Neben dem Smartphone in der Tasche auch noch eine Smartwatch am Handgelenk – wer braucht das? Ein Muss ist der Kleinstcomputer als Handy-Anhängsel sicher nicht. Doch den Herstellern gehen bei den Smartphones langsam die Ideen aus, und so sollen Smartwatches für Umsatz sorgen. Stets neue Funktionen sollen neue Zielgruppen ansprechen.

Die Smartwatch übernimmt zunehmend die Rolle eines intelligenten Gesundheitswächters am Handgelenk – das Smartphone kann das nicht. Mit eingebauten Sensoren dokumentiert die smarte Uhr automatisch, ob jemand genug für seine Fitness tut Fitness-App Fit mit Gratis-App? oder genügend schläft, warnt vor zu grossem Umgebungslärm und prüft kontinuierlich Herz- und andere Gesundheitswerte. Erst an zweiter Stelle übernimmt die Watch Funktionen des Smartphones wie das berührungsfreie Bezahlen oder das Empfangen von Nachrichten.

Fast jede zweite verkaufte Smartwatch stammt vom US-Hersteller Apple, den Rest des Marktes teilen sich Samsung, Huawei, Fitbit und kleinere Firmen. Kunden haben nicht wirklich eine freie Wahl. Eine Apple Watch funktioniert nur mit einem iPhone. Die Smartwatches der anderen Hersteller sind vor allem zum Koppeln mit einem Android-Smartphone konzipiert.

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Hinzu kommt: Die deutsche Stiftung Warentest hat gerade 13 Smartwatches getestet und kam zum Schluss, dass nur zwei gut sind: die Apple Watch Series 5 und die Garmin Forerunner 245 Music.

Heikle Daten als Risiko

Schwachstelle bei allen Smartwatches ist der Datenschutz. Ausgerechnet – dabei geht es um hochsensible Gesundheitsdaten. Es war ebenfalls die Stiftung Warentest, die hier unlängst nachforschte – sie konnte bei keinem Hersteller ausschliessen, dass mit der Smartwatch ermittelte Daten weiterverkauft werden. Wer das nicht in Kauf nehmen will, sollte bis auf weiteres auf eine Smartwatch verzichten.

Tipps: Wo eine Smartwatch wie nützt

Gesundheit (sehr nützlich)

Mittlerweile misst jede Smartwatch über Sensoren auf der Rückseite den Puls Apps fürs Herz Was Smartphone & Co. als Pulsmesser taugen . Die Genauigkeit reicht für Alltag und Sport vollkommen aus. Bewegungssensoren ermitteln automatisch die Aktivität des Nutzers, zählen zurückgelegte Schritte und Treppenstufen und errechnen daraus, wie viele Kalorien verbrannt wurden. Schlaftracker-Apps zeichnen auf, wie ruhig und wie lange man schläft.

Nur die Apple Watch informiert mit beachtlicher Genauigkeit über mögliche Herzrhythmusstörungen Herzrhythmusstörung Wenn der Motor aus dem Takt gerät und ermittelt ab dem Modell Series 4 dazu ein einfaches EKG. Samsungs Galaxy Watch Active 2 soll diese Funktion bald nachreichen.

Diabetiker können sich ihre Zuckerwerte über einen externen Hautsensor in Echtzeit anzeigen lassen.

Die in Kürze verfügbare Smartwatch Heart Guide von Omron misst als erste den Blutdruck über eine aufblasbare, im Armband integrierte Manschette.

 

Handy-Infos (sehr nützlich)

Die Smartwatch ist quasi das verlängerte Displaydes Smartphones am Handgelenk, das Handy kann bei verschiedenen Anwendungen in der Tasche bleiben. Die Verbindung läuft über Bluetooth oder WLAN. Man kann sich das Wetter anzeigen lassen, wichtige Eilmeldungen, Nachrichten, Mails, Navigationsanweisungen oder Erinnerungen. Per Watch kann man Musik oder Hörbücher starten,die Lautstärke regulieren, digitale Assistenten wie Siri und Alexa aktivieren oder via App das Licht und die Jalousien steuern.

 

Hilfe für Gebrechliche (sehr nützlich)

Smartwatches wie die Apple Watch Series 4, Samsungs Galaxy Watch Active 2 oder Apps wie B-Cared erkennen über ihre Bewegungssensoren einen Sturz und setzen – wenn sich die Nutzerin oder der Nutzer danach nicht mehr bewegt – einen Notruf mit Ortungsdaten an eine Rettungsleitstelle ab und informieren Angehörige. Vorteil: Betroffene müssen dazu keine Taste drücken.

Auch in anderen Notsituationen ist ein Notruf über die Smartwatch schneller abgesetzt als über das Smartphone Smartphone für Senioren Hilfe bei der Handybedienung .

 

Bezahlen (beschränkt nützlich)

Google, Apple und Samsung bieten eigene Zahlungssysteme auch in der Schweiz an. Die Kreditkartendaten sind im Smartphone gespeichert, an der Kasse zahlt man so fast überall kontaktlos, sofern die eigene Bank am Bezahlsystem teilnimmt. Die Smartwatch spart am Zahlterminal ein paar Handgriffe.

 

Handy-Ersatz (unpraktisch)

Es gibt Smartwatches, die auch ohne Smartphone über eine WLAN-Verbindung telefonieren und das Internet ansteuern können. Teurere Modelle besitzen gar eine eingebaute E-SIM-Karte und sind nicht auf WLAN angewiesen. Telefonieren mit der Smartwatch ist aber nur via Minilautsprecher oder mit Bluetooth-Kopfhörern möglich. Das Display ist zu klein zum Surfen und zur aktiven Benutzung sozialer Medien. Zudem ist der Akku so klein, dass er bei intensiver Nutzung meist nicht bis abends durchhält. Auf Dauer ist die Smartwatch kein Ersatz für das Smartphone.
 

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Andreas Thut, Leiter Digital

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