«Mein innerer Schweinehund» heisst das Kunstwerk des dänischen Bildhauers Jens Galschiøt. Die Skulptur steht in Bonn – ein überlebensgrosses Schwein auf zwei Beinen, Fettschwarten um den Hals, einen schmuddeligen Mantel übergeworfen. Es ist eine Streitfrage, ob uns Menschen etwas derart Hässliches innewohnt. Tut es nicht, findet Beobachter-Lebensberater Koni Rohner. Ein Teil in uns sei vielleicht bequem, träge, faul sogar. Aber dieser sei ebenso liebenswert wie derjenige, der mehr Aktivität und Disziplin fordere. Deshalb ist es klüger, alle Facetten seiner Persönlichkeit anzunehmen und nicht ständig gegen sich selbst ankämpfen zu wollen.

Danach zu handeln, befreit davon, sich selbst ein schlechtes Gewissen zu machen nach dem Motto: «Du Couch-Potatoe bekommst den Hintern wieder nicht hoch!» Motivationstrainerin Maja Storch findet es zudem falsch, wenn auch noch andere den Mahnfinger heben und pauschal zu mehr Sport auffordern. «Weil nicht jeder von Natur aus ein Leichtathlet ist und es erhebend findet, Halbmarathons zu absolvieren.»

Das Pflichtbewusstsein bremst

Dass ein gewisses Mass an Bewegung notwendig ist, um gesund zu bleiben, ist unbestritten. «Warum tue ich es dann nicht?», wird Maja Storch oft gefragt. «Weil es Ihnen eigentlich Spass macht», antwortet sie dann. Nach erster Verwunderung falle bei vielen der Groschen: Nicht meine Trägheit ist der Grund, es ist mein übertriebenes Pflichtbewusstsein. Ich versage mir jene Dinge, die Freude machen. Ich gönne sie mir nicht, weil sie mir als Zeitvergeudung vorkommen.

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Maja Storch empfiehlt: Kramen Sie in guten Erinnerungen. Malen sie sich aus, wie lebendig Sie sich fühlten, als Sie durch den sattgrünen, würzigriechenden Wald stapften. Oder Ihren Körper ins Wasser tauchten und darin schwerelos ein paar Bahnen zogen. Lassen Sie sich dabei nicht ins Schema pressen oder unter Druck setzen. Bewegung hat nicht zwangsläufig mit Leistung und Rankings zu tun. Wählen sie etwas, was ihnen entspricht, in den Einheiten, die Ihnen gut tun. Sie hassen Fitnessstudios? Wirbeln Sie doch beim Wienerwalzer übers Parkett.

Gewohnheit oder schon Abhängigkeit?

Das eine tun, das andere lassen: Wir alle kennen das Gefühl: «Jetzt muss Schokolade her.» Oder: «Jetzt erst einmal einen schönen Rotwein.» Die gute Nachricht: Die Gelüste erfüllen ihren Zweck, sie haben «affektregulatorischen Nutzen», erklärt Maja Storch. Wir bringen damit unseren Gemüts- und Stimmungshaushalt ins Lot, müssen es uns also gar nicht abgewöhnen.

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Freilich ist dies kein Freibrief für hemmungslosen Konsum. Gerade beim Alkohol ist es ein schmaler Grat von der lieben Gewohnheit zur Abhängigkeit. Wesentlich hier: Nach einem hektischen Tag runterzufahren, erfordert mehrere Strategien. Eine davon kann das Glas Rotwein oder das Feierabend-Bier sein. Es darf aber nie das einzige Mittel bleiben. Wer dazu noch ein paar mal um den Block geht oder eine Runde radelt, eine halbe Stunde Computerspiel macht oder sich ein warmes Bad gönnt, läuft sehr viel weniger Gefahr, zum zweiten oder gar zum dritten Glas zu greifen.

Wem das Aufhören beim Naschen schwerfällt, sollte sich fragen, was er sich da einverleibt. Maja Storch lässt Süssigkeiten oder Knabbereien mit dem Nimmersatt-Effekt links liegen: oft im Labor Designtes, das den Zweck hat, Konsumenten auf ein bestimmtes Geschmackserlebnis zu konditionieren und immer mit einem kleinen Unzufriedenheitsgefühl zurückzulassen. Folge: Wir greifen so lange zu, bis die Tüte Pommes-Chips oder Gummibärchen leer ist. Tipp: Kaufen Sie statt Retorten-Pralinés gute Truffes oder eine dunkle Schokolade vom Confiseur Ihres Vertrauens – als süsse Medizin für Zwischendurch. Meistens reichen davon überschaubare Dosen, damit die Welt wieder in Ordnung ist.

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