«Der Spiralwechsel muss kein Trauma sein»
Viele Frauen haben Angst davor, eine Spirale einzusetzen oder zu wechseln. Kaum eine spricht darüber. Die Gynäkologin Meryem Kara zeigt, wie sich Schmerzen weitgehend vermeiden lassen. Im Video nehmen wir Sie mit ins Behandlungszimmer.
Veröffentlicht am 11. Juni 2026 - 22:30 Uhr

Gynäkologin Meryem Kara hat selber schlechte Erfahrungen mit der Spirale gemacht.
Ein Gegenstand aus Kupfer liegt auf dem Tisch. Etwa so gross wie ein kleiner Finger. Dieses kleine Ding sorgt bei vielen Frauen für Angst vor dem nächsten Besuch bei ihrer Frauenärztin – denn das Einsetzen der Spirale ist oft schmerzhaft. Doch wenige Betroffene reden darüber. Unsere Video-Redaktorin Aileen Lakatos will dieses Tabu brechen – und nimmt deshalb für ihren Besuch bei der Frauenärztin eine Kamera mit ins Behandlungszimmer.
«Das ist richtig schmerzhaft»: Mit Aileen Lakatos bei der Gynäkologin
Die behandelnde Gynäkologin Dr. med. Meryem Kara kennt die Schmerzen beim Einsetzen der Spirale aus eigener Erfahrung. Vor 24 Jahren liess sie sich nach der Geburt ihrer Tochter selbst eine einsetzen. Weil damals jede Vorbereitung fehlte, erlebte sie den Eingriff als traumatisch. Heute weiss sie: Der Eingriff am Muttermund ist unangenehm, doch mit der richtigen Vorbereitung lässt sich verhindern, dass daraus eine negative Erfahrung wird, die eine Frau noch jahrelang begleitet.
Frau Kara, Sie hatten selber starke Schmerzen, als Ihnen die Spirale eingesetzt wurde. Geht es ganz ohne?
Der Eingriff ist unangenehm, das dürfen wir nicht schönreden, aber er sollte nicht so schlimm sein.
Gibt es bessere Alternativen?
Jede Methode hat Vor- und Nachteile, das gilt für die Pille, die Spirale, die Dreimonatsspritze und das Stäbchen. Darüber müssen wir reden, damit jede Frau die für sie optimale Variante findet. Ich gehe in der Praxis jede Methode durch, und am Ende entscheiden wir, welche in Frage kommt. Ich zeige dabei auch an einem Modell der Gebärmutterhöhle, wie Hormonspiralen oder eine Kupferkette aussehen, und die Patientinnen können diese direkt in die Hand nehmen.
Was genau ist eine Spirale?
In der Gynäkologie sprechen wir von lokaler Verhütung, wenn wir Spiralen, sogenannte IUDs, meinen. Lokal bedeutet, dass ein Fremdkörper in die Gebärmutterhöhle eingesetzt wird, um den Schutz vor Ort zu gewährleisten. Es gibt die Hormonspirale und die Kupferspirale.
Wann eignet sich welche Spirale?
Wenn eine junge Frau drei Tage lang blutet, nie eine Schmerztablette braucht und die Blutungsmenge überschaubar ist, kann sie gut eine hormonfreie Variante wie die Kupferspirale nutzen. Wenn ich jedoch eine Patientin mit Schmerzen und starken Blutungen vor mir habe, wähle ich eher die Hormonspirale.
Das Einsetzen der Spirale schmerzt oft. Wie stehen Sie zur Betäubung am Muttermund?
Eine Spritze am Muttermund ist nicht mehr nötig. Mittlerweile gibt es gute Optionen mit einer Tablette, die man schluckt, und einer weiteren Tablette, die direkt am Muttermund eingelegt wird und über vier Stunden wirkt. Damit lässt sich das elegant lösen. Man muss nicht mehr wie früher am Muttermund spritzen, was ohnehin unangenehm ist und keine Schmerzfreiheit garantiert. Der innere Muttermund bleibt unangenehm.
Worauf sollte man nach dem Einsetzen achten?
Ich empfehle, in den ersten 24 Stunden grosszügig Schmerztabletten einzunehmen. Die Gebärmutter zieht sich als Muskelhohlorgan zusammen und verursacht dadurch wehenähnliche Kontraktionen. Deswegen rate ich, in den ersten drei bis fünf Tagen auf Geschlechtsverkehr, Tampons und das Baden zu verzichten.
Welchen Mythos über die Spirale möchten Sie aufklären?
Zum Beispiel, dass Frauen, nachdem man die Spirale entfernt hat, nicht mehr schwanger werden können. Er ist in den Köpfen der Frauen verankert. Allerdings habe ich mittlerweile das Gefühl, dass die jüngere Generation informierter ist. Ich empfehle, dass man eine Monatsblutung abwartet. Einfach, damit sich die Schleimhaut mal wieder erholt. Danach kann man ohne Probleme schwanger werden.
Was hat sich in den vergangenen Jahren bei der Aufklärung getan?
Ich arbeite seit über 20 Jahren in diesem Job. Worüber heute geredet wird – auch dank Social Media –, zum Beispiel über die Menopause, das war früher ein riesiges Tabuthema. Wir mussten Frauen aktiv über Sexualität, Libidoverlust und Trockenheit ansprechen. Heute kommen junge Frauen von selbst und fragen, ob sie an Endometriose leiden könnten, oder sie sprechen über Geschlechtskrankheiten. Wir reden viel über Verhütung. Verhütungsmittel wie die Spirale schützen jedoch nicht vor Geschlechtskrankheiten. Da ist noch unheimlich viel Redebedarf. Ganz viel. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind.
Ein Eingriff am Muttermund wird wohl nie zu einem Wellness-Erlebnis. Aber: Die Medizin hat dazugelernt. Das kleine Stück Kupfer hat auch für unsere Video-Redaktorin Aileen Lakatos seinen Schrecken verloren, zumindest teilweise. «Das lag vor allem an der Begleitung von Frau Kara. Eine Ärztin, die erklärt, statt nur zu machen, wünsche ich jeder Patientin», sagt sie. Niemand sollte auf dem Untersuchungsstuhl einfach die Zähne zusammenbeissen müssen. «Wir Frauen dürfen – und müssen – Aufklärung und Schmerzprävention aktiv einfordern. Unsere Sorgen und unsere Schmerzen müssen ernst genommen werden.»
Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema Verhütung? Fühlten Sie sich in der Praxis gut begleitet oder alleingelassen? Schreiben Sie uns in der Kommentarspalte.




