Die Bea ist die grösste Frühlingsmesse der Schweiz. Es gibt Dressurpferde zu sehen, das Schaumelken, Rasenmäherroboter und ein Riesenrad. In diesem Jahr steht da auch ein Cybertruck von Tesla.

Und dort, vor diesem kantigen Auto nämlich, ergibt sich ein Sittengemälde der Gegenwart zwischen Bern und Washington – oder dem Silicon Valley. Egal, Hauptsache, USA. Man kann sich das so vorstellen: Das Berner Messevolk schiebt sich im gemächlichen Schlendrian an diesem Auto vorbei, manchen klebt noch das Stroh von der Pferdeshow am Turnschuh. Und während die Leute da vorbeigehen, kommentieren sie das Zukunftsmobil an der Bea mit ein paar träfen, unbeeindruckten Donnerstagnachmittagssätzen auf Berndeutsch.

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«Läck, was isch das?»
«Das isch itz äbe sones Mond-Outo.»
«Läck, isch das hässlech. Das isch itz aber sougruusig.»
«Was wosch mit somene huere Chare? Mit däm id Migros? Nei, wie willsch dä parkiere ir Lorraine?»

Die Kritik ist vernichtend. Dabei sind die Messebesucherinnen und ihre Gatten, die Kinder und Jugendlichen mit Luftballons am Handgelenk grundsätzlich nicht feindselig gelaunt. Im Gegenteil. Viele verbringen hier einen wirklich schönen Nachmittag. Sie können an Wettbewerben teilnehmen, und die Feuerwehr hat ein kleines Wasserspiel vorbereitet, das die Kinder zum Lachen bringt. Aber diesen Cybertruck, den hassen sie wirklich.

«Das isch e gruusigi Batterie uf vier Rädli. Meh nid.»
«Lue da. Da lauft Öu uus. Dä Chlapf rünnt.»
«Aber scho huere breit so vo vore, oder?»
«Das isch es furchtbars Outo.»

Der auf Schweizer Strassen nicht zugelassene Cybertruck an der Frühlingsmesse BEA gibt es auch als Spielzeug-Auto für Kinder, aufgenommen am 29.04.2026

Neben dem grossen Cybertruck steht auch ein kleiner. Kinder können dort Probe sitzen – solange die Eltern mitmachen. 

Quelle: Daniel Faulhaber

Die einhellige Ablehnung ist ebenso bemerkenswert wie der Fakt, dass viele ihre Autobeschimpfung mit einem Seitenhieb Richtung USA verknüpfen. Alles, was an diesem Auto zu gross ist oder zu hässlich oder zu fett oder zu kantig oder zu aggressiv, wird von Männern und Frauen in Funktionsjacken als «amerikanisch» abgeurteilt. 

Diese politisch gefärbte Stilkritik überrascht ein bisschen. Denn man darf ja nicht davon ausgehen, dass die Besucherinnen dieser Messe für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie mit dem roten Gift des Antiimperialismus geimpft sind. Diese Leute sind mutmasslich keine Sozialisten mit traditionellem Feindbild USA. Dennoch haben die Vereinigten Staaten – das legen die Kommentare hier nahe – unter Vertretern der Schweizer Mittelklasse in Jeans und hochgeschobener Sonnenbrille aktuell wenig Kredit. Da ist eine atmosphärische Trübung spürbar. Der Cybertruck bringt sie zum Vorschein.

«Gseet ou us wiene Chinderzeichnig.»
«3,1 Tonne Gwicht? Das isch doch gschtört!»
«Wär bout so öppis? Nei, das isch doch furchtbar.»
«Dr Musk. Das isch es Outo vom Musk. Weisch dä mitem Mars.»
«U dä mit de Satellite. Im Wallis hets gly ou derigi.»

Noch so ein Bogen aus der kleinen Schweiz ins grosse Ganze. Im Wallis hat Elon Musk, der sehr reiche Unternehmer und Tesla-Gründer, trotz des Widerstands vieler Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner unlängst einen Sieg errungen. Sein anderes Unternehmen, Space X, darf dort nämlich 40 Antennen für Satelliten bauen. Die grösste Starlink-Bodenstation Europas. Befürworter aus der Gegend fanden, das sei gut für die Ausstrahlung. Die Gemeinde Leuk werde damit eine Stecknadel auf der globalen Karte der Weltpolitik.

Passt den Leuten hier gar nicht. Also diese Idee einer transatlantischen Achse Bern–Wallis–USA. Und dafür steht der Cybertruck in den Augen der Bea-Besucherinnen und -Besucher irgendwie auch. Fazit: Dieses Auto schlägt auf die Stimmung. Dann lieber Roboter anschauen in Halle 2.1. Oder halt Zwergponys. Diese süssen kleinen Dinger mit den langen Wimpern.