Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, aber auch depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme und weniger Lust auf Sex: Die Symptome der Menopause kennen die meisten Frauen um die 50 in der einen oder anderen Form. Am besten helfen gegen diese Beschwerden Hormone – Östrogen kombiniert mit Gestagen. Die Hormontherapie ist zu Beginn der nuller Jahre durch eine grosse amerikanische Studie stark unter Beschuss geraten. Jetzt erlebt sie ein Comeback. 

Eine Studie mit krassen Mängeln

Die Unterschiede zur früheren Praxis sind eklatant: Gemäss Petra Stute, Hormonspezialistin an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, wird die Hormontherapie heute auf die einzelne Frau und ihre spezifischen Symptome zugeschnitten. Zudem wird sie generell niedriger dosiert als früher.

Um die Hormontherapie ranken sich Kontroversen, seit vor über 100 Jahren das erste Produkt auf den Markt kam. Es war aber vor allem die WHI-Studie (Women’s Health Initiative) aus den USA, die ihr 2002 einen Tiefschlag versetzte: Aus den Daten ergab sich, dass Hormone das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Thrombosen erhöhten. Millionen von Frauen in den Wechseljahren setzten daraufhin die Präparate ab. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass die WHI-Studie fehlerbehaftet war: Die Studienteilnehmerinnen waren im Schnitt 63 Jahre alt und hatten die Wechseljahre längst hinter sich, ausserdem hatte jede zweite bedeutende Risiken – etwa Bluthochdruck, ausgeprägtes Übergewicht, manche hatten sogar Diabetes oder Herzleiden. Und viele waren Raucherinnen.

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Die heute vorliegenden Zahlen attestieren der Hormontherapie sehr geringe Risiken: Auf 10'000 Frauen zwischen 50 und 59 Jahren kommen drei zusätzliche Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine zusätzliche Thrombose. Brustkrebs- und Darmkrebsrisiko hingegen gehen sogar zurück (einer beziehungsweise zwei Erkrankungsfälle weniger auf 10'000 Frauen). Die Autoren der WHI-Studie haben sich im März 2016 im «New England Journal of Medicine» für die «Fehlinterpretation» der WHI-Daten entschuldigt.

Kaum unerwünschte Nebenwirkungen

Heute nimmt in der Schweiz etwa jede vierte Frau Hormone gegen Menopause-Beschwerden, in Form von Tabletten, Gels, Pflastern oder Vaginalzäpfchen. Bei der Östrogendosierung steht eine grosse Bandbreite zur Verfügung, von ultraniedrig bis höher dosierten Präparaten, wie sie etwa in den 1990ern üblich waren. Negative Effekte sind keine bekannt. Frauen, die auf Hormone verzichten wollen, können aber auf eine breite Auswahl von Alternativprodukten zurückgreifen (Mönchspfeffer, Traubensilberkerzen-Extrakt, Akupunktur oder Homöopathie)

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