fussballhooligans, der «Bande Basel» gegen die Zürcher «City Boys», ist zu Ende. Die Basler haben gesiegt, wie fast immer. «Wir blieben stehen und boxten, bis wir gefallen sind», bilanziert anderntags ein City Boy leicht ernüchtert im Internetforum.

Zwei der Boys werden ins Spital gebracht. Auf der Strasse schlägt derweil die Stunde der Mitläufer. «Wo sind die Scheissbasler?», ruft einer, die Faust geballt. Sie sind nicht weit, auf der Suche nach den ebenso ungeliebten Zürcher Fans. Polizisten versuchen, zwischen die Fronten zu gehen, lösen mit Wasserwerfern Scharmützel auf; vereinzelt knallen Gummischrotgewehre. Die Menge ist nervös. Rennt einer los, laufen die anderen instinktiv mit. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit Teilnehmern, die teils kaum älter als 14, 15 sind. Am Albisriederplatz werden die letzten Schlachten geschlagen. Ein Zürcher fliegt quer über zwei Beizentische, ein anderer flüchtet sich vor dem gegnerischen Mob in die Dunkelheit einer Seitenstrasse. Gegen Mitternacht wird es wieder ruhig in Zürich Albisrieden. Die dritte Halbzeit ist vorbei.

Die Medien machen kein grosses Aufheben um die Sache: «Drei Festnahmen und einige tränende Augen waren das Resultat von kleineren Scharmützeln nach dem Match», notiert das örtliche «Tagblatt». Wenn der FCB in Zürich ein Auswärtsspiel hat, gibts jedes Mal Lämpen. Courant normal.

Unter den Fans herrscht Kastendenken
Normalität auch zwei Wochen später: Treffpunkt Brasserie, Bahnhof Basel. Die zwei Männer sind pünktlich erschienen, einer jung, einer Mitte 30. Sie wollen Erich und Remo genannt werden, ihre richtigen Namen lauten anders. Erich trägt sportliche Markenklamotten, Remo Arbeitskleider, auf der Brust ein Namensschild. Man sitzt zu Tisch bei Kaffee und Cola light, unterhält sich zivilisiert. Unauffällige Durchschnittstypen – Hooligans eben.

Remo, der Ältere, war nicht dabei an jenem Mittwoch in Zürich; «zu viel Arbeit», sagt er. Doch er weiss im Detail, was dort passiert ist. Auch wenn er es nicht zugeben mag: Remo ist nicht irgendwer bei der Bande Basel, sondern einer, der die Zügel in der Hand hält. Deshalb stellt er klar: «Mit der Randale in der Stadt haben wir nichts zu tun. Wir sind Hooligans, und wenn wir unser Ding gegen die anderen Hooligans durchgezogen haben, ist der Abend für uns gelaufen.» Die anschliessenden Ausschreitungen, die Hatz auf Polizisten und gegnerische Fans, die Sachbeschädigungen – das gehe aufs Konto der Ultras, der so genannten B-Fans. Sein Ton lässt Distanz spüren: Es herrscht Kastendenken unter den Fussballanhängern.

Von der Polizei werden sie nach dem international geläufigen Abc der Fangruppen kategorisiert. A-Fans, die grosse Masse, sind unproblematisch. Sie wollen nur Fussball, keine Gewalt. B steht für die eingefleischten Anhänger in der Fankurve hinter dem Tor. Sie tragen die Farben ihres Klubs, zelebrieren Choreografien und brennen Leuchtpetarden ab. Die militanten unter ihnen neigen zu unberechenbarer Gewaltanwendung, wenn sie sich provoziert fühlen. Selber sind sie Provokationen nicht abgeneigt: Damit demonstriert die Gruppe Stärke und Geschlossenheit.

Die C-Fans schliesslich, die Hooligans nach englischem Vorbild, sind bewusst auf Prügeleien aus. Nicht auf spontane Kämpfe allerdings: Wann man sich prügelt und wer wie viele Kämpfer stellt, wird vorgängig mit den gegnerischen Hooligans genau abgesprochen.

Doch wenn die Luft brennt nach einem Match, verwischen diese Grenzen ebenso wie der Standesdünkel der Fans: Wenn C-Fans draufhauen, ziehen B-Fans nach. Fankrawalle folgen der Logik der Situation und keinem Abc.

Das stellt den Ehrenkodex, dem sich die Hooligans unterwerfen, in der Praxis bisweilen hart auf die Probe. Deren reine Lehre sieht vor: nur gegen Gleichgesinnte kämpfen, nur einer gegen einen, keine Waffen, nicht weiterschlagen, wenn der Gegner am Boden liegt.

In der Schweiz gibt es im Umfeld der Fussballvereine FC Basel, Grasshoppers, FC Zürich und Young Boys Bern sowie des Eishockeyclubs Lugano grössere Hooligangruppierungen; dazu kommen Splittergruppen in kleineren Städten. Welchem Verein die Prügelknaben zugehörig sind, ist für Nicht-Insider kaum erkennbar: Hooligans tragen keine Schals oder Klubleibchen, sondern kommen im Burberry-Pullover und mit Markenjeans daher.

Die Bande Basel gilt unangefochten als die schlagkräftigste Truppe. Zum festen Bestand gehören rund 80 Männer im Alter von gut 20 bis knapp 40, vorwiegend Schweizer, aber auch Italiener, Serben, Kroaten, Engländer, Südamerikaner, Türken. Ein Querschnitt durch alle Schichten der Bevölkerung: Bankangestellte, Handwerker, Studenten, Stellensuchende. Die Bande sei unpolitisch, beteuert Leitfigur Remo, und er verwahrt sich besonders dagegen, ein Sammelbecken von Rechtsextremen zu sein. «Dass sich einer ein Hakenkreuz tätowieren lässt, entzieht sich meiner Vorstellung von Intelligenz», sagt er. Und: «Bei uns gibts auch SP-Wähler.»

Remo hat seit vier Jahren Stadionverbot in der ganzen Schweiz. Bei Heimspielen des FCB kommt er trotzdem ins «Joggeli», dank einem Arrangement mit dem Verein: Die Freundin muss mit dabei sein, und der eigentliche Fansektor, die Muttenzer Kurve, ist tabu. Seine Liebe zum FC Basel aber bleibt, auf immer und ewig eintätowiert auf der linken Brust. Das Bild ist 20 Jahre alt, die Farben sind verblasst. Selber Fussball spielen durfte der junge Remo nicht, die Eltern verboten es. Stattdessen wurde er Fan. Erst als normaler Matchbesucher, dann als B-Fan. Am Ende der Leiter steht der Hooligan Remo.

Ein Mann, 35 Jahre alt, von mittlerer Statur, sozial integriert, mit einer festen Beziehung und einem guten Job. Jemand, der seine Worte sorgfältig wählt und weiss, was er will: «Bitte folgende Parameter einhalten beim Verfassen der Story», mailt er Tage nach dem Gespräch: «Keine Vor- und Nachnamen, die auf uns schliessen lassen, keine Hinweise auf Beruf oder Arbeitgeber.» Anonymität ist alles für einen Hooligan, «denn die meisten Bürger dieses Landes verstehen nicht, wer und was wir wirklich sind». Und trotzdem der Wunsch: «Achtet darauf, dass ihr nicht zu stark verallgemeinert. Ich und auch Erich sind Einzelpersonen, wir unterscheiden uns sowohl gegenseitig als auch von jedem anderen.»

«Wir sind alles Suchtkranke»
Was also sucht die Einzelperson Remo in der gefürchteten Bande Basel, warum prügelt er sich in der Gruppe, wo er sich ebenso gut in einen Boxring stellen könnte? Remo überlegt lange. «Hooliganismus», sagt er dann, «Hooliganismus ist eine Art Sucht. Ja, wir sind alles Suchtkranke.» Um ein Abenteuer gehe es, darum, zusammen zu sein, ein Bier zu trinken, dumm zu schwatzen. «Vielleicht macht das Illegale den Reiz aus», sucht er nach einer Erklärung, «das Adrenalin, der Kick.»

Nein, das Reissen nach diesem Kick, wenn längere Zeit nichts gelaufen ist, das habe er nicht mehr so extrem wie früher, sagt Remo.

Und trotzdem fuhr er mit Anfang Februar an den Stadtrand von Zürich zum «gepflegten 30:30» gegen die Zürcher Hardturm-Front. 30 Mann standen auf jeder Seite, die Basler in weissen T-Shirts, die GC-Hooligans in Schwarz. Ein blutiger Kampf fernab vom Stadion, ohne Zuschauer, ohne Mitläufer. «Feld, Wald, Wiese» nennen die Hooligans diese Spielform, eine Art Aufbautraining in der fussballfreien Winterpause. Remo durfte nicht mitmachen, die vereinbarte Alterslimite lag bei 30 Jahren. Er fotografierte, stellte die Fotos danach ins Internet. Über die Qualität des Kampfs, der knappe drei Minuten dauerte, wurde im Diskussionsforum der Bande Basel noch tagelang geschwärmt.

Auf dem Feld war die Polizei – für einmal – nicht mit von der Partie. Sie hatte man bezüglich Austragungsort auf eine falsche Fährte gelockt. Solch ungestörte Kämpfe kennen die Basler Hooligans sonst nicht. Wenn immer sich eine Aktion abzeichnet, rüsten sich die Polizeikräfte mit einem massiven Aufgebot an Beamten in Kampfmontur. Grosseinsätze bei so genannten Risikospielen – Partien mit dem FCB oder Zürcher Derbys – kosten schnell einmal 100'000 Franken.

Die Basler Polizei steht im Ruf, besonders rigide gegen die Fanszene aufzutreten. Das trägt ihr den Vorwurf ein, die regelmässige Eskalation der Gewalt unnötig anzuheizen. Doch für Enrico Meier, Chef des zuständigen Fahndungsdienstes der Kantonspolizei Basel-Stadt, gibt es kein Abrücken von der Null-Toleranz-Strategie: «Raufhandel und Landfriedensbruch können wir nicht zulassen. Schliesslich besteht auch eine Gefährdung Dritter.»

Meier hat in den letzten Jahren eine zunehmende Radikalisierung festgestellt. Sorgen bereiten ihm insbesondere die gewaltbereiten, zunehmend jüngeren B-Fans, die sich im Windschatten der Hooligans unkontrolliert austoben. Der Alkohol trage das Seine dazu bei: «Je höher der Pegel, umso tiefer die Hemmschwelle.»

Mehr für Sie

Das personifizierte Feindbild der Fans
Das weiss niemand so gut wie Mario Rupp. Der Beauftragte für Hooliganismus bei der Basler Polizei ist der Mann, der am besten über den harten Kern der FCB-Supporter Bescheid weiss. Er hört sich die Ausführungen seines Chefs Meier mit stoischer Miene an. Nur bei der Frage, wie er denn das Verhältnis zu den Fans beschreiben würde, zeigt er Emotionen: «Zehn Jahre Ringen um Akzeptanz», sagt er mit bitterem Zynismus. Tatsächlich ist Rupp für die Fans das personifizierte Feindbild des repressiven Polizisten. Man unterstellt ihm, seine Mission gegen gewalttätige Fans auf der persönlichen Ebene zu führen.

Untendurch ist Polizist Rupp auch für den Bande-Basel-Hooligan Erich: Er hat für ihn nur ein schiefes Grinsen übrig. Überhaupt hält sich Erich freundlich zurück. Das Reden überlässt er lieber seinem älteren Kumpan Remo. Der 25-Jährige ist einer, mit dem man nicht Streit haben will: gross, athletisch, Oberarme wie Baumstämme. Der frühere Spitzensportler stählt seinen Body heute im Fitnessstudio.

Der Sport, in dem er es bis ins Nachwuchskader der Nationalmannschaft gebracht hat, ist nicht Fussball. Erich gehört zur jüngeren Garde der Hooligans, für die der FCB und der Fussball nicht Lebensinhalt sind, sondern eher die Kulisse, vor der sie ab und zu ihre Kräfte testen. Zur Bande, die längst nicht jeden bei sich aufnimmt, ist er über Kollegen gestossen. Man hat ihn dort behalten, weil er die wesentlichen Kriterien eines Bandenmitglieds erfüllt: standhaft im Kampf, stets für Einsätze verfügbar, verschwiegen. Ihm selber gefällt der Zusammenhalt, den er bei den Feldzügen der Gruppe erlebt: «So etwas hast du bei der Arbeit nicht.»

Erich weiss, dass er es manchmal zu weit treibt. So wie an jenem Novemberabend 2002, als er am Vortag des Champions-League-Spiels des FC Basel gegen Liverpool nach Zürich fuhr, um sich mit englischen Hooligans zu prügeln. Der Kampf eskalierte, und vor allem: Erich brach den Kodex der Hooligans. Seine mitgebrachte Waffe, ein Molotowcocktail, flog ins Innere des McDonald’s-Restaurants, in das die zahlenmässig krass unterlegenen Engländer geflüchtet waren. Immerhin habe er das explosive Benzingeschoss nicht angezündet, versichert er. Das besorgte später ein Kollege mit einem Leuchtgeschoss.

Erich lacht leicht verlegen. Die Sache ist ihm unangenehm. 14 Monate Gefängnis bedingt haben ihm der Wurf und eine weitere Geschichte eingebracht, an der er beteiligt war: eine Strassenschlacht im August 2002, nach einem Meisterschaftsspiel Basel gegen Luzern. Tele Basel zeigte tags darauf Bilder, wie sie die Schweiz kaum kennt: gegen die Polizei randalierende Fans, demolierte Telefonkabinen, ein zerstörter Kiosk, 14 verletzte Polizisten. In Diskussionsrunden suchten Experten nach Erklärungen. Die Randalierer wurden identifiziert und angeklagt. Erich war das einzige Mitglied der Bande Basel, das dabei war. Zufällig, sagt er, er sei auf dem Weg zu einer Party gewesen.

«Da hat es so kommen müssen»
An einem Montagmorgen Ende März muss er dafür geradestehen. Das Strafgericht Basel-Stadt tagt für einmal in der Polizeikaserne Spiegelhof, im Theoriesaal, wo sonst die Polizeimusik übt. Hinter 30 Namensschildern sitzen 30 Angeklagte: junge Männer mit Kurzhaarfrisur, einige mit Glatze, alle etwas verloren in der ungewohnten Situation. Nichts erinnert an die Schlagkraft der Gruppe, die am Fernsehen zu sehen war. «Ein Schauprozess» sei das, kritisiert ein Anwalt. Er ist im Saal der Einzige mit langen Haaren.

Ruhig sehen sich die Angeklagten das Beweismaterial an: Videoaufnahmen einer Privatperson, anhand deren die Polizei Rädelsführer und Mitläufer identifiziert hat. Unruhig wird es im Saal erst, als Aufnahmen einer Überwachungskamera im Stadion abgespielt werden: als zwei Polizisten zu sehen sind, von denen einer Pfefferspray in die Masse der Fans spritzt, um einen Kollegen zu beschützen. Dieser, so sagt der Polizist im Zeugenstand aus, sei gestolpert, dann gestossen worden, und um ihn herauszuholen, habe er zum Spray greifen müssen. Das sei eine bewusste Provokation gewesen, sagt einer der Angeklagten in der Pause, «da hat es so kommen müssen». Dann mag er nicht mehr reden, nur noch dies: «Mir geht es nicht um Gewalt, mir geht es um Fussball.»

Stimmt, sagen auch Markus und Simon, beide 20-jährig, beide Maturanden und mit jeder Körperfaser FCB-Fans: «Die Polizei hat provoziert. Wenn wir ein Gewaltproblem haben, dann mit der Polizei.» Aber Gewalt als Programm, nein, das sei nicht das Ding ihres Fanklubs. Eines Fanklubs notabene, dessen Name an dieser Stelle keine Rolle spiele. Und «situativ gewaltgeneigte B-Fans», wie es im Polizeijargon heisst, das seien sie auch nicht. Oder allenfalls in Ausnahmesituationen: «Ich legitimiere Gewalt, wenn unsere Freiräume eingeschränkt werden», sagt Markus, «also wenn zum Beispiel die Polizei Leute aus dem Fanblock rausholt.»

Ihr Fanblock im heimischen Stadion ist die Muttenzer Kurve, dort, wo der St.-Jakob-Kessel am heissesten brodelt. «Wir sehen uns als Ultra-orientierte Fans», erklärt Simon, der im richtigen Leben nicht Simon heisst, ebenso wenig wie Markus tatsächlich Markus ist. Ultra steht für die von der italienischen Fanbewegung geprägte Art, Stimmung auf den Rängen zu machen: aufwändig inszenierte Choreografien für den Einlauf der Mannschaften, Transparentaktionen, Gesänge.

Diese Formen zählen zu den positiven Erscheinungen einer Fankultur, die im Schweizer Klubfussball seit einigen Jahren stark im Kommen ist. An den bei Erlebnisfans nicht minder beliebten Pyro-Shows, also beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern und bis zu 1600 Grad heissen Seenotfackeln, entzünden sich hingegen immer wieder Konflikte mit Vereinen. «Wir plädieren für Selbstkontrolle», versichert Simon. Und Markus schiebt nach, dass «die Erfahrungen zeigen, dass der 1. August wesentlich gefährlicher ist». Darüber, wie die «Bengalen» trotz Security ins Stadion gelangen, wollen die beiden nicht sprechen: «Es gibt Wege.» Und die Vermummung vor dem Abfeuern «ist einfach nötig, um der Repression zu entgehen».

Der nächste Krawall ist programmiert
In Basel ist das Verhältnis der gegen 1000-köpfigen Gruppe der Hardcore-Fans den FCB-Verantwortlichen gegenüber besonders gespannt. «Es wird Stimmung gegen uns gemacht», sagt Markus, «wir werden behandelt wie Randständige.» Den Ultras ist alles zuwider, was das moderne, auf Kommerz getrimmte Fussballbusiness ausmacht. Die Erfolge im Kampf dagegen bleiben bescheiden. Das höchste der Gefühle ist, dass ein Teil des Muttenzer Sektors von den Schalensitzen befreit wurde, die den Kurvenfans ein Gräuel sind.

Vorsichtig auf Distanz geht die Ultra-Bewegung zu den Hooligans der Bande Basel. Simon hat den Eindruck, dass die C-Fans «in letzter Zeit die Randale-Geschichten auf uns abschieben. Dabei läuft es bei ihnen nicht immer nach Plan, und dazu sollten sie stehen.» Dass es aus den Reihen der Ultras Überläufer gibt, die nicht abgeneigt sind, wenn vor oder nach dem Spiel die Post abgeht, bestreitet indes auch er nicht. Doch: «Wir sind zu viele, als dass sich das kontrollieren liesse.»

Am kommenden Sonntag steht für Remo und Erich, Simon und Markus die nächste Reise nach Zürich an. Basel, der neue Meister, spielt gegen den alten, die Grasshoppers. Der Match wird in eine dritte Halbzeit gehen, das steht fest. Schuld daran will aber niemand so richtig sein.