Die Krankenpflegerin Brigitte Allensbach* hat alles richtig gemacht. Gemäss Gesetz handelte sie trotzdem falsch. Ihr Fehler war, dass sie ihren Mann aus dem Spital Inter­laken nach Hause geholt hat. Dass sie ihn nach seiner erfolgreichen Herzoperation zu Hause gratis umsorgte.

Die 56-Jährige hatte zwei Wochen Ferien. Ferien, in denen sie kaum schlief – sie musste ihrem 63-jährigen Mann alle drei Stunden eine neue Antibiotika-­Infusion verabreichen. Eine Arbeit, die sonst das Spitalpersonal hätte übernehmen müssen.

«Der Arzt wollte meinen Mann 14 Tage länger im Spital behalten Krankenkasse Ist der Spitalzusatz überflüssig? . Aber Infusionen neu anhängen, das kann ich ja auch zu Hause», sagt Brigitte Allensbach. «Dass ich nur wenig schlafen Schlafmangel Wenn die Nacht zu kurz ist konnte, störte mich nicht. Als die Kinder klein waren, war das auch so.» Sie habe das für ihren Mann sehr gern getan.

Tausende Franken

Brigitte Allensbach meldete ihren Gratiseinsatz Arbeitsrecht Muss Arbeit immer bezahlt werden? der Kran­kenkasse ihres Mannes, der KPT. Schliesslich hat sie dieser Spitalkosten von mehreren tausend Franken erspart.

«Ich hätte eine Gutschrift von 500 Franken fair gefunden», sagt Allensbach. Die Kasse kümmerte die Freiwilligenarbeit Mangel an Freiwilligen «Noch nie war es so notwendig, solidarisch zu handeln» aber nicht. Nicht einmal einen Dank hat die diplomierte Krankenpflegerin erhalten. Das Gesetz sehe eine Zahlung an pflegende Angehörige nicht vor, schrieb ihr die KPT ohne weitere Umschweife.

«Nicht zugelassen»

Brigitte Allensbach ärgert sich. «Immer heisst es, die Gesundheitskosten seien zu hoch. Doch wenn man etwas dagegen unternimmt, wird man nicht belohnt.» Die KPT wiederum verweist auf rechtliche Grundlagen, die eine Zahlung verunmöglichten. Man fordere schon lange eine Änderung. Das Bundesamt für Gesundheit solle erlauben, wirtschaftliches Ver­halten zu belohnen. Heute sind nicht einmal Kulanzzahlungen zugelassen, bestätigt das Bundesamt.

Brigitte Allensbach wusste sich zu helfen. Sie hat ihre Gratisarbeit über den Hausarzt ihres Mannes als Spitex-­Aufwand verrechnet. Weil sie bei der Spitex Spitex Hilfe, die immer ankommt arbeitet, war das mit einem Formular möglich.

Das schadet ihr zwar finanziell, weil ihr Mann den Selbst­behalt auf diese Leistung zahlen muss. Doch immerhin profitiert die KPT nicht mehr uneingeschränkt von Allensbachs Gratis-Ferieneinsatz. Die Kasse muss nun der Spitex Interlaken eine Rechnung über rund 2000 Franken bezahlen.

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Matthias Pflume, Textchef Digital

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