«Ich schaffe das nicht» oder «Alle anderen mögen mich nicht Umgang mit Enttäuschung Schmerzhaftes Nein »: Viele Eltern haben von ihren Kindern schon solche oder ähnliche Sätze gehört. Gerade bei Übergängen wie dem Eintritt in den Kindergarten oder die Schule, vor grossen Prüfungen oder wenn es um die Lehrstellensuche geht, fallen sie besonders häufig. Oft wissen Eltern auch keinen Rat und flüchten sich in aufmunternde Worte wie «Du schaffst das schon» oder «Morgen ist ein neuer Tag, da wird sich euer Streit bestimmt gelegt haben».

Diese gut gemeinte Beschwichtigung helfe dem Kind aber nicht, sagt Susanne Walitza, Direktorin der Zürcher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie (KJPP). Sie sind eher Ausdruck dafür, dass sich die Erwachsenen selbst hilflos fühlen. Dem Kind bringe es viel mehr, wenn man ein ehrliches Interesse an seinen Themen zeige und sich Zeit für ein Gespräch nehme. Dabei soll das Kind nicht nur positive, sondern auch negative Gefühle zeigen dürfen. «Wenn das Kind mit seiner ganzen Persönlichkeit akzeptiert wird und Wertschätzung erfährt, gewinnt es Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten.»

Lösungsstrategien entwickeln

Eine positive Selbstwahrnehmung und das Bewusstsein, dass man selbst etwas bewirken kann, seien wichtige Faktoren beim Bewältigen von Stress und Problemen, sagt Walitza. Mit der Zeit lernen Kinder, Lösungsstrategien zu entwickeln . Je jünger sie sind, desto weniger sind sie aber in der Lage, Emotionen selbst zu regulieren. Es braucht die Eltern als Unterstützung. «Sie sind beim Bewältigen von schwierigen Situationen das wichtigste Vorbild.»

Ähnlich sieht es Jürg Frick, Psychologe und Autor mehrerer Bücher zu Erziehungs- und Resilienzthemen. «Das ganze Leben ist ein Problem – entscheidend ist, welchen Umgang damit die Kinder vorgelebt bekommen.» Man könne nicht dem Kind predigen, es solle nicht so aufbrausend reagieren Wut Vorsicht, Explosionsgefahr! , und selber bei jeder Gelegenheit losschimpfen. «Eltern müssen aber nicht perfekt sein», sagt Walitza. «Viel wichtiger ist die Bereitschaft, dazuzulernen. So vermitteln sie Kindern, wie sie mit Fehlern umgehen können

Frick plädiert dafür, den Kindern auch Misserfolge zuzumuten – natürlich in beschränktem Rahmen. «Kinder müssen lernen, Probleme in Teilschritte zu zerlegen, sie selbst zu lösen, soweit sie das können, und dann Hilfe zu holen, wenn sie nötig ist.» Das können sie nur, wenn man ihnen nicht alle Hürden aus dem Weg räumt. «Kleine Kinder wollen alles selber machen. Wenn man ihnen immer alles abnimmt, ist das schlecht für den Erwerb von Resilienzfähigkeiten», sagt Frick.

Das Kind auf schwierige Situationen vorbereiten

Der Psychologe erzählt ein Beispiel aus seiner Praxistätigkeit. Eine Mutter trug ihrem neunjährigen Sohn stets Schulbücher oder Hausaufgaben in die Schule nach, wenn er sie vergessen hatte, damit er die Schelte der Lehrerin nicht ertragen musste. Doch Kinder müssten lernen, auch Unangenehmes auszuhalten, so Frick. «Man darf Kindern nicht den Glauben geben, das Leben sei nur einfach.»

Dem Kind hilft es mehr, wenn man es auf schwierige Situationen vorbereitet:

  • Was ärgert das Kind am Gspänli, mit dem es immer wieder streitet?
  • Wie könnte es reagieren, damit der Streit nicht eskaliert?

«Mit einem solchen Gespräch stärken die Eltern das Selbstbewusstsein des Kindes Selbstbewusstsein «Ich zweifle sofort an mir» . Denn es lernt, dass es Schwierigkeiten überwinden kann», sagt Frick. So gewappnet, tritt das Kind dem Problem viel ruhiger entgegen – und häufig bleiben die Schwierigkeiten aus. Bei schulischen Problemen helfe es, dem Kind klarzumachen, dass Umwege dazugehören. «Je ruhiger und sachlicher die Eltern bei diesem Gespräch sind, desto grösser ist die Wirkung beim Kind.»

Doch was, wenn sich die Situation trotz aller Bemühungen nicht bessert? Dahinter könnten grosse Selbstzweifel stecken, sagt Frick. Der Buchautor nennt als berühmtes Beispiel für ein entmutigtes Kind den Schriftsteller Franz Kafka. Dieser beschrieb in einem Brief an den Vater, wie er von ihm eingeschüchtert wurde und dass er für ihn offenbar nichts richtig machte. Dadurch verlor Kafka jegliches Zutrauen in sein eigenes Tun.

«Wenn die innere Stimme dem Kind ständig sagt: ‹Ich genüge nicht Leistungssteigerung Was bringt Mentaltraining? ›, dann findet es ohne Hilfe oft nicht mehr raus.» Eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang: Das Kind gibt bei einer Tätigkeit nach kurzer Zeit auf – und erlebt den erwarteten Misserfolg. Je mehr negative Erlebnisse das Kind hat, desto mehr verfestigt sich die Meinung, dass es unfähig oder ungeliebt ist.

Zuhören hilft

Um aus diesem Mechanismus herauszufinden, brauche es echte Ermutigung, so Frick. Etwa mit Sätzen wie: «Das ist wirklich schade, dass die Prüfung misslungen ist, dabei hast du so viel geübt. Gäll, das ist gemein.» Wichtig sei, dass man die gesagte Botschaft ernst meine. An diesem Punkt dürfe man aber nicht stehen bleiben. Als Nächstes soll man mit dem Kind anschauen, wo es angestanden ist und was es braucht, damit das Ergebnis das nächste Mal besser wird. «Das Kind muss spüren, dass man aus tiefstem Herzen an seine Fähigkeit glaubt, ein Problem zu lösen.»

Eltern wünschten sich oft einfache Ratschläge, quasi ein Geheimrezept für glückliche und widerstandsfähige Kinder. Das gebe es allerdings nicht, sagt Frick. «Ich möchte Väter und Mütter aber ermutigen, sich auf ihre Kinder einzulassen und ihnen zuzuhören. Denn je besser man das eigene Kind kennt, desto eher reagiert man intuitiv richtig.»

Buchtipp zum Thema Resilienz

Jürg Frick: «Die Kraft der Ermutigung. Grundlagen und Beispiele zur Hilfe und Selbsthilfe»; Hogrefe-Verlag, 2018, 392 Seiten, Fr. 33.90

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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