«Wir müssen reden» – das gilt für viele Eltern neu wörtlich
Bei einer Scheidung leiden oft die Kleinsten. Immer mehr Kantone setzen auf eine Pflichtberatung. Was das bringt und drei Tipps, wie Sie als Eltern Konflikte selbst entschärfen können.

Veröffentlicht am 11. November 2025 - 17:23 Uhr

Eine angeordnete Elternberatung soll helfen, im Trennungsfall gemeinsame Lösungen zu finden.
Basel-Stadt und St. Gallen machen es seit dem Jahr 2010 vor: Wenn sich das scheidende Paar bei der ersten gerichtlichen Anhörung uneinig ist, kann das Zivilgericht eine Elternberatung anordnen. Bei unverheirateten Paaren ist es die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb).
In Basel-Stadt werden die Eltern dann zum Kinder- und Jugendschutzdienst oder in eine Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie geschickt, wo sie kostenlos beraten werden. Je nachdem, wie alt das Kind ist, wird es ebenfalls mit einbezogen. Bestenfalls kommt es dann zu einer schriftlichen Einigung, ansonsten muss das Gericht bei der zweiten Anhörung – oder die Kesb – über die noch strittigen Punkte entscheiden.
Die Kantone Waadt, Bern, Freiburg, Genf und Wallis ziehen nun mit Pilotprojekten nach. Die kostenlose Beratung durch Fachpersonen ist zu begrüssen, da sie fundierter ist als ein blosser Gerichtsentscheid. Sie hat aber auch Grenzen: Wenn häusliche Gewalt, Drogenkonsum oder psychische Erkrankungen im Spiel sind, ist eine Mediation nicht geeignet.
Was Eltern sonst noch tun können, damit die Trennung für die Kinder etwas weniger schmerzvoll ist.
Wichtig: Kommunikation
Kinder spüren schon im jungen Alter, wenn etwas nicht stimmt. Umso wichtiger ist es, ihnen klarzumachen, dass man sich trennt und was das bedeutet. Über Streit oder Trennungsgründe sollte man mit dem Kind nicht diskutieren, sondern ihm versichern, dass beide Elternteile weiterhin da sind und es nichts mit ihm zu tun hat. Auch dass Mama oder Papa ausziehen wird, sollte vorgängig mitgeteilt werden.
Eigene Probleme beiseiteschieben
Was auch immer zur Trennung geführt hat: Das Kind sollte nicht an lautstarken Diskussionen, Anschuldigungen oder Streitereien teilhaben. Konflikte besprechen die Eltern untereinander, ohne Kind. So sollen die Eltern auch Übergaben möglichst harmonisch gestalten und in diesen Momenten negative Gefühle oder Frust im Interesse des Kindes beiseiteschieben.
Hilfe holen
Wenn die Eltern nicht an einem Strang ziehen können, sollten sie sich professionell beraten lassen. Es gibt verschiedene Angebote wie etwa eine Mediation durch kantonale Familienberatungsstellen, eine kostenlose Erstberatung bei Pro Juventute, Konfliktcoachings, Psychotherapien oder rechtliche Beratung.
Ausführliche Tipps von Heiner Krabbe, Psychologe und Experte auf dem Gebiet von Kindern in Konflikten, lesen Sie in diesem Beobachter-Artikel.
Beobachter-Mitglieder können sich im Beratungszentrum zu rechtlichen Fragen über die Linie «Familienrecht» beraten lassen. Und über die Linie «Sozialberatung» können sie Tipps einholen, wie man selber mit der belastenden Situation umgehen oder wie man den Kindern beistehen kann. Für Nichtmitglieder gibt es für 60 Franken eine Scheidungsberatung im Beratungszentrum.
- Eidgenössische Kommission für Familienfragen (EKFF): Informationsnotiz «Angeordnete oder freiwillige Elternberatung bei Trennung und Scheidung in der Schweiz»
- Elternberatung: Pro Juventute (kostenlos), Elternnotruf (kostenlos), Schweizerischer Fachverband Mütter- und Väterberatung