So legen Sie Ihren Notgroschen richtig an
Ein Notgroschen ist nichts Altmodisches. Wir alle brauchen flüssige Mittel, um bei Bedarf genügend Geld zu haben. Der Beobachter sagt, wofür.

Veröffentlicht am 21. Januar 2026 - 06:00 Uhr

Fällt der elektronische Zahlungsverkehr aus, ist ein Notgroschen überlebenswichtig.
«Kluger Rat – Notvorrat»: Ältere Semester können sich noch an diesen Slogan erinnern, mit dem die Behörden die Bevölkerung ermunterten, im Keller Mehl, Zucker und andere lebensnotwendige Lebensmittel für Krisenzeiten vorzuhalten. Im Zeitalter von 24-Stunden-Hauslieferdiensten tempi passati, oder?
Nein. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung – ja, das gibt es tatsächlich – hat den Slogan reaktiviert und die Liste der empfohlenen Notvorräte aktualisiert. Angesichts weltweit immer schneller auftretender Krisen, immer näher rückender Kriege vielleicht doch keine so schlechte Idee? Und: Braucht es auch einen finanziellen Notvorrat?
Unbedingt. Nicht in erster Linie für den Fall, dass Bancomaten und der elektronische Zahlungsverkehr flächendeckend ausfallen. In einem solchen Fall hätte das Land ein so grundsätzliches Problem, dass es nicht jede und jeder einzelne mit ein bisschen Bargeld unter der Matratze lösen könnte.
Aber etwas Vorsorge für den Fall unvorhergesehener Rechnungen und plötzlicher Geldengpässe kann keinesfalls schaden. Im Gegenteil, ein Notgroschen, eine eiserne Reserve, gehört zu einem vernünftigen Haushalt. Was die staatliche AHV für die Altersvorsorge ist, sollte deshalb ein privater Sparbatzen für die Notfallvorsorge sein. Ein Muss, sobald man finanziell auf eigenen Beinen steht.
Eigentlich wissen das ja alle. Und trotzdem handeln viele nicht danach. Dabei ist es nicht so schwer – hier die wichtigsten Tipps des Beobachters:
Wer braucht einen Notgroschen?
Kurz gesagt: alle, die nicht Millionär sind. Jede und jeder kann unerwartet in einen finanziellen Engpass geraten. Eine Zahnarztrechnung, ein Motorschaden am Auto, ein Leck in der Waschmaschine – wem passiert das nicht irgendwann?
Wer auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen ist, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, der sollte auch Reserven zur Seite legen, um plötzliche Mehrausgaben stemmen zu können.
Wie gross sollte der Notgroschen sein?
Die oft gehörte Faustregel sagt: drei Monatslöhne. Aber das trifft es nur ungefähr. Entscheidend sind nicht die Einnahmen (der Lohn), sondern die Ausgaben. Deshalb ist es schlauer, die eiserne Reserve als «dreimal den Monatsbedarf» zu definieren, also die Summe der Ausgaben von drei Monaten.
Das reicht – ausser wenn das Einkommen, um diesen Bedarf zu decken, sehr unregelmässig fliesst. Das ist beispielsweise bei Selbständigerwerbenden der Fall. Darum sollten sie eine grössere Reserve haben. Mit einem sechsfachen Monatsbedarf sind auch sie auf der sicheren Seite.
Wie sollte man den Notgroschen anlegen?
Die naheliegende Lösung heisst: auf einem Sparkonto, weil das Geld so ein bisschen mehr Zins abwirft als auf dem Privatkonto, aber dennoch immer verfügbar ist.
Das ist grundsätzlich richtig – sofern die Bedingungen der Bank zulassen, dass man nötigenfalls rasch an das Geld herankommt. Je nach Bank gelten für Sparkonten nämlich Einschränkungen: Wer einen Betrag beziehen will, der eine bestimmte Summe übersteigt, muss das Geld oft mehrere Monate im Voraus kündigen. Dann aber erfüllt es seinen Zweck als Notgroschen nicht.
«Haben Sie so viel Bargeld in kleinen Scheinen zu Hause, dass Sie einen Wocheneinkauf und eine Tankfüllung bar bezahlen können.»
Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung
Wer auf Nummer sicher gehen will, erkundigt sich bei seiner Bank nach den Bedingungen. Sind sie zu einschränkend, lässt man das Geld besser auf dem Privatkonto.
Braucht es auch Bargeld als Notgroschen?
Ja, aber nicht viel. Der Bund empfiehlt: «Haben Sie so viel Bargeld in kleinen Scheinen zu Hause, dass Sie einen Wocheneinkauf und eine Tankfüllung bar bezahlen können.» Das reicht.
Was, wenn ich noch keinen Notgroschen habe?
Finanzexpertin Olga Miler rät: «Zuerst die Höhe des nötigen Notgroschens berechnen und dann diese Summe allmählich mit einem monatlichen Sparbetrag äufnen – am besten mit einem Dauerauftrag auf ein separates Konto überweisen.» Olga Miler ist Ökonomin, Unternehmerin und Autorin des neuen Beobachter-Ratgeberbuchs «Money Buddy», das Ihnen dabei hilft, Ihre Finanzen einfach und stressfrei zu organisieren.
- Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung: Berechnen Sie Ihren Notvorrat





