«Was? Sie werfen Schere und Pinzette in den Abfall, wenn Sie meine Wunde versorgt haben?» – «Ja, die Spitaldirektion hat das so entschieden. Sterilisieren wäre zu teuer.» Das medizinische Personal nickt – und versteht meine Verwunderung. Ein einfacher Verbandswechsel hat zur Folge, dass zwei Metallinstrumente von chirurgischer Qualität im Müll landen.

Gespräche mit Fachleuten bestätigen das – obwohl diese Instrumente für eine lange Lebensdauer hergestellt wurden. Spitäler und Notfallstationen verzichten aus rein wirtschaftlichen Gründen, viele medizinische Instrumente zu sterilisieren und wieder zu benützen. Der Abfall wird zwar getrennt, aber das macht die Sache auch nicht viel besser.

Diesen Trend kann man in der ganzen Schweiz beobachten. Angesichts der hohen Abfallproduktion von Spitälern – man spricht von einer Tonne Abfall pro Bett und Jahr – ist diese Problematik nicht ganz unbedeutend.

Wie üblich versucht unsere Gesetzgebung auch hier den Spagat zwischen hehren Grundsätzen und begrenzten Umsetzungsmöglichkeiten. Das Umweltschutzgesetz verlangt klar: «Die Erzeugung von Abfällen soll soweit möglich vermieden werden.» Und: «Der Bundesrat kann das Inverkehrbringen von Produkten verbieten, die für eine einmalige und kurzfristige Verwendung bestimmt sind, wenn deren Nutzen die durch sie verursachte Umweltbelastung nicht rechtfertigt.»

Das Gesetz greift bei Schere und Pinzette aber ins Leere. Sie sind keine Einwegprodukte, werden jedoch nach einmaligem Gebrauch trotzdem weggeschmissen – und es scheint niemanden zu kümmern. Vielleicht könnten die kantonalen Umweltämter mal in Erwägung ziehen, ihren Spitälern zu empfehlen, die Praxis zu ändern. Man darf ja mal träumen …

Über die Zahlen kann man streiten, aber der Trend ist unverkennbar: Unser ökologischer Fussabdruck wächst – auch wegen der Materialverschwendung. Würden alle leben wie die Menschen in der Schweiz, bräuchte es fast drei Erden.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Und die beginnen wie so oft im Kleinen: Ein junger Uhrmacher aus der Region Biel kauft alte Lagerbestände auf und bietet im Internet Hunderttausende von Ersatzteilen wie Zifferblätter, Kronen, Unruhen zum Verkauf an. Er zeigt uns den Weg. Dank ihm können Uhrmacher weltweit wieder Schweizer Uhren aus der Nachkriegszeit reparieren.

Wenn wir Gegenstände reparieren, schleifen, sterilisieren und wiederverwenden, verringern wir unseren ökologischen Fussabdruck. Gleichzeitig halten wir technisches Know-how in unserem Land und verringern damit unsere Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen. Die Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als nur ein Geschäftsmodell.

Zur Person
Michel Huissoud