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SprachaufenthaltRichtig versichert ins Ausland

Viele junge Leute reisen nach der Schule oder der Berufslehre für ein paar Monate ins Ausland. Doch nicht alles, was einem in der Fremde zustossen kann, ist durch die heimische Versicherung gedeckt. Deshalb sollten sie vor der Abreise ein paar Abklärungen treffen.

Jedes Jahr arbeiten ein paar hundert junge Leute aus der Schweiz als Au-pairs im Ausland, ein paar zehntausend verreisen für einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Europa oder Übersee.
von aktualisiert am 22. August 2018

Nach der Matur hatte Barbara Breitenmoser* erst mal genug von Schulzimmerluft, nun wollte sie Auslandluft schnuppern. Zusammen mit ihrer Mutter Petra Hanimann* organisierte sie sich einen Au-pair-Aufenthalt in England. Dabei tauchte die Frage auf: «Welche Versicherung zahlt, wenn Barbara in London zum Beispiel die Kinder der Gastfamilie mit dem Auto zur Schule fährt und etwas passiert?»

Jedes Jahr arbeiten ein paar hundert junge Leute aus der Schweiz als Au-pairs im Ausland, ein paar zehntausend – genaue Zahlen gibt es nicht – verreisen für einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Europa oder Übersee. Die Risiken sind dieselben wie zu Hause: Krankheit, Unfall oder Diebstahl. Doch reicht die Deckung der bestehenden Versicherungspolicen auch im Ausland? Oder gibt es Risiken, die man zusätzlich versichern muss?

Risiko Krankheit

Wer wie Barbara Breitenmoser den Wohnsitz in der Schweiz behält, ist über die Krankenkasse obligatorisch versichert. Damit sind grundsätzlich die Kosten einer Notfallbehandlung, also die nötigen Arzt-, Spital- und Medikamentenkosten während des Auslandsaufenthalts, gedeckt. Wobei zwischen EU-/Efta-Raum und Übersee zu unterscheiden ist.

EU-/Efta-Raum

Im Krankheitsfall bekommt man in der Regel dank dem Personenfreizügigkeitsabkommen die Kosten einer medizinisch notwendigen Behandlung vergütet. Wichtig ist, dass man die so genannte europäische Krankenversicherungskarte dabei hat. «Mit dieser Karte darf man die gleiche medizinische Behandlung beanspruchen, wie wenn man in diesem Land versichert wäre», erklärt Pierre Ribaut von der Gemeinsamen Einrichtung KVG in Solothurn. Die Karte hat das Format einer Kreditkarte und enthält Angaben zur versicherten Person (unter anderem Name, Geburtsdatum, Versichertennummer) und zur Krankenkasse. Viele Krankenkassen drucken sie auf die Rückseite ihrer Versichertenkarte.

Je nach Land ermöglicht es die europäische Krankenversicherungskarte, dass Arzt oder Spital ihre Kosten über internationale Stellen direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Der Vorteil: Die jungen Leute müssen die ärztliche Behandlung nicht direkt zahlen oder allenfalls nur eine Kostenbeteiligung gemäss den lokalen Vorschriften. Auf jeden Fall garantiert die Karte, dass man zum gleichen Tarif behandelt wird wie die Inländer. Es kann aber auch sein, dass man die Behandlungskosten an Ort und Stelle begleichen muss. Dann sollte man sich für die Rückforderung bei der Krankenkasse eine detaillierte Rechnung geben und quittieren lassen. Fazit: Wer sich in der öffentlichen Gesundheitsversorgung behandeln lässt, braucht keine Zusatzversicherung Krankenkasse Haben Sie die richtigen Zusatzversicherungen? .

Ausserhalb Europas

Die Grundversicherung übernimmt höchstens den doppelten Betrag der Kosten, die in der Schweiz vergütet würden. In Ländern wie den USA, in Australien, Kanada, Neuseeland oder Japan jedoch sind die Heilungskosten massiv teurer. Kostspielig kann es auch in Afrika oder Lateinamerika werden. Denn oft zieht man hier die bessere Versorgung in einem Privatspital vor, da die öffentlichen Spitäler nicht dem Schweizer Standard entsprechen. Um in solchen Fällen abgesichert zu sein, empfiehlt sich eine Zusatzversicherung. Diese kann man bei der Krankenkasse zeitlich befristet abschliessen. Am besten wählt man einen Zusatz, der

  • die Arzt- und Spitalkosten unbeschränkt vergütet,
  • Krankheit und Unfall deckt,
  • auch Krankentransporte, Rettungskosten und Rückführungen (unbeschränkt) vergütet,
  • die ganze Aufenthaltsdauer abdeckt,
  • eventuell auch die Reise- und Unterkunftskosten von Familienangehörigen zahlt, wenn diese zur Betreuung anreisen.
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Mehr zu Reiseversicherungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer einen längeren Auslandaufenthalt plant oder öfters im Jahr verreist, wird sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, welche Reiseversicherungen er braucht. Guider informiert seine Mitglieder unter anderem darüber, ob sich eine Annullierungskostenversicherung lohnt und was durch den ETI-Schutzbrief gedeckt ist.

Risiko Unfall

Auch für das Unfallrisiko gilt: Man kann die bestehende Versicherung beibehalten. Junge Leute, die wie Barbara Breitenmoser noch nicht erwerbstätig sind und zu Hause wohnen, sind über die Krankenkasse obligatorisch gegen Unfall versichert. Die Deckung ist dieselbe wie unter «Krankheit» ausgeführt. Bei einem Aufenthalt ausserhalb Europas empfiehlt es sich wiederum, eine Zusatzversicherung abzuschliessen.

Von einem sehr günstigen Unfallschutz können junge Leute profitieren, die vor ihrem Auslandsaufenthalt erwerbstätig und über ihren Arbeitgeber obligatorisch für Nichtberufsunfälle versichert waren. Sie können eine so genannte Abredeversicherung Abredeversicherung Unfall während unbezahlter Ferien - wer zahlt? abschliessen. Das ist zwar höchstens für 180 Tage möglich, kostet aber bloss 45 Franken im Monat.

Risiko Sach- oder Personenschaden

Was ist, wenn man die Digitalkamera der Sprachschulkollegin fallen lässt? Oder schlimmer: Was ist, wenn man beim Spurt über die Strasse einen alten Mann umwirft und der sich dabei den Arm bricht? Solche Schadensfälle bezahlt grundsätzlich die Privathaftpflichtversicherung. Doch wichtig ist, genau hinzusehen. Denn die Versicherungsgesellschaften regeln die Deckungen immer wieder ein bisschen anders.

Immerhin: Junge Leute, die nicht erwerbstätig sind und ihren Wohnsitz zu Hause bei den Eltern haben, sind für solche Schadensfälle meist über die Privathaftpflichtversicherung Versicherungen Gut versichert durchs Leben der Eltern gedeckt. Wobei zu prüfen ist, bis zu welchem Alter die Jungen eingeschlossen sind und ob es bezüglich Auslandsaufenthalt eine zeitliche Beschränkung gibt.

Verschieden handhaben die Versicherungsgesellschaften Schadensfälle in der Gastfamilie. Normalerweise sind über die Privathaftpflicht Schäden von Personen im gleichen Haushalt ja nicht gedeckt. Dementsprechend leisten zum Beispiel (gemäss einer Umfrage des Beobachters im Herbst 2008) die Allianz, die Helvetia oder die Mobiliar keine Zahlung, wenn in der Gastfamilie etwas in die Brüche geht. Grosszügiger geben sich die Axa Winterthur und die Baloise - sie zahlen solche Schäden. Die Zürich hingegen differenziert: Bei einem reinen Sprachaufenthalt ist der Schaden bei der Gastfamilie gedeckt, bei Au-pairs jedoch nicht, weil die Zürich diese als Angestellte betrachtet. Diese Unterscheidung gilt bei der Zürich sowie bei der Allianz grundsätzlich: Ihre Privathaftpflicht übernimmt keine Schäden, die von Au-pairs verursacht werden.

Die Krux liegt also im Kleingedruckten: Man kommt nicht darum herum, die Deckung mit der eigenen Versicherung zu besprechen.

Tipp 1
Eine Deckungszusage lässt man sich am besten schriftlich bestätigen.

Tipp 2
Nach einem Zusatz fragen, wie ihn zum Beispiel die Helvetia anbietet: Bei ihr kann man für einen Aufpreis von 20 Franken Schäden in der Gastfamilie versichern.

Risiko Autofahren

Kurz vor der Abreise nach London hatte Barbara Breitenmoser die Fahrprüfung bestanden. Deshalb hätte sie die Kinder ihrer Gastfamilie gerne in die Schule gefahren. Mit dem so genannten Fremdlenkerzusatz zur Privathaftpflicht lässt sich aber nur «gelegentliches Benützen eines fremden Fahrzeugs» absichern. Sobald das fremde Auto regelmässig oder mit einiger Häufigkeit benutzt wird, lehnen die Privathaftpflichtversicherer jede Deckung eines Schadens ab.

Es ist also kein Zufall, dass Jugendaustausch-Organisationen wie AFS ihren Studierenden das Autofahren generell verbieten. Pro Filia, die jährlich rund 200 Au-pair-Aufenthalte vermittelt, weist darauf hin, dass die Gastfamilie eine entsprechende Versicherung für Drittpersonen haben muss. «Wir raten Au-pairs, eine Kopie des Versicherungsausweises zu verlangen und ohne dieses Dokument nicht Auto zu fahren», sagt Annemarie Feldmann. Barbara Breitenmoser löste das Problem auf einfache Art: Sie begleitete «ihre» Kinder einfach zu Fuss zur Schule.

Risiko Reisegepäck

Vielfältig sind die Deckungsmöglichkeiten für verlorenes oder beschädigtes Reisegepäck. Eine Variante ist die Hausratversicherung, erweitert um den Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» und/oder einen speziellen Reisegepäckzusatz. Doch auch für diese Fälle sollte die Police genau studiert werden: Sind die Jungen über die Eltern-Police gedeckt? Bis zu welchem Betrag? Für wie lange? Ist das Reisegepäck nur gedeckt, wenn es verloren geht, oder auch bei Beschädigung? Sind bestimmte Gegenstände wie Flugtickets ausgeschlossen? Am besten bespricht man die konkrete Situation direkt mit der Versicherung und lässt sich eine zugesagte Deckung schriftlich bestätigen. Für den Diebstahl ruft Annemarie Feldmann von Pro Filia in Erinnerung: «Den Polizeirapport Versicherung Was tun nach dem Einbruch? nicht vergessen! Sonst gibts keinen Schadenersatz von der Versicherung.»

Eine andere Variante ist die Reiseversicherung. Sie kann bei einem längeren Auslandsaufenthalt ohnehin sinnvoll sein. Denn Jahres-Reiseversicherungen enthalten noch wichtigere Komponenten als den Gepäckschutz, nämlich die sogenannte Personen-Assistance. Diese deckt zum Beispiel die Reisekosten, wenn jemand aus medizinischen Gründen vorzeitig heimreisen muss. Sie übernimmt auch Kosten von Angehörigen, wenn diese zur erkrankten oder verunfallten Person anreisen. Oder Bergungs- und Rettungskosten – und dies oft weiter gehend als der Zusatz bei der Krankenkasse. Schliesslich und nicht unwichtig: Eine Reiseversicherung deckt auch die Kosten bei Annullierungen von Flügen, Ausbildungen oder Praktika, wenn der Auslandsaufenthalt wegen Unfall oder Krankheit abgesagt werden muss.

Bei dieser Vielfalt wird es schnell kompliziert. Kommt hinzu, dass die Versicherungspakete einerseits Lücken haben – bei Jahres-Reiseversicherungen zum Beispiel sind die Heilungskosten meist nicht inbegriffen – und dass sie sich anderseits überschneiden. Deshalb ein Vorschlag zur Bequemlichkeit: Jahres-Reiseversicherungen kosten nicht alle Welt, und man kann sie zeitlich beschränken. So ist es für einmal vertretbar, da und dort doppelt versichert zu sein – im Wissen, dass man dafür da und dort etwas weiter gehende Leistungen bekommt, falls etwas passiert.

Barbara Breitenmoser reiste schliesslich gut gerüstet nach London. «Glücklicherweise ist nichts passiert, weder ein Unfall noch sonst ein Malheur», sagt ihre Mutter Petra Hanimann. Das ist natürlich das Beste, auch wenn man sich ausreichend versichert weiss.

Fünf zusätzliche Tipps

  • Ergänzend zur europäischen Versicherungskarte gehören ins Reisegepäck: die Notfall- und Policennummern der Versicherungen. So kann man im Not- oder Schadensfall rasch mit der entsprechenden Versicherung Kontakt aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen.
     
  • Damit es mit der Deckung keine Schwierigkeiten gibt, müssen die Prämien während der Abwesenheit bezahlt werden.
     
  • Wer schon AHV-pflichtig ist, klärt direkt mit der entsprechenden Ausgleichskasse, was zu organisieren ist, um Beitragslücken zu vermeiden.
     
  • Für Gönner übernimmt die Rega Kranken- und Unfalltransporte, Rettungs- und Suchaktionen sowie krankheits- und unfallbedingte vorzeitige Rückflüge aus dem Ausland, wenn keine andere Versicherung dafür aufkommt. Zu beachten: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf diese Leistungen.
     
  • Au-pair-Vermittlungen in die USA dürfen nur akkreditierte Organisationen abwickeln (erst ab 18 Jahren). In diesem Rahmen sind alle Versicherungsfragen geregelt, da die Gastfamilien Au-pairs versichern müssen.
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*  Name geändert