Stundenlanges Sitzen im Flieger, in Bahn, Bus oder Auto Reisekrankheit Tipps gegen Reiseübelkeit ist eine Zumutung für die Venen. «Das ist riskant. Ohne Bewegung helfen die Muskeln nicht mit, das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen zu pumpen», sagt Venenspezialist Jürg Hafner vom Unispital Zürich. Dann kann es zu geschwollenen Beinen oder gar zu einer Thrombose kommen.

Gesunde Venen verkraften das lange Sitzen gut. Wenn sie jedoch geschwächt sind – durch zunehmendes Alter, Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht, Schwangerschaft oder erbliche Vorbelastung –, transportieren sie das Blut nur langsam weiter, es staut sich.

Das gibt nicht nur dicke Knöchel. An den Venenwänden oder an einer Klappe können sich Blutplättchen zu einem Thrombus verkleben. «So ein Blutgerinnsel kann sich jederzeit von der Venenwand lösen und über die rechte Herzkammer in die Lunge gelangen», sagt Jürg Hafner. Dann kommt es zur Embolie, die tödlich enden kann.

Risiko für Thrombose steigt durch langes Sitzen

Das Thromboserisiko lässt sich aber senken: mit Kompressionsstrümpfen. Das hat das unabhängige Forschernetzwerk Cochrane 2016 in einer Analyse von rund 2900 Flugpassagieren belegt. Kompressionsstrümpfe pressen die Venen zusammen und unterstützen so die Venenklappen beim Bluttransport. Dabei gibt es vier Kompressionsklassen (1 = mässig, 4 = extra kräftig). 

Grundsätzlich profitieren auf einer Fernreise über fünf Stunden alle von Kompressionsstrümpfen, denn ein gewisses Risiko für eine Thrombose besteht immer. «Wer aber bereits tiefe Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien hatte, an Krampfadern oder geschwollenen Beinen leidet, sollte bei langen Flugreisen und generell bei langen Reisen vorsorgen», rät Jürg Hafner. Dann sind die Venen klar geschwächt und benötigen Unterstützung durch Kompressionsstrümpfe. Am besten ärztlich verordnete, individuell angepasste. Sie helfen nicht nur im Flieger, sondern auch im Alltag bei schweren Beinen.

Grafische Darstellung eines Kompressionsstrumpfes.

Wer lange sitzt, riskiert ein Blutgerinnsel. Kompressionsstrümpfe und Bewegung helfen.

Quelle: Beobachter / Andrea Klaiber
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Thrombose kann auch erst nach der Landung auftreten

Zu empfehlen ist auch, zwischendurch aufzustehen und sich die Beine zu vertreten. «Jede Bewegung der
Füsse oder Beine fördert über die Wadenmuskulatur den Blutfluss positiv», sagt Experte Hafner. 

Eine Thrombose kann sich auch noch viele Stunden nach der Landung bemerkbar machen. Bei Verdacht sollte man auch am Ferienort sofort einen Arzt aufsuchen, rät Hafner. Das Bein ist meist geschwollen, die Wade kann schmerzen, manchmal ist die Haut bläulich gefärbt. Der Arzt überprüft die Diagnose zusätzlich mit Ultraschall und verschreibt dann Blutverdünner, damit die Thrombose sich nicht verstärkt – und sich im Verlaufe einiger Wochen wieder auflöst.

So beugen Sie einer Thrombose beim Fliegen vor

  • Wenn Sie Risikofaktoren bei sich erkennen und eine Flugreise von über sechs Stunden planen, besprechen Sie sich mit Ihrem Hausarzt.
  • Tragen Sie Kompressionsstrümpfe: «Reisenden ohne oder mit nur leicht erhöhtem Thromboserisiko empfehle ich Unterschenkel-Kompressionsstrümpfe der leichtesten Klasse 1», sagt Venenspezialist Jürg Hafner. Sie sind im Fachhandel auch als Reise-Kompressionsstrümpfe bekannt. Sie sollten gut, aber nicht zu fest sitzen. Strümpfe sind besser als Strumpfhosen – man sollte sie eine oder zwei Stunden vor dem Abflug anziehen. Individuell angepasste, ärztlich verschriebene Kompressionsstrümpfe sind allein für eine Reise nicht nötig.
  • Bewegen Sie sich regelmässig: Auf Flug- und Bahnreisen einmal stündlich mehrmals den Gang auf- und abgehen. Bei Bus- und Autofahrten in den Pausen aussteigen und sich die Beine vertreten. Bewegung im Sitzen hilft ebenfalls: 20-mal stündlich von der Fussspitze auf die Fersen und zurück wippen, 20-mal Füsse nach links und rechts abknicken, 20-mal Beine vor- und zurückschieben.
  • Massieren Sie die Beine: Ist es beispielsweise aus Sicherheitsgründen auf einem unruhigen Flug nicht möglich, vom Sitz aufzustehen, sollte man in regelmässigen Abständen die Waden kräftig massieren – immer von den Füssen zum Knie streichen, um die Venen Richtung Herz zu leeren. Äusserlich aufzutragende Venenmittel aus der Apotheke tun ihren Dienst weniger durch Wirkstoffe als durch das Einmassieren. Ein Babyöl oder eine kühlende Körperlotion können das auch.
  • Trinken Sie genug: Trockene Luft vor allem im Flugzeug entzieht dem Körper Flüssigkeit, das Blut verdickt und neigt eher zum Verklumpen. Wasser, Kräutertee oder verdünnte Fruchtsäfte helfen – nicht aber Schwarztee oder Kaffee, sie wirken entwässernd. Alkohol sollte man aus dem gleichen Grund meiden.
  • Auf Zigaretten und Bier sollten Thrombose-Gefährdete schon vor dem Abflug verzichten, weil Rauchen die Gefässe verengt und das Blut schlechter zirkulieren kann. Alkohol erweitert die Gefässe, was den Blutrückfluss zum Herzen ebenfalls erschwert.
  • Vorsicht mit Selbstmedikation: Aspirin als Blutverdünner vor der Reise bringt laut Studien nichts. «Wer schon eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie hatte, sollte sich zusätzlich den Gerinnungshemmer Heparin unter die Haut spritzen», rät Fachmann Jürg Hafner.
  • Sorgen Sie für Beinfreiheit, indem Sie Ihr Handgepäck über Ihrem Sitz verstauen, und wählen Sie wenn möglich einen Platz am Gang.
  • Tragen Sie bequeme, weite Kleidung und ziehen Sie während des Fluges mit Vorteil die Schuhe aus.
  • Wer beim Fliegen Mühe hat zu schlafen, sollte auf Schlafmittel unbedingt verzichten. Denn sie bewirken, dass die Muskeln, die den Rückfluss zum Herzen unterstützen würden, weniger effizient arbeiten. Die Medikamente erhöhen also indirekt das Thrombose-Risiko.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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