Frage von Tobias S.: «Ich schiebe wichtige Aufgaben so lange hinaus, bis ich sie unter Stress und Zeitdruck erledigen muss. Oft bin ich danach auch mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden. Was kann ich tun?»

Aufschieben ist ein Verhalten, das viele Menschen kennen. Zu erledigende Aufgaben werden vertagt, obwohl man weiss, dass das unvernünftig ist. Sie nehmen sich zwar vor, etwas zu erledigen – doch sie tun es nicht. Typisch sind Gedanken wie «Jetzt ist kein guter Moment, ich warte, bis ich mich konzen­trieren kann» oder «Ich habe jetzt keine Lust dazu, ich werde es morgen tun, ich habe dann noch Zeit».

Es gibt mehrere Arten von «Hinaus­zögerern». Manche erledigen Dinge erst im letzten Moment, weil sie gelernt haben, dass sie unter Druck schnell und effizient arbeiten können. Etwas mit wenig Zeit­aufwand geschafft zu haben kann grosse Befriedigung geben. Andere gehen die Aufgabe gar nicht erst an, weil sie unan­genehme Gefühle vermeiden möchten, etwa Frust, weil die Aufgabe mühsam und sinnlos scheint. Oder Langeweile, weil die Aufgabe uninteressant und monoton ist. Wieder andere Aufschieber schaffen es nicht, eine Aufgabe anzugehen, weil sie perfekte Arbeit leisten wollen. Die eigenen Ansprüche sind hoch, und die Angst, das gewünschte Resultat nicht zu erbringen, hemmt. Wieder andere versinken in einer Unzahl von Aufgaben, die sie angenommen haben, so dass sie wegen Stress nicht an die Sache rangehen können.

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Man ärgert sich über sich selbst

Die Gründe können sehr unterschiedlich sein: eine gewisse Impulsivität, im Moment zu leben, Abneigung gegen fremdbestimmte Aufgaben, Ängste oder Perfektionismus.

Was immer die Gründe sind: Stark von «Aufschieberitis» betroffene Personen leiden. Schuldgefühle, Ärger über sich selbst, Unzufriedenheit, bis hin zur Depressivität, wenn Unerledigtes zu einem Berg angewachsen ist, der nicht mehr zu bewältigen ist, können die Folgen sein.

Unsere Motivation, eine Aufgabe anzugehen, hängt stark von der Bedeutung und der Relevanz ab, die wir einer Sache geben, und der Einschätzung darüber, wie viel und was wir dafür aufwenden müssen. Wenn das Gefühl besteht, es nur mühsam oder sowieso nicht zu schaffen, ist die Motivation ungleich geringer. Hinzu kommt, dass wir lieber Tätigkeiten durchführen, die uns relativ schnell auch Freude bereiten und uns befriedigen. Zudem: Je weiter weg zeitlich eine Arbeit abgeschlossen werden muss, desto geringer ist die Motivation, sie sofort anzugehen. Menschen, die gern im Moment leben, sind oft stärker betroffen, da sie sich schnell durch anderes ablenken lassen. Bei jüngeren Menschen ist das Problem daher häufiger zu beobachten.

Um Ihr Verhalten verändern zu können, ist es wichtig, dass Sie verstehen, was Sie warum hinauszögern. Können Sie nicht Nein sagen? Können Sie Frust schlecht ertragen? Brauchen Sie Druck, um mit der Arbeit zu beginnen?

Teilen Sie die Aufgabe in Schritte auf

Wenn Sie eine Aufgabe erledigen wollen oder müssen: Warten Sie nicht, bis Sie Lust kriegen. Es gibt immer genug Gründe, eine Arbeit nicht anzupacken. Feste Arbeitsrhythmen helfen, einen Anfang zu finden. Beginnen Sie zu einer festgelegten Zeit, egal, ob Sie Lust dazu haben oder nicht. Unterbinden Sie Gedanken wie «Jetzt ist gerade kein guter Moment» und sagen Sie sich «Ich will nun beginnen».

Wenn Sie sich an die schwierige Arbeit setzen, definieren Sie klare Zeitfenster, in denen Sie daran arbeiten. Halten Sie diese Zeiten anfänglich relativ kurz, etwa eine Stunde. Vermeiden Sie während dieser Zeit Ablenkung. Checken Sie keine Mails, nehmen Sie keine Anrufe an. Widmen Sie sich ausschliesslich dieser Aufgabe.

Teilen Sie die Aufgabe in kleine Schritte auf. Planen Sie für diese Schritte doppelt so viel Zeit ein, wie Sie einschätzen – oft wird der Aufwand unterschätzt. Wird das Ziel nicht erreicht, ist man frustriert. Planen Sie nach der Arbeitszeit Pausen und eine Belohnung ein. Versuchen Sie immer wieder zu sehen, was Sie alles geschafft haben, und konzentrieren Sie sich nicht nur auf all das, was noch aussteht.

Buchtipps

  • Piers Steel: «Der Zauderberg. Warum wir immer alles auf morgen verschieben und wie wir damit aufhören»; Verlag Ehrenwirth, 2011, 332 Seiten, CHF 32.90
  • Claudia Guderian: «Arbeitsblockaden erfolgreich überwinden»; Verlag mvg, 2010, 224 Seiten, CHF 14.90
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