In diesem viel zu warmen Januar ist der Klimaschutz ein Stück vorangekommen. Blackrock, der grösste Vermögensverwalter der Welt, macht neu Klimapolitik. Chef Larry Fink kündigte an: «Der Klimawandel ist zum entscheidenden Faktor für die langfristigen Aussichten von Unternehmen geworden.»

Klar, man kann Finks Worte belächeln, in der Finanzwelt aber haben sie Gewicht. Denn Blackrock bewegt richtig viel Geld: 7,4 Billionen Dollar – so viel, dass man damit Apple, Microsoft Betrugsmasche Microsoft ruft Sie nicht an , Alphabet und Amazon gleich zweimal kaufen könnte. Deshalb werden die Chefs der grossen Konzerne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können.

Denn Blackrock wird intervenieren, wenn zum Beispiel ein Unternehmen keinen vernünftigen Umweltbericht abliefert. In Firmen, die mehr als ein Viertel Umsatz mit Kohle machen und ein «erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen», werde man nicht mehr investieren. Die Drohung aus New York heisst: Entweder liefern die Konzerne – oder sie sind geliefert.

Natürlich ist der Brief ein glänzendes Stück PR und will Fink damit Blackrock weisswaschen. Das muss er auch, seine Firma steht in der Kritik. In Sachen Klimaschutz gilt sie als schwarzes Schaf der Branche. Aber genau das macht den Kurswechsel so brisant. Denn schon wenig kann viel auslösen.

Grün bringt Kohle

Blackrock will ja nicht die Welt retten, sondern an der Rettung der Welt Geld verdienen. Und Firmen, die grün wirtschaften, performen an der Börse einfach besser. Ein Beispiel: Das unabhängige Carbon Disclosure Project (CDP) untersucht seit 20 Jahren, wie umweltfreundlich Unternehmen wirtschaften. Jene, die top eingestuft sind, schnitten an der Börse 5,5 Prozent pro Jahr besser ab als vergleichbare Firmen. Das weiss natürlich auch Larry Fink. Denn Klimarisiken sind heute auch Investitionsrisiken.

Was das Ganze mit der Schweiz zu tun hat? Richtig viel.

Unsere Banken, die Billionen verwalten, können sich nicht länger hinter ihren Kunden verstecken, denen das Klima angeblich egal ist. Selbst Jörg Gasser, der neue Geschäftsführer der Bankiervereinigung, fordert, dass man sie dazu bringen muss, verstärkt in nachhaltige Finanzprodukte zu investieren. So liessen sich die Pariser Klimaziele schneller erreichen. Und das macht sich auch bezahlt – für die Banken, ihre Kunden, das Klima.

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Keine Ausreden mehr

Die Nationalbank – sie legt über 800 Milliarden Franken an – kann nicht mehr wie ihre Direktorin Andréa Maechler behaupten: «Die Klimapolitik gehört nicht zu unseren Aufgaben», es gehe allein um Preisstabilität. Sogar der ehemalige Vizepräsident Jean-Pierre Danthine fordert eine Umkehr. Man müsse ja nicht gleich alle Öl- und Kohleaktien verkaufen, könne aber als Aktionär intervenieren und etwa die Ausbeutung neuer Kohleminen verhindern.

Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Zentralbank der Zentralbanken, fordert jetzt eine Anlagepolitik gegen die Erderwärmung Pensionskassen Kassen heizen das Klima auf . Warum? Weil die Notenbanken sonst ihren Auftrag nicht mehr erfüllen und Preis- und Finanzstabilität garantieren könnten.

Auch die Pensionskassen müssen handeln. Das Argument, ihnen fehle die Legitimation, das Geld der Versicherten ökologisch anzulegen Nachhaltige Pensionskassen Vorsorgegelder befeuern den Klimawandel , zieht nicht mehr. Man muss sich nur mal fragen, ob man sein Geld lieber Blackrock oder einem der Tausenden Verwalter unserer Pensionskassen anvertraut. Da kommt einem unweigerlich der Gedanke: Warum den vielen Verlierern vertrauen und nicht dem grossen Gewinner?

Blackrock wird die Welt bestimmt nicht retten. Aber wegschauen und weitermachen, als sei nichts geschehen, können wir uns schlicht nicht länger leisten.

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Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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