Nachdem meine Freundin und ich viel Gutes über Kinder gehört hatten, wollten auch wir eine Elternschaft ausprobieren und legten uns vor fast drei Jahren eine Tochter zu.

Die Entscheidung fiel nicht über Nacht. Wir haben Pro-und-Contra-Listen erstellt und Alternativen in Betracht gezogen. Letztlich haben wir uns aber gegen Haustiere oder eine Yogalehrer-Ausbildung entschieden – und für Nachwuchs.

Die Bestellung ging flott. Die Lieferung dauerte länger. Die Entbindung (so nennt man das Unboxing des Kindes im Fachjargon) wurde von Fachpersonen in einer eigens dafür ausgestatteten «Entbindungsstation» durchgeführt. Krass, was heute alles möglich ist. Die fertig entbundene Tochter konnten wir bereits wenige Tage später mit nach Hause nehmen.

Vor der Geburt unserer Tochter pflegte ich wenig Kontakt zu Kindern. Mein berufliches und soziales Umfeld bestand aus Erwachsenen – Kinder kannte ich nur aus der Werbung. Gross war also meine Verunsicherung, als plötzlich eines bei uns einzog.

Doch die Sorge war unnötig. Wir hatten Glück mit unserer Tochter. Sie ist ein fantastischer kleiner Mensch, und uns war schnell klar, dass wir sie behalten wollen. Ihre Probezeit bestand sie mühelos.

Mehr Mühe mit meiner Tochter hatten meine Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Die wenigsten wussten mit der neuen Situation umzugehen. Lange waren ihre Gesichter, als ich plötzlich nicht mehr rund um die Uhr verfügbar war. Als mein Vaterschaftsurlaub länger als zwei Wochen ging, haben einige gar den Kontakt zu mir abgebrochen. Es war, als wäre ich der erste Vater, dem sie jemals begegnet sind.

Dabei gibt es uns Väter schon länger. Schon nur in meiner Familie gibt es einige. Ich bin kein Ahnenforscher, aber ein Blick auf unseren Stammbaum lässt vermuten: Elternschaft hat bei uns Tradition.

Unsere Tochter hat unser Leben grundlegend verändert. Nebst einer neuen Wohnung sowie neuen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern mussten wir uns auch einen neuen Freundeskreis suchen, denn der alte bestand aus kinderlosen Freigeistern, die mit unserem neuen Schlafrhythmus nicht kompatibel waren.

Im ersten Jahr ernährt sich ein Kind nur von Muttermilch und dem Schlaf seiner Eltern. Der fehlende Schlaf ist dann auch klar der negativste Aspekt einer Elternschaft. Seit ihrer Geburt lässt uns unsere Tochter keine einzige Nacht durchschlafen und verstösst damit gegen internationales Völkerrecht. Denn Schlafentzug ist per Definition Folter. Und für diesen Verstoss gegen die Genfer Konvention sehe ich mich gezwungen, meiner sonst überschwänglichen Bewertung einen Punkt abzuziehen.

Meine Bewertung für Kinder: ★★★★☆

Zur Person
Patrick «Karpi» Karpiczenko