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PubertätWie sollen Eltern mit ihren Teenagern umgehen?

Die Pubertät kann das Familienleben ganz schön auf den Kopf stellen. Wie Sie in dieser Zeit die Nerven bewahren, zeigen unsere Tipps.

Für Jugendliche gibt es nichts Schlimmeres, als wenn Eltern versuchen, ihre besten Freunde zu sein.
von aktualisiert am 18. Januar 2018

Viele Eltern fürchten sich vor der Zeit, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen. Sie kennen Horrorgeschichten über trotzige Jugendliche. Oder haben bei Freunden erlebt, wie Teenies türenschlagend im Zimmer verschwinden. Aber längst nicht alle Jugendlichen rebellieren auf Teufel komm raus. Im Gegenteil: Bei vielen verläuft diese Zeit in mehr oder weniger geordneten Bahnen.

Doch egal, wie die Pubertät ausfällt: Sie verändert das Familienleben. Die Heranwachsenden beginnen, sich von den Eltern abzunabeln. Das ist für beide Seiten nicht einfach. Die Jugendlichen fordern Unabhängigkeit und stellen die Ansichten und Werte der Eltern gnadenlos in Frage. Trotzdem brauchen sie weiterhin Unterstützung.

Zehn Tipps für ein besseres Zusammenleben in solchen Zeiten.

1. Bewahren Sie die Ruhe

Pubertierende durchleben eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt, Hirn und Hormone scheinen verrücktzuspielen. Lassen Sie sich von den Schwankungen weder mitziehen noch provozieren. Sie gehören zur normalen Entwicklung der Heranwachsenden. Geben Sie Ihrem ersten Impuls nicht sofort nach, zählen Sie innerlich bis zehn, bevor Sie reagieren.

Natürlich müssen Sie es nicht akzeptieren, wenn der Nachwuchs Sie beschimpft. Es ist aber sinnvoller, das Ganze in einem ruhigen Moment mit ihm zu besprechen.

2. Glauben Sie an Ihr Kind

Auch wenn es mal nicht so gut läuft: Geben Sie dem Teenager immer das Gefühl, dass Sie an ihn glauben. Ein paar schlechte Noten bedeuten nicht gleich, dass er die Schule oder die Lehre nicht schafft. Es ist auch kein Weltuntergang, wenn er ein Schuljahr wiederholen muss. Gerade in solchen Situationen braucht das Kind Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen. Vermitteln Sie ihm, dass Sie es vorbehaltlos lieben – unabhängig von Fehlern, Leistungen oder seinem Verhalten.

3. Achten Sie die Privatsphäre

Gehen Sie nicht einfach ins Zimmer des Jugendlichen, sondern klopfen Sie an und warten Sie, bis er Sie hereinbittet. Handy, Mails, Briefe, Tagebuch und so weiter sind für Sie tabu. Kehren Sie absolut nie von diesem Gebot ab. Selbst dann nicht, wenn Sie befürchten, dass der Teenager Schulprobleme hat, dass es ihm psychisch schlecht geht oder dass er Drogen nimmt. Ihr Kind wird das Kontrollieren des Handys als unverzeihlichen Vertrauensbruch betrachten und Ihre Hilfe ablehnen. Sprechen Sie Ihre Sorgen stattdessen in einem ruhigen Moment an.

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Woran erkennen Eltern, dass ihre Tochter oder ihr Sohn Drogen nimmt und wie reagiert man darauf richtig, ohne dass die Beziehung Eltern-Kind noch weiter belastet wird? Mitglieder von Guider erfahren im Merkblatt «Suchtverhalten und andere Grenzüberschreitungen», wie sie als Eltern handeln können.

4. Akzeptieren Sie Freunde

Im Teenageralter verschieben sich Freundschaften oft. Alte Beziehungen lösen sich auf, neue entstehen. Trauern Sie den früheren Freunden des Jugendlichen nicht nach und akzeptieren Sie die neuen. Sie sind für Teenager sehr wichtig. Indem Sie zeigen, dass Sie seine Freunde mögen, signalisieren Sie ihm, dass Sie seinen Entscheidungen vertrauen.

Noch wichtiger ist es, die erste Liebe des Heranwachsenden zu akzeptieren. Freuen Sie sich mit ihm, dass er die Liebe kennenlernen darf.

5. Bleiben Sie kompromissbereit

Jugendliche hinterfragen alles und loten Grenzen gnadenlos aus. Jetzt müssen Sie die Regeln der Kindheit dem Teenageralter anpassen. Beziehen Sie den Nachwuchs in diesen Prozess mit ein, handeln Sie gemeinsam aus, was gilt. Bleiben Sie dabei selbstkritisch und fragen Sie sich, welche Regeln Ihnen wirklich wichtig sind und warum. Suchen Sie nach Kompromissen, statt Ihre Vorstellungen ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen. So halten sich die Jugendlichen auch eher an die Regeln.

6. Nehmen Sie nichts persönlich

Grämen Sie sich nicht, wenn Ihnen der Sohn oder die Tochter nicht mehr alles erzählt und die Freizeit lieber mit Gleichaltrigen verbringt. Jugendliche müssen sich von den Eltern lösen. Doch über ernste Themen und Sorgen sprechen sie oft immer noch am liebsten mit ihnen. Seien Sie also für Ihr Kind da, wenn es reden will. Auch wenn das Gespräch nachts um halb elf stattfindet.

7. Hören Sie zu

Es ist nicht einfach, ein Gespräch mit Pubertierenden in Gang zu bringen. Sie haben schnell das Gefühl, man frage sie aus, und reagieren einsilbig. Für viele Jugendliche ist zudem eine Diskussion vis-à-vis am Tisch unangenehm. Suchen Sie nach Alternativen. Offene Fragen («Wie war dein Tag heute?») ermöglichen eher ein Gespräch. Aktives Nachfragen («Möchtest du mehr darüber erzählen?») animiert zum Weiterreden. Akzeptieren Sie es aber, wenn der Teenie zu einem Thema lieber schweigt. Vielleicht sucht er später das Gespräch. Präsentieren Sie nicht zu schnell eigene Lösungen, sondern hören Sie erst mal zu, was Ihr Kind zu sagen hat.

8. Versuchen Sie nicht, der Freund Ihres Kindes zu sein

Gibt es etwas Peinlicheres als Eltern, die so sein wollen wie ihre Kinder? Dieselben Klamotten tragen, in dieselben Clubs gehen und nach dem Motto leben «Die Jugend vergeht nie»? Wohl kaum. Eltern sollten ein Vorbild sein, klare Haltungen vertreten und Grenzen setzen, wenn es nötig ist. Sie können nicht zugleich der Freund Ihres Kindes sein.

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Merkblatt «Freiraum und Grenzen in der Pubertät» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Die Pubertät ist nicht nur für Teenager, sondern auch für die Eltern eine Zeit der Umbruchphase. Mitglieder von Guider erfahren im Merkblatt «Freiraum und Grenzen in der Pubertät», wie sie als Eltern in Konfliktsituationen reagieren oder was sie tun können, damit Regeln besser eingehalten werden.

9. Versuchen Sie nicht, Ihre Erfahrungen weiterzugeben

Eltern möchten ihre Kinder vor unschönen Erlebnissen schützen. Aber sie können – und sollen – Erfahrungen nicht weitergeben. Die Heranwachsenden haben das Recht, eigene zu machen. Und sie dürfen auch mal scheitern. Je älter sie werden, desto wichtiger ist es, dass sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen und eigene Entscheidungen treffen. Die dürfen auch falsch sein. Wie sollen sie sonst lernen, wie man entscheidet?

Werfen Sie dem Jugendlichen die in Ihren Augen falsche Entscheidung später nicht vor. Der Spruch «Ich habe ja immer gesagt, dass das eine schlechte Idee ist» trägt nicht zu einem guten Zusammenleben bei.

10. Denken Sie daran: Teenie-Krisen sind keine Eltern-Krisen

Die Pubertät der Kinder fällt oft zusammen mit schwierigen Phasen der Eltern, die mit Wechseljahren und Midlife-Crisis kämpfen. Da ist die Gefahr gross, sich als Paar aus den Augen zu verlieren.

Hinzu kommt, dass Jugendliche Meister darin sind, die Eltern gegeneinander auszuspielen. Sprechen Sie sich also untereinander ab und lassen Sie sich nicht vom Teenager manipulieren.

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