Erziehungstrends gibts wie Sand am Meer. Dieser überzeugt aber wirklich: «Lazy Parenting» (deutsch: faule Erziehung) – kein Wunder, tönt irgendwie total entspannt... für die Eltern. Aber was haben die Kinder davon, wenn ihre Eltern sie «faul» erziehen? Jede Menge!

Was mit «Lazy Parenting» gemeint ist

Viele Eltern kleiner Kinder kommen im Familienalltag zu gar nichts. Sie sind von früh morgens bis nach dem Abendessen damit beschäftigt, Apfelschnitze zu schneiden, Schuhe zu binden, Socken wegzuräumen, beim Legoturm zu helfen, den Schulsack zu packen, das Kind aufzufangen, bevor es auf die Nase fällt und dann auch noch sein Gekritzel über alle Massen zu loben... dem Kind soll es schliesslich gut gehen, es soll sich unterstützt und gefördert fühlen, sich prächtig entwickeln können und bitte über keine Hürde stolpern.

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Geht es euch auch so? Dann seid ihr eventuell Helikopter- oder Rasenmähereltern. Das komplette Gegenteil von «Lazy Parents».

Der Erziehungstrend ist allerdings nicht unbedingt das, wonach er sich anhört. «Lazy Parenting» kann durchaus anstrengend sein. Denn es geht in erster Linie darum, dem Kind nicht alles abzunehmen, sondern es selber machen zu lassen. Man nimmt sich als Mutter oder Vater achtsam einen Schritt zurück, um dem Kind die Möglichkeit zu bieten, sich Dinge selber zu erarbeiten, etwas auf eigene Faust zu schaffen. Man nimmt also ganz bewusst Ineffizienz in Kauf und akzeptiert, dass auch mal was in die Hose gehen kann.

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So profitieren Kinder von «faulen» Eltern

Wieso das Ganze? Weil die kindliche Entwicklung auf vielen Ebenen davon profitiert. Das passiert, wenn ihr eure Kinder «faul» erzieht:

Es geht darum, dem Kind ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Wenn man ein Kind ausprobieren, scheitern, neu probieren lässt statt es sofort aus jeder Situation zu retten, kann es sich optimal entwickeln. So lernt es, Verantwortung zu übernehmen, unabhängig zu sein und auf sich selbst zu vertrauen. Dies sind wichtige Faktoren für Resilienz und Glück – auch im späteren Erwachsenenleben.

Neue Fähigkeiten erlernt man nicht, indem sie einem abgenommen werden, sondern durch Übung. Deswegen prangern auch viele Expertinnen und Experten sogenannte Helikopter- oder Rasenmähereltern an, die ihren Kindern jede Hürde aus dem Weg räumen: Diese Elterntypen verwehren ihren Kindern mit überprotektivem Verhalten die Möglichkeit, sich grundlegende Lebenskompetenzen zu erarbeiten. Später kann dies sogar dazu führen, dass die Kinder sich selbst als unfähig wahrnehmen und weder Motivation noch Mut aufbringen, Probleme selber zu lösen. Dies kann Angstzustände fördern, die ein Leben lang anhalten.

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So werdet ihr zu «Lazy Parents»

Wie gesagt, mit Zurücklehnen hat «Lazy Parenting» wenig zu tun. Es ist eine Erziehungsform, die man aktiv gestalten kann und als Eltern auch aushalten muss. Hier zwei Beispiele, wie ihr in eurem Familienalltag zu «faulen Eltern» werdet:

  1. Entdeckungs-Raum einrichten: Kreiert einen Ort, an dem euer Kind frei ausprobieren darf, was immer es möchte. Farben mischen, basteln, bauen, erkunden. Es kann ein ganzes Zimmer sein, eine Ecke im Garten oder auch einfach eine Kiste, in der Experimentiert werden darf. Ein fest abgesteckter Rahmen für die kindliche Entdeckungsreise hilft, das Chaos in Grenzen zu halten.
  2. Konsequenzen aushalten: Damit das Kind einen Lerneffekt erlebt, müssen Eltern aushalten, dass es mit den natürlichen Konsequenzen seines Tuns konfrontiert wird. Ein alltägliches Beispiel dafür ist der Schulrucksack. Das Kind kann diesen selber packen. Wenn es etwas vergisst, geht die Welt nicht unter. Es wird daraus lernen. Vielleicht auch ein zweites oder drittes Mal. Aber irgendwann wird es eine Strategie und Routine entwickeln, um alles dabei zu haben, was vonnöten ist.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf Schweizer-illustrierte.ch erschienen. 

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