Geht es um Pädophile, steht Monika Egli-Alge oft Rede und Antwort. Die Gründerin des Forensischen Instituts Ostschweiz tritt am Fernsehen auf, gibt Zeitungsinterviews und sitzt in einer Begleitgruppe für einen Bundesratsbericht. 

Geht es um ihre eigenen Geschäfte, gibt sich die 60-Jährige zugeknöpft. Obwohl sie sich mit grossen Problemen konfrontiert sieht. Ihre Firma Phoenix Wohnen GmbH steht offenbar kurz vor dem Konkurs. Diese betreibt im Thurgau zwei Wohnheime für schwer erziehbare Jugendliche. Wie lange noch, ist jedoch offen. Anfang März hat Monika Egli-Alge allen Wohnheim-Angestellten in Weinfelden und Müllheim gekündigt. Die Zukunft der zwölf Jugendlichen ist ungewiss.

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Die Mitarbeitenden können sich den Liquiditätsengpass nicht erklären, da die Institution monatlich rund 120'000 Franken von Fürsorgestellen erhält. Sie haben Monika Egli-Alge bei der Staatsanwaltschaft Bischofszell angezeigt wegen «Insolvenzverschleppung und Verdacht auf Veruntreuung». Die Staatsanwaltschaft klärt derzeit ab, ob aufgrund der eingereichten Akten ein Verfahren eröffnet wird, sagt ein Sprecher.

Egli-Alge bleibt Löhne schuldig

Dem Beobachter liegen Dokumente vor, die Zweifel an einer sauberen Buchführung nähren. Aus einer Lohnliste von 2015 geht etwa hervor, dass Monika Egli-Alge 86'000 Franken an ihre zwei Söhne überweisen liess, obwohl diese keine Leistungen für die Phoenix Wohnen GmbH erbracht hatten, wie mehrere Angestellte sagen. Ein Mitglied der Geschäftsleitung des Forensischen Instituts Ostschweiz und dessen Sekretariatsmitarbeiter erhielten gemäss den Unterlagen 129'000 Franken Lohn von Phoenix. Welche Leistungen sie dafür erbracht haben sollen, ist den Angestellten schleierhaft.

Monika Egli-Alge bleibt bereits seit Dezember Löhne schuldig . 17 Angestellten fehlen insgesamt 132'957.35 Franken Lohn, wie aus einer Eingabe beim Bezirksgericht Weinfelden von Anfang März hervorgeht. «Ich habe nur noch 70 Franken auf dem Konto», erklärte ein Angestellter Monika Egli-Alge bereits im Januar. Genützt hatte die Intervention wenig. Auch die Februarlöhne blieben aus.

Mitarbeitende müssen Geld vorschiessen

Die finanzielle Lage ist so prekär, dass Mitarbeitende bis zu 1'000 Franken vorschiessen müssen, damit die Jugendlichen überhaupt zu essen haben. «Wir müssen eigenes Geld abheben, um Esswaren einzukaufen. Das Konto füllt die Buchhalterin nur noch unregelmässig mit kleinen Beträgen», sagt eine Angestellte. Vorliegende E-Mails bestätigen das. Einmal antwortet die Buchhalterin: «Ich konnte nur 800 Fr. überweisen.» Ein anderes Mal heisst es: «Leider ist momentan die Liquidität sehr schlecht.» 

Die Sozialämter zahlen allein für die acht Jugendlichen in Weinfelden jeden Tag 3043.20 Franken. Das entspricht dem vereinbarten Tagessatz. Dazu kommt: Erwirtschaftet das Weinfelder Wohnhaus ein Defizit, kann Monika Egli-Alge es dem Kanton weiterverrechnen. Denn die soziale Institution besitzt eine sogenannte IVSE-Zertifizierung.

Kanton wollte Defizit-Berechtigung entziehen

Die finanziellen Unregelmässigkeiten sind auch dem Sozialamt des Kantons Thurgau aufgefallen. Vor elf Monaten wollte der Finanzchef des Amts dem Phoenix-Wohnheim in Weinfelden die Berechtigung entziehen, Defizite abzurechnen und Jugendliche aus anderen Kantonen aufzunehmen. Die Buchhaltung sei «offensichtlich nicht korrekt geführt» worden, heisst es in einem Sitzungsprotokoll. Die wertvolle IVSE-Zertifizierung durfte die Sozialinstitution trotzdem behalten, deshalb fliessen die Steuergelder weiterhin. Wieso das so ist, wollte das Sozialamt des Kantons Thurgau nicht sagen. Entsprechende Fragen des Beobachters beantwortete der Kanton mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht.  

Monika Egli-Alge wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. Nach «einer Detailanalyse aller Fakten» sei es nicht mehr sicher, ob die Phoenix Wohnen GmbH die Bilanz tatsächlich deponieren müsse. Eine Rettung sei aber nur möglich, «wenn es uns gelingt, substantielle operative und finanzielle Verbesserungen zu erzielen», erklärte sie gegenüber dem Beobachter. Die Heime waren laut Aussage von Egli-Alge im vergangenen Jahr nur zu 50 Prozent belegt. Das habe zu den finanziellen Problemen geführt. Die Angestellten erklären jedoch, dass die Belegung deutlich besser war. Betreibungsregisterauszüge der Phoenix Wohnen GmbH zeigen auch, dass die Firma bereits seit 2017 wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge betrieben wird.

Dass Gelder der Sozialämter veruntreut worden seien, weist Egli-Alge «mit allem Nachdruck» zurück. Im Gegenteil, sie habe die Phoenix Wohnen GmbH mit über einer halben Million Franken unterstützt. In der Aufbauphase und bei Unterbelegung der Heime habe sie «den Mitteleinschuss finanziert», schreibt sie in einer Stellungnahme. Es seien auch nur Honorare an Personen ausbezahlt worden, «die im Rahmen von Dienstleistungsverträgen nachweislich für die Phoenix Wohnen GmbH tätig» waren, so auch an ihre Söhne. Für Monika Egli-Alge gilt die Unschuldsvermutung.

Angestellte geben nicht auf

Die Phoenix-Angestellten geben nicht auf. Obwohl sie keinen Lohn erhalten, arbeiten sie weiter. «Wir können die Jugendlichen jetzt nicht im Stich lassen», sagt die pädagogische Leiterin Jacqueline Romann. So sei sie unglaublich stolz, dass der Betrieb trotz grosser privater Geldsorgen weiterlaufe. Die Mitarbeitenden hoffen, dass die GmbH aufgelöst und in einen gemeinnützigen Verein überführt werden kann. Dazu müsste Firmeninhaberin Egli-Alge allerdings die ausstehenden Löhne und Sozialversicherungsabgaben begleichen. Nur so könnte der Verein ohne Schulden starten.

Rechtsratgeber
Mustervorlagen zu «Ausstehender Lohn»

Hat der Arbeitgeber den Lohn nicht bezahlt, sollte man umgehend reagieren und ihm eine kurze Frist setzen. Beobachter-Mitglieder sehen mit dem Musterbrief «1. Mahnung bei ausstehendem Lohn», wie sie das Schreiben aufsetzen können. Dauert der Lohnausstand länger, können Sie mit der Mustervorlage «Arbeitsniederlegung wegen ausstehendem Lohn» weiter Druck ausüben.

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