Wer in einer Lebenskrise steckt, kann über die Website Psychotherapievergleich.ch Hilfe suchen. Diplomierte Psychotherapeutinnen Psychotherapie Des einen Freud... und -therapeuten ärgern sich aber über das Portal, das Swisscom Directories betreibt. «Da tauchen Anbieter auf, die alles andere als Psychotherapie machen», kritisiert Philipp Thüler von der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP).

Tatsächlich finden sich auf dem Portal Dutzende Personen, die keinen akademischen Abschluss Psychotherapie «Nur eine endlose Plauderei» in Psychotherapie haben. Die Daten werden automatisch aus der Suchplattform Local.ch übernommen. Dort kann man sich ohne Uni-Diplom und anerkannte Weiterbildung in der Rubrik «Psychotherapie» eintragen. «Die Plattform suggeriert deshalb bei vielen Einträgen ein Fachwissen, das gar nicht vorhanden ist», so Thüler. Swisscom Directories argumentiert, dass man es als Betreiber der Plattform nicht als Pflicht erachte, «die fachliche Qualifikation der eingetragenen Anbieter zu überprüfen».

Wer zahlt, erscheint weiter oben

Noch etwas stört die FSP: Auf der Plattform lässt sich ein guter Platz auf der Trefferliste kaufen. Wer sogenannte Rankingpunkte erwirbt, erscheint weiter oben. Zudem können Patientinnen und Patienten Bewertungen abgeben. Worauf die beruhen und wie sie zustande kommen, ist nicht ersichtlich.

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Nach einem Gespräch mit Vertretern der FSP gibt Swisscom Directories nun nach. Durch einen Datenabgleich mit dem offiziellen Psychotherapeutenverzeichnis des Bundesamts für Gesundheit versuche man nun, «eine Plattform anzubieten, die ausschliesslich registrierte Psychotherapeuten beinhaltet». Bis Ende Februar 2020 soll es so weit sein.

So finden Sie den richtigen Therapeuten

  • Wählen Sie einen Therapeuten, der Mitglied in einem anerkannten Berufsverband ist.
  • Vereinbaren Sie ein erstes Gespräch mit zwei verschiedenen Therapeuten, um vergleichen zu können. Schon in der ersten Stunde sollten Sie sich mit ihm oder ihr wohl fühlen. Eine gleichwertige, konstruktive Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist entscheidend für den Erfolg.
  • Fragen Sie den Therapeuten, ob er Erfahrung hat mit dem Problem, das Sie angehen wollen. Informieren Sie sich über die verschiedenen Therapierichtungen und entscheiden Sie gemeinsam.
  • Vereinbaren Sie ein klares Therapieziel. Manchmal haben Patient und Therapeut verschiedene Ziele im Auge. Solche Diskrepanzen werden nur deutlich, wenn man darüber spricht.
  • Es kann sinnvoll sein, eine Therapie vor Erreichen der Ziele zu beenden, vor allem dann, wenn Sie sich über längere Zeit nicht verstanden fühlen.
  • Stecken Sie gemeinsam einen Zeitrahmen ab. Die genaue Therapiedauer ist zwar nicht immer vorhersehbar. Wenn Sie sich nach Ablauf der vereinbarten Zeit aber nicht besser fühlen, sollten Sie einen Wechsel in Betracht ziehen.

Psychotherapie: Das zahlt die Kasse

  • Grundversicherung: Die Psychotherapie wird dann bezahlt, wenn sie ein Arzt – in der Regel ein Psychiater – durchführt. Der behandelnde Arzt muss nach 40 Therapiesitzungen den Vertrauensarzt des Versicherers über die Weiterführung der Therapie informieren, indem er einen Bericht einreicht. Gestützt auf die Beurteilung des Vertrauensarztes erteilt der Versicherer eine Kostengutsprache für weitere Sitzungen.

    Die delegierte Psychotherapie ist ebenfalls bezahlt: Die verantwortliche Ärztin überträgt die Therapie einem Psychotherapeuten, der bei ihr angestellt oder in den gleichen Räumen tätig ist. Die Rechnung stellt die Ärztin; sie gewährleistet auch die korrekte Durchführung.

    Wichtig: Sofern Sie in der Grundversicherung ein Prämiensparmodell gewählt haben, bei welchem die freie Arztwahl eingeschränkt ist (z.B. HMO) ist es notwendig, vorgängig Ihre Krankenkasse zu kontaktieren. Wenn Sie sicher gehen wollen, ob die Kosten in Ihrem Fall übernommen werden, verlangen Sie für bevorstehende Therapiesitzungen bei der Krankenkasse eine Kostengutsprache.
     
  • Zusatzversicherung: Ein Grossteil der Krankenversicherer bietet ambulante Zusatzversicherungen an, in denen auch Beiträge an Psychotherapien enthalten sind. Eventuell hat man nicht-ärztliche Psychotherapie in einer Krankenkassen-Zusatzversicherung gedeckt. Eine Deckungsanfrage beim Versicherer verschafft Klarheit.

    Allerdings muss eine medizinische Notwendigkeit bestehen, weshalb die meisten Krankenkassen die Überweisung durch einen Arzt verlangen. In jedem Fall sollte vorgängig geklärt werden, ob der gewünschte Therapeut auf der entsprechenden Liste des Versicherers ist.
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Weitere Informationen und Adressen zu Psychotherapie

  • Eine Liste mit anerkannten Psychiatern in psychiatrischen Institutionen (nach Kantonen aufgeteilt) findet sich auf der Webseite der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie: www.psychiatrie.ch
  • Eine Liste von Psychotherapeuten findet sich auch auf der Webseite der Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten: www.therapieplatzvermittlung.ch
  • Übersicht über die verschiedenen Ärzte-Organisationen im Bereich Psychiatrie: www.psychiatrie.ch
  • Die Stiftung Pro Mente Sana bietet Personen mit psychischen Problemen rechtliche und psychosoziale Beratung an: www.promentesana.ch; Tel. 0848 800 858 (Normaltarif) 
  • Beim Dachverband Schweizerischer Patientenstellen erhalten Menschen Hilfe, die Opfer sexueller Übergriffe durch Medizinalpersonen wurden: www.patientenstelle.ch

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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