
Veröffentlicht am 29. Juni 2026 - 06:00 Uhr

Amtlich versiegelt und verwaist: das Ladenlokal des «Teppichhauses Wallis, Kwiek» in Naters
Der Angeklagte ist zum wiederholten Mal unpässlich. Eine «kurzfristig eingetretene Erkrankung» habe seinen Mandanten an der Reise in die Schweiz gehindert, liest sein Anwalt aus einer Textnachricht vor: «Ich bitte höflich darum, mein Ausbleiben zu entschuldigen.» Die Richterin schaut, als hätte sie nichts anderes erwartet, und der Anwalt bittet im Namen des Beschuldigten darum, die Verhandlung trotzdem durchzuführen: «Schliesslich möchte er diese Angelegenheit auch einmal hinter sich haben.»
Die «Angelegenheit», die der Beschuldigte Kevin Kwiek hinter sich lassen möchte, nahm 2021 mitten in der Pandemie ihren Anfang. In einem Ladenlokal in Naters VS öffnete das «Teppichhaus Wallis, Kwiek» seine Tore. Das Angebot: Verkauf und Reinigung von Orientteppichen. Heute ist der Laden amtlich versiegelt. Ein Sofa, ein paar Stühle und ein Stapel zusammengerollte Teppiche sind stumme Zeugen eines Geschäfts, das laut Anklageschrift mehrere Walliserinnen und Walliser um mehrere Zehntausend Franken gebracht hat. Es ist ein Geschäft, das in der ganzen Schweiz ähnlich abläuft, wie der Beobachter schon aufgezeigt hat.