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HautDie Allrounderin

Bild: Thinkstock Kollektion

Schutzhülle, Sinnesorgan, Spiegel der Seele: Die Haut ist ein komplex aufgebautes Organ, das lebenswichtige Aufgaben übernimmt – und bei aller Robustheit doch sehr empfindlich ist.

von Susanne Wagneraktualisiert am 2017 M07 19

Die menschliche Haut leistet Erstaunliches: Sie bietet dem Körper Schutz gegen äussere Einflüsse wie Regen, Hitze, Kälte, Prellungen, Verletzungen und Infektionen. Ohne Haut wäre der menschliche Körper schutzlos. Die Haut ist die äussere Begrenzung des Körpers, die den Menschen von oben bis unten rundherum einhüllt. Mit etwa 1,8 Quadratmeter Fläche ist sie nicht nur das grösste Organ des Menschen, sie ist auch das schwerste: Die Haut macht rund 16 Prozent des Körpergewichts aus, bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen sind das immerhin elf Kilogramm.

Der Aufbau der Haut

Die Haut speichert Wasser und Fett. Zusätzlich wird in der Haut besonders das für die Knochen wichtige Vitamin D gebildet. Ähnlich wie eine Gore-Tex-Jacke bietet sie Schutz, ist aber gleichzeitig durchlässig. Sie reguliert durch Schwitzen den Wärmehaushalt des Körpers und ist Ausscheidungs- und Tastorgan in einem. Über die Rezeptoren in unserer Haut nehmen wir auch Berührungen und Schmerz wahr. Die Haut prägt das Erscheinungsbild eines Menschen und gibt seine Emotionen wieder: Vor Neid erblassen, vor Scham erröten, die Zornesröte im Gesicht – über unsere Haut kommunizieren wir mit der Aussenwelt und drücken damit – oft unwillentlich – Gefühle aus. Manche bezeichnen die Haut als Spiegel der Seele, der Persönlichkeit und des Befindens. Tatsächlich verschlimmern sich Symptome von Hautkrankheiten oft, wenn der Patient unter Stress oder Sorgen leidet. Hautkrankheiten sind für Betroffene häufig nur schwer zu ertragen, weil sie vor den Blicken der Mitmenschen kaum zu verbergen sind.
Die Haut kann die Vielzahl der Aufgaben so gut wahrnehmen, weil sie äusserst funktionell aus mehreren Schichten besteht:

  • Die Oberhaut (Epidermis) ist für das Aussehen eines Menschen besonders wichtig. Von der Dicke oder Zartheit der Hornschicht hängt es ab, ob bei hellhäutigen Menschen die Blutgefässe durchschimmern und der Teint dadurch rosig oder blass erscheint.
  • Die Lederhaut (Dermis) ist die nächste und stärkste Hautschicht. Sie ist ein gut durchblutetes, von Lymphbahnen, Muskelzellen und Nerven durchzogenes elastisches Bindegewebe. Ihre Aufgabe ist es, die Oberhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen und Berührungs- und Temperaturreize weiterzuleiten.
  • Die Unterhaut (Subcutis) setzt sich hauptsächlich aus Fettgewebe zusammen, das durch Bindegewebestränge in einzelne Fettläppchen unterteilt wird. Sie dient der Temperaturisolierung und als eine Art Dämpfer, der die inneren Organe vor Druck und Stössen schützt.

Schutz nach aussen

Die Zellmauer ist die Barriere gegenüber der Umwelt. Sie ist mit einem dünnen Wasser-Fett-Film überzogen, der vor allem aus Talg, Schweiss und aus Bestandteilen der Hornzellen gebildet wird. Da dieser Film leicht sauer ist, heisst er Säuremantel. Auch er erfüllt eine wichtige Schutzfunktion: Im Gegensatz zu hauteigenen Keimen finden fremde, schädliche Keime ungünstige Bedingungen vor. Deshalb trägt ein intakter Säuremantel zur Abwehr gegen Fremdstoffe bei. Darüber hinaus spielen die epidermalen Lipide für die Durchlässigkeit der Haut eine wesentliche Rolle. Die Pflege der Haut zielt darauf ab, die Lipidschichten zwischen den Hornzellen in einem möglichst intakten Zustand zu halten und für einen stabilen Säureschutzmantel zu sorgen. Denn nur so kann die Haut ihre Barrierefunktion erfüllen.

Von Altersfalten bis Zellerneuerung: Wissenswertes rund um die Haut

Schrumpelfinger
Wer lange in der Badewanne sitzt, bekommt an den Fingern tiefe Furchen. Das liegt daran, dass sich die Hornhaut mit dem warmen Wasser vollsaugt und die Zellen dabei aufquellen. Weil die ausgedehnte Haut mehr Platz benötigt, wirft die Oberfläche Wellen, und die Haut wird schrumpelig.

Dreckschaben
Im Mittelalter galt es als schädlich, die Haut mit Wasser zu waschen. Man befürchtete, durch die Poren könnten Krankheitserreger wie die Pestbakterien in die Haut gelangen. Stattdessen schabte man den dreck trocken ab und parfümierte Kleider und Perücken.

Millionen von Drüsen
Über die ganze Hautoberfläche verteilt, besitzt der Mensch zirka drei Millionen Schweissdrüsen, die die wasserlöslichen ausscheidungsstoffe absondern. Bei schwerer körperlicher Arbeit sowie bei grosser Hitze können die Drüsen täglich bis zu zehn Liter Schweiss ausscheiden. beim Verdunsten dieser Flüssigkeit wird die Haut gekühlt und das Blut auf einer verträglichen Temperatur gehalten. Die Talgdrüsen dagegen sondern das natürliche Hautfett ab, das für die Glätte und Geschmeidigkeit der Haut unentbehrlich ist. Die Ausgänge der Talgdrüsen befinden sich an den Schäften der Körperhaare.

Altersfalten und Furchen
Die Haut ist von einem feinen Netz aus Furchen und Falten durchzogen, das der Haut die persönliche Note verleiht. Bereits bei Kleinkindern bilden sich Falten. Sie sind dort von nutzen, wo die Haut ständig in Bewegung ist: über den Gelenken und im Gesicht. Altersfalten finden sich am ganzen Körper, besonders aber dort, wo die Haut häufig Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt ist.

Zellerneuerung

Die Hautzellen erneuern sich ein Leben lang. Durch die ständige Neubildung der Basalzellen in der untersten Schicht der Oberhaut werden die darüberliegenden Zellen immer weiter nach oben geschoben. So sterben die wasserreichen Basalzellen auf ihrem Weg nach oben langsam ab und werden trockene Hautschuppen. Täglich stösst die Haut bis zu 14 Gramm dieser toten Hornzellen ab. Alle 28 Tage erneuert sich die oberste Schicht der Haut völlig. Dieser Zellerneuerungsprozess verlangsamt sich jedoch mit zunehmendem Alter.

Flexibilität
Die Haut hat die Fähigkeit, sich zu vergrössern und wieder zusammenzuziehen, wenn sich der Körper verändert. Dehnungsstreifen etwa sind nach einer Schwangerschaft oder nach starkem Gewichtsverlust Spuren dafür, dass die Haut gezwungen war, sich auszudehnen, um die gewachsene Körpermasse unterzubringen.

Gänsehaut
Die Gänsehaut ist eine Muskelreaktion auf Kälte: Die kleinen Muskeln an den Haarwurzeln ziehen sich bei niedrigen Temperaturen zusammen, und es bildet sich deutlich eine Gänsehaut, auf der die Haare zu Berge stehen.

Fingerabdruck
Durch die nebeneinander verlaufenden Erhebungen an den Greifseiten der Finger, den Handflächen, den Fusssohlen und den Zehenunterseiten entsteht ein Muster, das bei jedem Menschen einmalig ist. Selbst eineiige Zwillinge, die über identisches Erbmaterial verfügen, haben unterschiedliche Fingerabdrücke. Das macht Fingerabdrücke zu einem wichtigen Erkennungswerkzeug für Kriminalisten. Scotland Yard überführte 1897 erstmals einen Verbrecher anhand seiner Fingerabdrücke.