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StandpunktKesb-Bashing: Es reicht!

Die Kesb Linth und die Stadt Rapperswil-Jona haben rechtliche Schritte gegen die «Obersee-Nachrichten» eingeleitet. Sie wirft der Zeitung eine «haltlose Kampagne» vor. Ein Standpunkt von Beobachter-Beratungsexperte Walter Noser.

Schlagzeilen in den «Obersee-Nachrichten» rund um die Kesb Linth.
von

Seit drei Jahren hat die Nation einen Sündenbock: die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb. Nicht nur in Sozialen Medien, Leserbriefen und am Stammtisch wird die Behörde als Schuldige bei Erbstreitigkeiten, Familienproblemen und menschlichen Tragödien hingestellt. In dieses Horn stossen auch einige Promis und zunehmend auch Journalisten. Allen voran zur Zeit zwei Journalisten der «Obersee Nachrichten» («ON»). Dieses Blatt stelle die Kesb Linth systematisch als Terror- und Geheimbehörde dar, heisst es in einer Mitteilung der Stadt Rapperswil-Jona.

Die «ON» berichten seit Monaten über einen fremdplatzierten Jugendlichen namens Marco, dem die Kesb angeblich eine ärztliche Untersuchung verbietet. Nicht nur Jugendliche und Alleinstehende würden «in die Mühlen» der Kesb geraten, sondern auch alte Menschen – und neuerdings sogar Firmen wie diejenige eines Gipsermeisters. Dass der Kesb-Präsident nicht freimütig aus dem Nähkästchen plaudert, sondern sich auf die Schweigepflicht beruft, wird ihm genauso vorgeworfen wie das angeblich zerknitterte Hemd, das er bei einem Auftritt trug.

Verfahren eingeleitet

Nun reicht es der Stadt Rapperswil-Jona. Man habe sich entschieden, ein Verfahren wegen Persönlichkeitsverletzung einzuleiten, um der «haltlosen Kampagne» Einhalt zu gebieten. Ganz normale Vorgänge wie die Bearbeitung von Gefährdungsmeldungen würden von der «Obersee-Nachrichten» dramatisiert. Ganz besonders bedauerlich sei die Berichterstattung für die Kesb-Klienten, deren meist schweres persönliches Schicksal in den Medien ausgebreitet werde.

Es ist eine heikle Sache, wenn eine Behörde juristisch gegen Journalisten vorgeht. Schliesslich haben die Medien als Vierte Gewalt im Staat die Aufgabe, die Arbeit der Behörden kritisch zu hinterfragen. Die Frage ist, wie sie dies tun sollen. Seriöse Journalisten verwenden stets die stärksten Argumente von beiden Seiten und verbreiten nicht einfach die Sichtweise der einen Partei. Das Problem dabei: Die Kesb hat eine Schweigepflicht. Deshalb hätten die «Obersee-Nachrichten» die Aufgabe, die Kesb nach ihrem Auftrag zu befragen und diesen den Lesern zu erklären. Die Kampagne der «Obersee-Nachrichten» entbehrt aber einer differenzierten Auseinandersetzung und lässt sich nicht mit der Medienfreiheit rechtfertigen.

Mehr Information statt Polemik

Es ist zu wünschen, dass die eingeleiteten juristischen Schritte dazu beitragen, dass Medienschaffende weniger das Empörungspotenzial erregter Bürger bewirtschaften. Und dass sich die Öffentlichkeit bewusst wird, dass es nicht Aufgabe der Kesb sein darf, Einzelfälle öffentlich zu kommentieren. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, hilfsbedürftige Menschen zu schützen. Nur wenn sie dieser Aufgabe partout nicht nachkommt, kommen die Medien als Vierte Gewalt ins Spiel.

Bis anhin musste sich die Kesb Linth jedoch nichts vorwerfen lassen, denn jeder ihrer Entscheide kann direkt beim Gericht angefochten werden. Dass die Gerichte die Kesb Linth in allen von den Betroffenen angefochtenen Fällen schützte, hat nichts mit «Sauhäfeli, Saudeckeli» zu tun, sondern mit dem funktionierenden Rechtsstaat. Ohne undifferenziertes Kesb-Bashing würde dieser noch besser funktionieren.

Veröffentlicht am 26. Februar 2016

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14 Kommentare

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Clemens Müller
Jeder in den ON ausgebreitete Fall ist wohl durch die Betroffenen persönlich an die Redaktion heran getragen worden. Leute die ihren Fall an die Öffentlichkeit bringen wollten. Walter Noser ist da so ziemlich auf dem Holzweg mit seiner Einschätzung. Mittlerweile wird die Schweigepflicht der KESB sogar vom Bundesgericht geschützt. Wie sollen sich Betroffene so noch vor Gericht wehren? Unrechtsstaat Schweiz. Den ON gehört ein Lob für ihre unabhängige Berichterstattung!

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Paul Lanz
Einmal mehr druckt der Beobachter meinen Beitrag nicht ab, weil die Realität halt anders aussieht wie die Sichtweise von Herr Noser. Ich bin selber ein Opfer der KESB und weiss nicht mehr ein noch aus, so gross wird der Druck. Ich wurde Opfer eines Betrugs und die KESB ist mehr interessiert mich als unzurechnungsfähig zu erklären, als die Täterschaft in den Knast zu bringen, obwohl rechtskräftig verurteilt!! Mein Leben ist die Hölle, aber Herr Noser verneint Kritik an der KESB in Unkenntnis was wirklich abgeht!!

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Raphael Eugster, 9428 Walzenhausen
Sie, Herr Walter Noser, waren der Hauptgrund weswegen ich mein Beobachter Abo gekündigt habe. Ich bin selbst Zeuge von diversen MORDEN, seit Jahren. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Einfach weil Behörden NIEMALS Fehler machen! Weil man über Opfer herziehen kann, ohne dass sie auch nur 2% der Chancen gehabt haben welche die Starken haben. Uns wird beigebracht dass der Stärkere der Stärkere ist! Es ist an der Zeit dass Gesetze für alle gleich gelten, ansonsten wird es (leider) bald ausarten! Kann doch nicht sein dass Buchaltungen gefälscht werden, Telefone aufgehängt, Kommentare von Betroffenen zurückbehalten werden, etc! Verantwortung, Profi, etc, heisst auch mal seinen eigenen Geldbeutel hinhalten, mal eingesperrt werden! Höret hin, Mitbürger, es ist auch EURE ZUKUNFT!

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Barbara
Wer holt die KESB? Schulsozialarbeiterinnen horchen Schüler aus. Gefährdungsmeldungen an die KESB machen Schulsozialarbeiterinnen regelmässig. Und sind sich dabei keiner Schuld bewusst. In der Theorie ist ja die KESB ein Segen für jedes Kind und sind Profis immer besser... Gewöhnliche Leute würden bei einem zappligen Kind nie den Behörden melden, das Kind sei gefährdet durch die Mutter. Wie erwähnt tut diese Berufsgruppe dies trotzdem. Ist die KESB auf den Plan gerufen, ist auch sie sich keiner Schuld bewusst, wenn sie die Mutter nicht an den Tisch holt. (Wer wird schon eine "kindsgefährdende" Mutter mit einbeziehen?) Auch fügt die Schule ihrer "Meldung" nicht hinzu, dass es eine selbstkritische Mutter ist, die dem Lehrer stets Kooperation angeboten hat. "Datenschutz". Sogar intern.

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