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Nutri-ScoreDie Nährwert-Ampel setzt sich durch

Der Bund spricht sich für das Ampelsystem Nutri-Score als Kennzeichnung für Lebensmittel aus. Auch Migros, Coop und Nestlé zeigen sich erstmals gesprächsbereit.

Die Nutri-Score-Ampel zeigt an, ob ein Produkt eher gesund ist und viele Nährwerte enthält oder nicht.
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aktualisiert am 26. April 2019

Die Stiftung Konsumentenschutz nennt es einen «ersten, wichtigen Schritt, Lebensmittel in der Schweiz künftig mit einer einheitlichen Gesundheits-Ampel zu kennzeichnen»: Erstmals haben sich Ende April Detailhändler und Lebensmittelhersteller mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit getroffen, um über das Ampelsystem Nutri-Score zu diskutieren. Dieses zeigt mittels der Buchstaben A bis E und einer Farbskala an, ob ein Produkt ausgewogen und gesund ist oder eher nicht. Im Unterschied zu anderen Labels gibt der Nutri-Score nicht den Zucker- oder Fettgehalt an, sondern die Nährwertqualität insgesamt.

Am «runden Tisch» vertreten waren unter anderem Migros, Coop und Lidl, Nestlé, Emmi und Danone sowie Gesundheits- und Konsumentenschutzorganisationen. Der Bund machte dabei klar, dass er Gesundheitslabel für Lebensmittel grundsätzlich begrüsst. Und auch, dass dass er dafür das Nutri-Score-System aus Frankreich favorisiert. Konkret beschlossen habe man zwar nichts, betonen alle Beteiligten des runden Tischs. Es soll jedoch ein zweites Treffen stattfinden, an dem das Bundesamt zusammen mit Detailhändlern und Lebensmittelherstellern das weitere Vorgehen in Zusammenhang mit dem Nutri-Score bespricht.

Schmilzt der Widerstand von Migros und Coop?

Sowohl die Grossverteiler Migros und Coop wie auch die Lebensmittelindustrie haben sich bisher mehrheitlich gegen die Einführung solcher Gesundheits-Labels ausgesprochen – oder selber solche entwickelt, die mehr verschleiert als informiert hätten Lebensmittel Aus für den Ampeltrick der Industrie . Nun geraten sie aber zunehmend unter Druck. Nicht nur bekennt sich der Bund erstmals klar in dieser Sache. Vor allem hat der französische Lebensmittelhersteller Danone Anfang März bereits Tatsachen geschaffen und versieht auch in der Schweiz einen Teil seiner Marken mit dem Nutri-Score.

Zwar wehren sich Migros und Coop gegen die Darstellung, sie hätten ihren Widerstand gegen Gesundheitslabel aufgegeben, und halten an ihrer Kritik am Nutri-Score fest.

So schreibt die IG Detailhandel auf Nachfrage im Namen der beiden Grossverteiler: «Lebensmittel sind grundsätzlich nicht gut oder schlecht. Für eine ausgewogene Ernährung ist die gesamte Lebensmittelwahl zu berücksichtigen – das Mass ist entscheidend. Solche Leitsysteme nehmen keine Rücksicht auf die individuellen Ernährungsbedürfnisse der Konsumenten, berücksichtigen die konsumierten Mengen nicht und beurteilen Lebensmittel als Ganzes und an Hand eines Bewertungsschemas.»

Und die Föderation der schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (FIAL), der unter anderem Nestlé und Emmi angeschlossen sind, verweist auf einen Entscheid des Landgerichts Hamburg: Dieses hat Hersteller Iglo in Deutschland vorläufig verboten, seine Produkte mit dem Nutri-Score zu versehen – weil das Ampelsystem gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstosse.

Zudem sei man in Deutschland dran, ein neues Kennzeichnungs-System zu entwickeln, schreibt die FIAL. «In einer solchen Situation ist es das Klügste, vorerst zuzuwarten statt in Aktionismus zu verfallen und sich verfrüht für oder gegen ein bestimmtes Modell auszusprechen.»
 

«Wichtig ist, dass man sich auf ein Label einigt, damit die Konsumenten nicht verwirrt werden.»

Sara Stalder, Stiftung für Konsumentenschutz


Nichtdestotrotz ist Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz zuversichtlich, dass der Nutri-Score sich in der Schweiz durchsetzen wird. Am runden Tisch hätten Danone und andere ausländische Lebensmittelhersteller aufgezeigt, dass die Konsumenten positiv auf die Ampel reagierten. Andere Hersteller würden darum dem Beispiel folgen.

Auf Produkten in Schweizer Läden findet man zurzeit mindestens drei verschiedene Gesundheits-Label. Stalder betont deshalb: «Wichtig ist, dass man sich auf ein Label einigt, damit die Konsumenten nicht verwirrt werden. Dagegen hat es am runden Tisch keine Opposition gegeben.» 

Bundesrat pocht auf Freiwilligkeit

Akzeptieren müssen die Konsumentenschützer wohl, dass die Einführung einer solchen Kennzeichnung freiwillig bleibt. Der Bundesrat hat im März auf eine entsprechende Frage aus dem Parlament klargestellt: Die Ernährungsstrategie des Bundes beruhe auf einer «freiwilligen Zusammenarbeit mit der Lebensmittelwirtschaft».

Das Verwirrspiel mit den Labels

Warnfarben auf Verpackungen sollen den Konsumenten sagen, wie gesund ein Produkt ist. In den Schweizer Regalen sind zurzeit drei verschiedene Labels zu finden. Am Beispiel von Kinder-Schokolade zeigt sich, wie unterschiedlich sie Inhaltsstoffe kennzeichnen.

Die britische Ampel

Britische Ampel
Wenn ein Produkt sehr viel von einem Bestandteil enthält, springt die Ampel auf rot – unabhängig von der Portionengrösse. Basis ist die empfohlene Tagesdosis für eine erwachsene Person. Zu finden etwa auf Weetabix-Müesli.
Quelle: Screenshot

Die Industrie-Ampel

Industrie Ampel
Wie die britische Ampel – nur springt die Industrie-Ampel viel seltener auf Rot. Denn je kleiner die Portion, desto ungesünder darf sie sein. Die Ampel wird aufgrund der grossen Kritik nun doch nur auf Getränken angebracht. Zu finden etwa auf Coca-Cola.
Quelle: Screenshot

Der Nutri-Score

Ampelsystem Nutri-Score
Der französische Nutri-Score zeigt die Nährwertqualität auf einer Skala von A bis E an. Viel Zucker oder Fett gibt Minuspunkte, Ballaststoffe oder Proteine geben ein Plus. Die Portionengrösse spielt keine Rolle. Zu finden zum Beispiel auf Danone-Produkten.
Quelle: Screenshot

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