Fast 100'000-mal schlägt das Herz jeden Tag. Ein Arbeitstier. Doch wenn es einmal streikt Reanimation So reagieren Sie richtig bei einem Herzinfarkt , leben wir nur noch ein paar Minuten.

Klar, dass wir unruhig werden, wenn sich plötzlich Poltern, Rasen oder ein chaotischer Puls bemerkbar machen. «Doch bitte keine Panik», sagt Thomas Lüscher vom Zentrum für Molekulare Kardiologie an der Uni Zürich. «Rhythmusstörungen sind in der Regel nicht akut lebensgefährlich.» Man ­sollte sie aber ärztlich abklären lassen.

Belastungen können Herzstolpern auslösen

Taktgeber für den Herzschlag ist der Sinusknoten. Er befindet sich im rechten Vorhof und sendet den elektrischen Impuls aus, der sich in der gesamten Herzmuskulatur ausbreitet. Er sorgt für ein rhythmisches Anspannen und Entspannen – das erhält den Blutkreislauf aufrecht und versorgt die Organe gleichmässig mit Sauerstoff.

Bei Bedarf kann das vegetative Nervensystem die Herzfrequenz erhöhen. Es signalisiert dem Sinusknoten, dass mehr Sauerstoff ins Blut muss. Der Herzrhythmus steigt von üblichen 60 bis 80 auf bis zu 180 Schläge pro Minute, bleibt aber regelmässig.

«Wer weiss, dass Rhythmusstörungen ungefährlich sind, kommt gut damit klar.»

Thomas Lüscher, emeritierter Professor am Zentrum für Molekulare Kardiologie der Uni Zürich

 

Unregelmässig wird der Takt bei ­Zusatzschlägen, sogenannten Herzstolperern. Auslöser können Belastungen sein, etwa Stress (siehe «Herzstolpern» in der Infobox unten)

Herzstolpern Herzkrankheit Was fehlt dir, mein Herz? ist die häufigste Rhythmusstörung, aber harmlos, auch wenn es Betroffene meist als unangenehm empfinden. «Wer einmal weiss, dass diese Rhythmusstörungen ungefährlich sind, kommt damit meist gut zurecht», sagt Lüscher. Falls sie zu häufig werden und stark stören, können sie behandelt werden. 

Herzrasen sollte man beim Kardiologen abklären

Mehr Aufmerksamkeit braucht das spontane und grundlose Herzrasen. «Das ist gar nicht so selten», sagt Lüscher. «Es kann Angst, Brustschmerz Angina Pectoris Das eingeschnürte Herz und Schwindel auslösen.» Wenn es häufiger zu solchen Anfällen kommt – möglicherweise verbunden mit Ohnmacht oder verminderter Leistungs­fähigkeit –, sollte man sie bei einer Kardiologin abklären lassen.

«Wichtig ist, festzustellen, ob das Herzrasen Ausdruck eines Vorhofflimmerns ist», sagt Lüscher. Dabei verliert der Sinusknoten wegen Herz-Kreislauf-Beschwerden oder an­derer Erkrankungen die Kontrolle über die Reizleitung. Es kommt zu einem schnellen, stark unregelmässigen Puls. 

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Anfangs findet das Herz spontan wieder zum normalen Rhythmus zurück. Wenn zu viel Zeit verstreicht, kann die Störung aber anhalten. Meist sind dann Medikamente, ein Kathetereingriff oder ein Elektroschock notwendig. «Ausserdem braucht es eine Blutverdünnung», sagt Lüscher. Sonst könne sich im Vorhof ein Gerinnsel bilden, das womöglich zum Hirnschlag führt.

Wie das Herz funktioniert

Die Blutpumpe wird elektrisch betrieben: Das Herz schlägt, weil spezialisierte Zellen im Sinus­knoten elektrische Impulse senden. Über ein Reiz-­leitungssystem werden sie an die Muskeln übertragen, die Vorhöfe ziehen sich zusammen. Diese Erregung wird verzögert auf die Kammern übertragen, die sich ­ebenfalls zusammenziehen. Durch Wiederholungen entsteht der Herzrhythmus. Elektrokardiogramme (EKGs) visualisieren die elektrischen Entladungen.

Grafische Darstellung, wie das Herz funktioniert.
Quelle: Schweizerische Herzstiftung, M. Schünke u.a.: «Prometheus: Innere Organe», Amboss.com – Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber
Grafische Darstellung, wie das Herz funktioniert.

Der Sinusknoten gibt den Takt an. Er sendet einen Impuls, der die Vorhöfe sich zusammenziehen lässt.

Quelle: Schweizerische Herzstiftung, M. Schünke u.a.: «Prometheus: Innere Organe», Amboss.com – Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber
Grafische Darstellung, wie das Herz funktioniert.

Der AV-Knoten bremst den Impuls kurz ab, damit sich die Kammern mit Blut füllen können.

Quelle: Schweizerische Herzstiftung, M. Schünke u.a.: «Prometheus: Innere Organe», Amboss.com – Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber
Grafische Darstellung, wie ein Herz funktioniert.

Die Erregung breitet sich in den Herzkammern aus. Sie ziehen sich zusammen. 

Quelle: Schweizerische Herzstiftung, M. Schünke u.a.: «Prometheus: Innere Organe», Amboss.com – Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber
Grafische Darstellung, wie das Herz funktioniert.

Wenn die Erregung ­abflaut, entspannen sich die Herzkammern wieder.

Quelle: Schweizerische Herzstiftung, M. Schünke u.a.: «Prometheus: Innere Organe», Amboss.com – Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber

Herzstolpern

  • Symptome: Einzelne Herzschläge machen sich plötzlich als gut wahrnehmbares Pochen bemerkbar. Oft tritt ein Schlag ­allein auf, manchmal sind es mehrere.
  • Ursache: Der Herzmuskel wird zu einem zusätzlichen Schlag gereizt (sogenannte Extrasystole). Bis zum nächsten regulären Schlag kommt es zu einer Verzögerung, der Herzmuskel füllt sich mit mehr Blut als üblich und stösst auch mehr aus – ­dadurch wird der Stolperer bemerkbar. Auslöser können Stress, Übermüdung, Kaliummangel, Medikamente, zu viel Kaffee, Tee oder Cola, Herzkrankheiten oder Fehler im Erregungsleitungssystem sein.
  • Wann zum Arzt? Bei gesundem Herzen sind einzelne Extrasystolen in der Regel harmlos; wenn bereits Herzschwäche, ­Infarkt oder Herzmuskelentzündung vorliegen, ist unbedingt eine kardiologische Abklärung nötig.
  • Therapiemöglichkeiten: Ein Langzeit-­EKG (24 Stunden) erfasst die Extrasystolen. Wenn es mehr als 10000 sind oder sie die Lebensqualität beeinträchtigen, helfen Betablocker oder kaliumreiche Ernährung. Fehlerhafte Stellen im Reiz­leitungssystem können per Herzkatheter verödet werden.
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Herzrasen

  • Symptome: Das Herz schlägt – auch im Ruhezustand – viel schneller als üblich (mehr als 100 Schläge pro Minute). Das Rasen dauert Stunden, der Rhythmus stellt sich von allein wieder ein.
  • Ursache: Körperliche Anstrengung oder psychischer Stress regen das Herz an und fordern mehr Leistung. Auslöser können Angst, Ärger, Freude, Kaffee, Alkohol, Fieber, Hitze, Medikamente oder ein ­angeborener Fehler im Erregungs­leitungssystem sein. 
  • Wann zum Arzt? Wenn Herzrasen ohne Grund häufiger und anfallartig vorkommt oder wenn es die Lebensqualität stört und es etwa zu einer Ohnmacht führt: rasch abklären lassen, denn es kann ein Hinweis auf Vorhofflimmern sein.
  • Therapiemöglichkeiten: Beim Anfall ­kaltes Wasser trinken; Betablocker; ­fehlerhafte Stellen im Reizleitungssystem können per Herzkatheter verödet werden (Erfolgsrate 95 Prozent).

Vorhofflimmern

  • Symptome: Unregelmässiger Puls, in ­einem Drittel der Fälle auch Herzrasen, anfallartig auch bei Ruhe. Leistungsschwäche, Engegefühl über der Brust, Druckgefühl, Luftknappheit. Der Herzschlag ist ständig fühlbar. Das dauert Stunden bis einige Tage an, der Rhythmus kommt anfangs von allein wieder. Wenn das Flimmern unbehandelt bleibt, wird es chronisch.
  • Ursache: Der Rhythmus der Vorhöfe kommt aus dem Takt, der Sinusknoten verliert die Kontrolle. Das Herz kann ­weniger leisten. Auslöser können Bluthochdruck, Herzklappenfehler, Herz­insuffizienz, Arteriosklerose oder hohes Alter sein.
  • Wann zum Arzt? Bei Verdacht auf un­regelmässigen Herzschlag, bei häufigem Herzrasen und bei Leistungseinbussen muss möglichst rasch die Ursache geklärt werden. Auf die Dauer droht ein Hirnschlag, weil sich Gerinnsel bilden können.
  • Therapiemöglichkeiten: Blutverdünnung und Betablocker, Elektroschock zur ­Wiederherstellung des Rhythmus, fehlerhafte Stellen im Reizleitungssystem ­können verödet werden (Erfolgsrate 70 bis 90 Prozent).
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Herzprobleme: Smartwatch und Smartphone helfen beim Erkennen

Der optische Sensor auf der Unterseite der Apple Watch erkennt Herzrasen (hoher Herzschlag trotz Ruhephase) und Vorhofflimmern mit hoher Trefferquote, ergab eine Studie der Universität Stanford. Modelle ab der vierten Generation verfügen sogar über ein EKG. 

Für Smartwatches mit Wear OS von Google wurden ähn­liche Apps erfolgreich getestet, sind aber noch nicht erhältlich.

Für Smartphones Apps fürs Herz Was Smartphone & Co. als Pulsmesser taugen gibt es die als Medizinprodukt zertifizierte App «Preventicus»; sie erkennt Extraschläge und Vorhofflimmern ziemlich zuverlässig. In der Gratisversion wird nur eine Minute lang gemessen und ausgewertet, die Kaufversion (rund sechs Franken pro ­Monat) bietet mehr.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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