«Liebe wunderbare Eltern, wo seid ihr? Ich bin der wunderschöne Jackson vom Strand. Ich kann es nicht erwarten, bis ich endlich bei euch bin und wir gemeinsam spielen und üben und schmusen.»

Es sind Sätze wie diese, die Schweizer Tierfreundinnen und Tierfreunden das Herz erweichen sollen. Wenn Organisationen wie «Hilf dem Tier», Stray Paws oder Home4dogs auf Online-Marktplätzen ihre Aufrufe platzieren, soll kein Auge trocken bleiben.

Die Tierschutzorganisationen verfolgen hehre Ziele. In vielen Ländern in Süd- und Osteuropa leben Zehntausende Hunde wild auf der Strasse. Angesichts der herrenlosen Massen kommt für die Behörden oft nur das Einfangen und letztlich das Töten in Frage. Bilder aus Sammelstationen zeigen unterernährte, verwahrloste Hunde, die sich in viel zu engen Käfigen drängen, dazwischen gelegentlich auch tote Tiere. Kein schöner Anblick.

«Oft schwierige Hunde»

Viele Organisationen holen deshalb diese Hunde und vermitteln sie in der Schweiz an Halterinnen und Halter. «Tierschutz darf nicht an der Grenze haltmachen», sagt etwa Corinne Brunner, Co-Präsi­dentin von «Hilf dem Tier». Es stimme einfach nicht, dass Schweizer Tierheime Hunde Sollen Streuner in die Schweiz? voll von Hunden seien, die nicht platziert werden können. «Das sind oft schwierige Hunde, die kaum zu vermitteln sind. Unsere Hunde nehmen keinem Schweizer Hund den Platz weg.»

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat ein ge­spaltenes Verhältnis zu solchen Tierrettungsaktionen. Die Aktivitäten der Organisationen seien «nicht immer nachvollziehbar, und es dürfte darunter verschiedentlich auch schwarze Schafe geben», schreibt der STS in einem Report.

Deutlicher wird der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche: «Gemäss unseren Erfahrungen steht für viele dieser Organisationen nicht wirklich das Tierwohl im Vordergrund, sondern der Profit, der sich mit der Vermittlung solcher ‹bedürftiger› Hunde erzielen lässt.» Ausserdem verschöben diese Organisationen häufig nur Hunde aus anderen EU-Staaten und seien oft gar nicht bewilligt.

Der Trick: Übergabe vor der Grenze

In den Inseraten finden sich immer wieder Hinweise auf fragwürdige Praktiken. So bietet etwa die französische Organisation Aresp auf Schweizer Online-Marktplätzen Dutzende Hunde aus Spanien an – die Übergabe soll in Frankreich erfolgen, nahe der Schweizer Grenze. So wird das Tier privat in die Schweiz eingeführt, und die Organisation kann sich eine Bewilligung für den gewerbsmässigen Handel sparen. Ob die neuen Besitzer geeignet sind Hundehaltung Tipps für die Anschaffung eines Hundes , ist bei Aresp – anders als bei sogenannt seriösen Tierrettungsorganisationen – kein Thema.

Tierärztinnen und Tierärzte beobachten die Entwicklung mit Sorge. «Wir sehen bei solchen Tieren immer wieder Infektionskrankheiten, die in der Schweiz sehr selten vorkommen, etwa Staupe oder Leishmaniose», sagt Barbara Willi, Oberärztin für innere Medizin an der Vet­suisse-Fakultät in Zürich. Importierte Hunde müssten deshalb zwingend auf die sogenannten Reisekrankheiten Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose und Dirofilariose getestet sein. Zudem sollten nur gut geimpfte Hunde adoptiert werden, und eine korrekte Tollwutimpfung ist für den Import obligatorisch.

Unter Fachleuten ist unbestritten, was gegen das Elend der Strassenhunde zu tun ist: einfangen, kastrieren und wieder freilassen. Die nicht mehr fortpflanzungsfähigen Hunde erfüllen so eine wichtige Funktion als «Platzhalter». Sie halten nicht kastrierte Hunde fern – und reduzieren so die Population.

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