Ich hatte als Kind so einige Ideen, was ich aus meinem Leben machen wollte: Heldin sein bei der Feuerwehr, die Welt bereisen als Dichterin oder im Fernsehen die Nachrichten verkünden.

Viele dieser Träume verblassten mit den Jahren, ein Gedanke jedoch kam mir immer wieder. Letztens, während ich meine Freunde bekochte, eröffnete ich ihnen meinen Plan: «Irgendwann möchte ich mein eigenes kleines Bistro eröffnen.»

«Wer nichts wird, wird Wirt», warf ein Freund sogleich ein und erläuterte lang und breit, weshalb ich besser beim Bücherschreiben bleiben sollte. Wirklich alles spreche gegen meine kulinarische Wunschkarriere, meinte er: Die Wirtschaftslage sei prekär, die Immobilienpreise würden ins Unermessliche steigen, wie ich Arbeitsausfälle begleichen wollte, wenn doch niemand mehr im Service arbeiten möchte, und ach, die KI erst!

Die künstliche Intelligenz werde in Zukunft sowieso diverse Arbeiten abdecken, es sei ja bereits mit den jetzigen Tools abzusehen, dass dereinst selbst Kunstwerke, tiefschürfende Recherchen und hochkomplexe Softwareprogramme von Computern erfunden und produziert würden – von Kochrezepten ganz zu schweigen.

«Schuster, bleib bei deinem Leisten», meinte er schliesslich, ehe er sich herzlich verabschiedete und mich mit der Frage zurückliess, was diese künstliche Intelligenz eigentlich davon abhalten werde, auch mein Dasein als Autorin zu gefährden.

ChatGPT, das Text-Tool der KI, brauchte jedenfalls keine zehn Sekunden, um mir einen Text auszuspucken, der nicht nur eine albanische Anekdote beinhaltete, sondern auch die Moral der Geschichte. Nach sieben weiteren Versuchen war ich dem Verzweifeln nahe. Ist es tatsächlich so einfach, meine auf unzähligen Reisen gesammelten Geschichten der Menschen aus meiner Heimat zu ersetzen?

Meine Mutter lachte, als ich ihr die KI-Textschnipsel zeigte und ihr die Story vorlas. Dann meinte sie: «Als Kind konnte ich mich nie am Brot deiner Grossmutter sattessen. Es hatte nichts Besonderes an sich, doch es nährte nicht nur den Magen, sondern auch die Seele. Heute gibt es Brot in Hülle und Fülle. Doch keines schmeckt wie dasjenige aus meiner Kindheit. Und so wird es auch mit der Kunst des Schreibens sein: Sie lebt vom Herz des Autors – nicht nur von Worten.»

Nun verstand ich endlich auch das alte Sprichwort, bekannt in der ganzen albanischen Region: «Brot, Salz und Herz». Es steht für die Heiligkeit des Brotes. Aber eben besonders auch dafür, dass dieses selbst in schweren Zeiten mit Fremden und Notleidenden geteilt wird.

Und irgendwie hörte sich dieser Spruch nach dem perfekten Namen für mein zukünftiges Bistro an.

Zur Person
Shqipe Sylejmani