Christian Braegger hat eine klare Meinung zur Säuglingsnahrung: «Im ersten Lebensjahr sollen weder Salz noch Zucker zugefügt werden.» Braegger weiss sehr gut, wovon er spricht, er ist Präsident der Ernährungskommis­sion der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und Leiter der Abteilung für Gastro­enterologie und Ernährung am Kinderspital Zürich. Selbstverständlich, dass dort für die ganz Kleinen ohne Salz und Zucker gekocht wird.

Doch was für Experten selbstverständlich ist, scheint die Hersteller von Säuglingsnahrung wenig zu kümmern. Wer durch die entsprechenden Regale streift, wird schnell fündig: ein Instant-Fencheltee, der zu 94,8 Prozent aus Zucker besteht; Reiswaffeln für Babys, die im Gegensatz zu jenen für Erwachsene mit Zucker versetzt sind; der Erdbeer-Joghurt-Pudding «Jogolino», der drei Würfelzucker pro Portion und damit mehr als die Hälfte der empfohlenen täglichen Maximalmenge für Kinder ab einem Jahr enthält, von Produzent Nestlé aber schon ab sechs Monaten empfohlen wird.

Dabei lassen sich die Hersteller allerlei einfallen, um die Zuckerbomben weniger gefährlich aussehen zu lassen. Der Fencheltee etwa preist sich an mit dem Versprechen, keinen Kristallzucker zu enthalten. Das stimmt, doch hinter dem in der Zutatenliste aufgeführten Hauptbestandteil Dex­trose versteckt sich Trauben­zucker. Und der ist genauso schädlich für Zähne und Figur wie normaler Zucker. Empfohlen wird das zuckrige Gebräu bereits ab der ersten Lebenswoche. Fencheltee im Teebeutel ist nicht nur billiger, sondern garantiert zuckerfrei.

Geprägt fürs ganze Leben?

Auch wer Bioware kauft, ist vor Zucker in Babys Nahrung nicht gefeit. Zwar werben die Hersteller mit alternativen Süssstoffen wie Agavendicksaft und Reis­sirup, doch auch die be­stehen zu grössten Teilen aus Trauben- und Fruchtzucker.

Insbesondere bei Frucht­zucker ist Vorsicht geboten, wenn er künstlich zugesetzt wurde: Industriell hergestellte Fructose steht im Verdacht, noch schneller dick zu machen als herkömmlicher Zucker.

Zucker in frühester Kindheit führt ausserdem zu einer Geschmacksprägung und kann Wegbereiter späterer Fettleibigkeit sein. So hat eine Studie mit 200 Kindern gezeigt, dass Säuglinge, die in den ersten Monaten gesüsstes Wasser zu trinken bekamen, mit sechs Monaten eine grössere Vorliebe für Süssgetränke hatten als Kinder, die nur Wasser bekommen hatten. Auf zusätzlichen Zucker in ­Babynahrung zu verzichten ist also im Hinblick auf das ganze spätere Leben sinnvoll.