Leserfrage: «Ein Arbeitskollege ist ständig mies gelaunt. Das ist belastend für alle im Team. Wie sag ichs ihm?»

Schlechte Laune – wir alle kennen sie, wir alle leiden unter ihr, vor allem natürlich unter jener der anderen.

Schlechte Laune ist allerdings ein weites Feld, was Ursache und Ausprägung angeht: vom Ausdruck einer vorübergehenden Verstimmung (die Laus auf der Leber) über eine querulatorische Persönlichkeitsstörung bis hin zu den ersten Symptomen einer beginnenden Demenz Demenz Was man über die Krankheit weiss .

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Die weitaus meisten Fälle sind vorübergehende gereizte Verhaltensweisen einer Person, die eigentlich ganz anders ist. Nett und angenehm oder zumindest neutral.

Schlechte Laune löst Unfrieden aus

Wenn jemand sich plötzlich aufbrausend und schlecht gelaunt zeigt, gibt es eine Ursache. Grundlos miesepetrig ist niemand. Häufig stehen Unzufriedenheit, Stress Stress Wenn man ständig auf der Überholspur lebt oder andere Belastungen dahinter.

Wenn wir von der schlechten Stimmung eines Teamkollegen überrumpelt werden, passiert Folgendes: Wir fühlen uns angegriffen oder genervt. Stress entsteht, die Atmosphäre knistert. Wir rechtfertigen uns wortreich, schiessen zurück, um die Angriffe abzuwehren. Oder wir machen die Faust im Sack.

«Sprechen Sie die Befindlichkeit der schlecht gelaunten Person an.»

Christine Harzheim, Psychologin FSP und systemische Familientherapeutin

Schlechte Laune steckt also an. Heimlich suchen wir Verbündete und rufen andere Teammitglieder als Zeugen an Intrigen Wo der Mobbing-Virus gedeiht : «Findest du Kurt nicht auch unmöglich?»

Was kann man tun?

Es ist sinnvoll, in sich hineinzuhören: «Warum stört mich die üble Laune eigentlich so? Was löst sie bei mir aus?» Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu reagieren. Grundsätzlich: Sprechen Sie die Sache direkt an – aber halten Sie den Ball flach und reden Sie ausschliesslich über die konkrete Situation. Nicht: «Warum bist du immer so aggressiv, nie kann dir jemand was recht machen!» Sondern: «Du klangst gerade frustriert, ist das so?»

Reagieren Sie auf einen unberechtigten Vorwurf nicht auf der inhaltlichen Ebene, sondern sprechen Sie die Befindlichkeit an. Wenn der Kollege reinkommt und losknurrt: «Wie siehts denn hier wieder aus?», nicht empört mit «Aber ich habe doch erst gestern aufgeräumt!» reagieren, sondern: «Du klingst total gestresst, kann das sein?»

Die Psychologie nennt das Affect-Labeling (Affektkennzeichnung). Dieses Vorgehen nimmt dem cholerischen Arbeitskollegen den Wind aus den Segeln, indem es seine Befindlichkeit ernst nimmt, ohne in einen Machtkampf einzusteigen.

Wenn jemand Übellaunigkeit und cholerische Ausbrüche als Persönlichkeitsmerkmal mitbringt, ist es schwieriger. Dennoch sollten Sie auch hier versuchen, Ihre Kritik am Verhalten offen anzusprechen, entweder allein oder im Team, wenn mehrere betroffen sind.

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Drei Regeln für Feedbacks

Hier kann ein klassisches Feedback sinnvoll sein. Ob allein oder in der Runde, das Vorgehen nach den Feedbackregeln schützt vor einer Eskalation:

  • Schritt 1: Beschreiben Sie konkret, was Sie wahrnehmen («Ich höre, dass dich das ärgert»).
  • Schritt 2: Benennen Sie, was das bei Ihnen auslöst («Ich fühle mich durch deinen strengen Ton angegriffen und werde ärgerlich»).
  • Schritt 3: Äussern Sie, was Sie gern anders hätten («Bitte rede über solche Dinge ruhig und sachlich mit mir, dann kann ich besser zuhören und verstehen, was du mir mitteilen möchtest»).

Falls solche Bemühungen scheitern und der Kollege nur gekränkt und umso wütender reagiert, braucht es Hilfe von aussen. Dazu kann man eine vorgesetzte Person hinzuziehen oder eine Supervision anregen. Gemeinsam können dann Veränderungsziele benannt und in regelmässigen Abständen überprüft werden.

Wenn all diese Versuche nicht zu einer Verbesserung des Arbeitsklimas führen, stehen Entscheidungen an. Vielleicht stellt sich heraus, dass der Mitarbeiter fachliche Qualitäten hat, aber einfach kein Teamplayer ist – und es andere Bereiche gibt, in denen er seine Ressourcen einsetzen kann, ohne zugleich andere durch seine Art zu belasten. Oder es kommt zu einer Beendigung der Zusammenarbeit .

Raus aus der Blockade

So oder so: Ob man ein gereiztes Arbeitsklima still und tapfer aushält und sich im Hintergrund empört oder ob man sich heimlich lustig macht über jemanden, der unpassendes Sozialverhalten zeigt – das alles führt zu einer unfreien Arbeitsatmosphäre, die die Zusammenarbeit blockiert.

Transparenz und Mut, die Dinge einfach offen und konkret anzusprechen, lohnen sich aus meiner Erfahrung immer. Klärung und Auflösung oder Klärung und faire Auseinandersetzung befruchten den Teamprozess.

Haben Sie psychische oder soziale Probleme?

Schreiben Sie per Mail an: christine.harzheim@beobachter.ch oder per Post an:

Christine Harzheim
Beobachter
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