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Säule 3aDie Lotterie-Säule

25 Jahre gebundene Vorsorge: Die Säule 3a feiert Jubiläum. Anlass für den Beobachter, ihr auf den Zahn zu fühlen. Wo spart man vorteilhafter, bei einer Bank oder bei einer Versicherung?

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Bei Banken gibts höhere Zinsen als bei Versicherungen – das sagt die gängige Meinung. Schliesslich sind Geld und Renditen der Alltag des Bänklers. Und die Versicherungen sind ja nicht auf Rendite, sondern auf Risiken spezialisiert. Nur: Stimmt dieses alte Vorurteil beim 3a-Sparen tatsächlich?

Der Beobachter hat die Angebote der vor einem Vierteljahrhundert eingeführten gebundenen Vorsorge 3a unter die Lupe genommen. Die Frage an alle grossen Banken und Lebensversicherungen: Wie viel hat ein damals 40-jähriger Mann heute auf der hohen Kante, wenn er jährlich 4100 Franken gespart hat und jetzt über sein Geld verfügen will? Das Ergebnis überrascht. Die Nase vorn hat nicht etwa eine Bank, sondern mit der Axa Winterthur eine Versicherung. Und erst auf Platz drei folgt die Migros-Bank – mit gehörigem Abstand zur Spitze.

Dieses Resultat sollte aber nicht zum Schluss verleiten, in der gebundenen Vorsorge 3a sei die Police dem Bankkonto prinzipiell überlegen. Denn dem Axa-Sparer hat Freund Zufall geholfen: Als die «Winterthur» noch der Credit Suisse gehörte, war sie zu einer rigorosen Kürzung der Überschüsse von Spar- und Rentenpolicen gezwungen. Nur so konnte sie den hohen Renditewünschen der Grossbank nachkommen. Offenbar blieben damals aber die 3a-Sparpolicen von Kürzungen verschont.

Wenn mans merkt, ist es schon zu spät

Wäre der Sparer dagegen bei der Allianz Suisse gelandet, hätte er Pech gehabt: Sie liegt um einen Prozentpunkt oder rund 17'000 Franken hinter der Axa. Für Mediensprecher Bernd de Wall handelt es sich bei diesem Resultat um einen «Einzelfall». Auch die Kunden der «Zürich» wären nur minimal besser gefahren als bei der UBS, die den zweitletzten Rang belegt.

Das Problem: Viele Versicherungssparer entscheiden sich für eine Gesellschaft, ohne zu wissen, wie gut die ihre Überschussprognosen in der Vergangenheit eingehalten hat. Und wenn die Erkenntnis reift, dass man eine Niete gezogen hat, ist es bereits zu spät. Denn ein Ausstieg aus einem Vertrag ist meist mit happigen Verlusten verbunden. Der Grund dafür: Dem Kunden werden in den ersten Jahren die Provisions- und Verwaltungskosten belastet. Das drückt die Rendite ins Minus. Bei Gesellschaften wie Generali oder Allianz Suisse weist die Police erst nach drei bezahlten Jahresprämien überhaupt einen Rückkaufswert auf.

Wie stark diese konsumentenfeindliche Politik die Sparer belastet, zeigt die Tabelle «Versicherungssparen» (nachfolgend), die den mutmasslichen Verlauf einer heute bei der Helvetia abgeschlossenen Sparpolice mit 23-jähriger Laufzeit zeigt: Der garantierte Rückkaufswert ist in den ersten 17 Jahren tiefer als die einbezahlten Prämien. Erst im 18. Versicherungsjahr schaut eine Rendite heraus: magere 0,24 Prozent. Rechnet man die – allerdings nicht garantierten – Überschüsse hinzu, sieht das Ergebnis etwas besser aus: Dann rentiert die Police «schon» ab dem zwölften Jahr. Hält man bis zum Vertragsende durch, steigt die Rendite auf 2,4 Prozent.

Nur das Durchhaltevermögen zählt

Unvorteilhaft für Sparer ist auch: Die Helvetia schreibt einen Teil der Überschüsse einem Konto «Treuebonus» gut. Auf diesen Nachteil weist sie in ihren Offerten nur verklausuliert hin. Helvetia-Sprecher Urban Henzirohs sagt dazu nur: «Wir wollen jene Versicherten belohnen, die ihre Verträge wie ursprünglich vereinbart erfüllen.»

Das Beispiel lässt sich auch auf andere Gesellschaften übertragen. Es zeigt, wie wenig Wert die Versicherungen auf Transparenz und Flexibilität legen. Ob der Kunde das angesparte Kapital zum Beispiel für einen Einkauf in die Pensionskasse oder für Wohneigentum benötigt, kümmert sie meist wenig. Für sie zählt allein das Durchhaltevermögen des Sparers.

Fazit: Eine Sparpolice lohnt sich nur, wenn man sich erstens in einer wirtschaftlich sehr sicheren Lebenslage befindet, zweitens überzeugt ist, das Geld nie anderweitig zu benötigen, und drittens die jährlichen Prämienzahlungen bis zum Schluss durchhalten kann.

Solche Einschränkungen kennen Bankkunden nur vom Hörensagen. Ihre 3a-Gelder stehen ihnen jederzeit in vollem Umfang zur Verfügung. So sieht es das Gesetz vor. Zudem kann man sein Sparkapital in der Regel ohne Kostenfolge zu einer anderen Bank transferieren, die mehr Zins zahlt.

Die Tiefzins-Strategie der Banken

Es lohnt sich aber, nicht bei der erstbesten Bank zu sparen. Denn selbst kleine Zinsvorteile haben nach Jahren grosse Folgen. Gut bedient ist man seit Jahren bei der Migros-Bank, schlecht bei UBS und Zürcher Kantonalbank. Die ZKB orientiert sich konsequent an der Tiefzinsstrategie der Grossbanken. Sie kann sich das nur deshalb leisten, weil offenbar viele Kunden die Staatsgarantie höher gewichten als eine gute Verzinsung. Dass die Credit Suisse im Beobachter-Test gut abschneidet, könnte zur falschen Annahme verleiten, die Grossbank habe ihr Herz für Sparer entdeckt. Ihr Resultat ist stark geprägt von ihrer Politik in den späten achtziger Jahren, als die damalige Schweizerische Kreditanstalt mit Höchstzinsen Marktanteile gewinnen wollte. Als sich zeigte, dass diese Strategie wenig ergiebig war, schwenkte die CS auf die Linie von UBS und ZKB ein – mit der Folge, dass sie sich mit den beiden seither ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den letzten Rang liefert.

Überraschend ist das mässige Resultat der Raiffeisenbanken, die auf Kleinsparer spezialisiert sind. Sprecher Franz Würth erklärt das so: «Der Schwerpunkt der Partnerschaft mit unseren Kunden ist nicht eine aggressive Konditionenpolitik.» Was er nicht erwähnt: Die Raiffeisenbanken erzielten 2009 im Hypothekargeschäft das höchste Wachstum aller beteiligten Bankengruppen. Diese aggressive Strategie zahlen die Sparer: Raiffeisen gewährt auf normalen Sparkonten seit Anfang Jahr nur noch 0,2 Prozent Zins. Mitglieder kommen mit 0,375 Prozent auch nicht viel besser weg.

Versicherung gegen Bank - wer gewinnt?

Beispiel: Ab 1987 zahlt ein damals 42-jähriger Mann während 23 Jahren jährlich 4100 Franken auf ein 3a-Bankkonto respektive eine gebundene Vorsorgepolice 3a. Wie viel wird ihm am 1. Januar 2010 ausbezahlt?

Rang Gesellschaft Kontostand Anfang 2010 Rendite pro Jahr
1 Axa Winterthur 143'614.– 3,36%
2 Bâloise 140'522.– 3,20%
3 Migros-Bank 139'333.– 3,13%
4 Raiffeisen 136'947.– 2,99%
5 Credit Suisse 136'505.– 2,97%
6 Swiss Life 134'999.– 2,88%
7 ZKB 134'734.– 2,87%
8 Zürich 134'636.– 2,86%
9 UBS 133'846.– 2,82%
10 Allianz Suisse 126'375.– 2,36%

Als Grundlage für die Bewertung der Lebensversicherungen diente eine Erlebensfallversicherung ohne Versicherungsschutz. Einziges Risikoelement dieses Tarifs: Beim Tod des Versicherten vor Vertragsablauf wird die Sparprämie nicht verzinst, die Sterblichkeitsgewinne gehen an die überlebenden Versicherungsnehmer über. Die Helvetia führte 1987 diesen Tarif nicht und konnte deshalb in der Umfrage nicht berücksichtigt werden.
Quelle: Gesellschaften

Versicherungssparen: 17 Jahre lang null Rendite

Beispiel: Wie viel erhält ein heute 42-jähriger Mann in 23 Jahren mutmasslich von der Helvetia- Lebensversicherung, wenn er jährlich 4100 Franken in eine 3a-Vorsorgepolice einzahlt?



Versicherungslösung Banklösung
im Minus Einbezahlte Prämien* Garantierter Rückkaufswert Rückkaufswert inkl. nicht garantierter Überschüsse 3a-Konto**
im Plus




1. Jahr 3844.– 2254.– 2304.– 3934.–
2. Jahr 7689.– 4547.– 4688.– 7967.–
3. Jahr 11'533.– 7141.– 7421.– 12'094.–
4. Jahr 15'377.– 10'837.– 11'305.– 16'321.–
5. Jahr 19'222.– 14'597.– 15'303.– 20'649.–
10. Jahr 38'444.– 34'407.– 37'151.– 43'898.–
12. Jahr 46'132.– 42'822.– 47'817.– 53'997.–
17. Jahr 65'354.– 65'186.– 76'532.– 81'444.–
18. Jahr 68'298.– 70'812.– 82'953.– 87'335.–
23. Jahr 88'420.– 94'736.– *** 119'002.– 119'002.–

* Von der Bruttoprämie von 4100 Franken werden die Risikokosten für die Prämienbefreiung von jährlich Fr. 255.65 abgezogen. Die effektive Sparprämie beträgt damit Fr. 3844.35.

** Annahme: Die Sparsumme beträgt ebenfalls Fr. 3844.35, und der Bankzins beträgt während 23 Jahren unverändert 2,4%.

*** Garantierte Nettorendite nach Abzug der Kosten von 1,18%. Die Bruttorendite entspricht dem technischen Zins von 1,75% (Nichtrauchertarif)     

Quelle: Helvetia

Sparen: Besser bei der Bank

Grundsätzlich gilt beim 3a-Sparen: Ziehen Sie das Bankkonto einer Lebensversicherung vor. Versicherungspolicen sind unflexibel und führen zu Verlusten, wenn man das Ersparte während der Laufzeit abziehen will – etwa um sich in die Pensionskasse einzukaufen oder Wohneigentum abzuzahlen. Eine 3a-Police ist nur empfehlenswert, wenn man Wert auf eine Prämienbefreiung legt. Dann zahlt die Versicherung bei Erwerbsunfähigkeit die Prämien weiter. Erwerbsunfähigkeit ist aber auch ohne Sparteil als Risikopolice versicherbar.

Lebensversicherungspolicen sind eine Blackbox. Ein Abschluss bei der erstbesten Gesellschaft ist riskant. Helfen kann ein unabhängiger Vermittler (Broker). Auf Verlangen sucht er jene Gesellschaften heraus, die in den letzten 20 Jahren ihre Überschussprognosen am zuverlässigsten eingehalten haben.

3a-Policen mit kurzer Laufzeit meidet man besser. Denn die Nettoprämie einer Sparversicherung mit 13-jähriger Laufzeit rentiert kaum: Ein 52-Jähriger erhält bei der «Zürich» gerade mal 1,44 Prozent Zins. Bei anderen ist die Rendite ähnlich schwach.

UBS, CS und ZKB zahlen durchwegs tiefe 3a-Zinsen. Man wählt besser eine Bank, die mehr Zins gewährt. Denn selbst Zinsdifferenzen von einem halben Prozent machen hier schnell Zehntausende von Franken aus.

Veröffentlicht am 21. Juni 2010

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30 Kommentare

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Patrick Pauli
Wer kennt das Axa Protect Plan 3a - Gebundene Vorsorge . Kann ich denn Kündigen. Der Vertragsbeginn ist 1.5.2015, 14 Tage habe ich gelesen stimmt das Bitte um hilfe

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chris
wer kennt das produkt flexsave duo von swisslife? und wenn ja wie gut ist es wirklich?

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Daniel Engel
Bei den Vergleichen wird immer nur die Rendite herangezogen - es gibt aber noch andere Fakotoren, die wichtig sind. Im Gegensatz zur Banklösung ist normalerweise bei den Versicherungslösungen die sogenannte Prämienbefreiung inbegriffen. Dies bedeutet, dass im Falle einer krankheits- oder unfallbedingten Erwerbsunfähigkeit nach Ablauf der vereinbarten Wartefrist die Versicherung die Sparprämien weiter bezahlt - so ist garantiert, dass man sein Sparziel auf jeden Fall erreicht. Ausserdem haben die Versicherungen strengere Auflagen bezüglich Eigenkapital - die gesamten Kundengelder müssen im gebundenen Vermögen angelegt werden.

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Clemens Müller
Mit der Versicherungslösung 3a wird eines gemacht: HEMMUNGSLOSE ABZOCKEREI! Beteiligte sind Versicherungen und unabhängige Berater (Provisionsjäger) . Hände weg von allen sehr jungen "Finanzberatern", die Gratis Beratungen anbieten. Die machen sich gar keine Gedanken, was sie überhaupt verursachen. Welchen Schaden sie anrichten.

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